Wochen(end)splitter X

[Frage der Woche: Gegen den HSV II konnte RB Leipzig in der vergangenen Saison zwei mal gewinnen. Mit der Niederlage letzten Samstag ging diese weiße Weste verloren. Welches ist aktuell das einzige Team aus der Regionalliga Nord, das bereits letztes Jahr gegen RB antreten durfte und noch nicht in den Genuss eines Punktgewinns gegen den Favoriten kam? Auflösung am Ende.]

Sieht man mal vom wohl nur für mich interessanten Umstand ab, dass mir das Hoffenheimer Piepen neue Blog-Besucher-Rekorde eingebracht hat, verlief die Woche doch eigentlich ganz schön ruhig. Ich meine ja nur, so nach einem 1:2 zu Hause gegen den HSV II. Als großer Favorit der Liga. Irgendwie ist es – na klar – blöd, im zweiten Spiel bereits eine Niederlage zu kassieren und hinterher zu rennen, aber das auf dem Platz sah eigentlich ganz gut und zukunftsfähig aus. So der für Leipziger Verhältnisse erstaunlich gelassene Tenor.

Allerdings dürfte der Tonfall auch recht schnell schärfer werden, wenn die RasenBallsportler in Wilhelmshaven nicht alle drei Punkte ins Gepäck packen. Wilhelmshaven ist einer der Orte, wo man im Frühjahr eines dieser gruseligen Auswärtsspiele abgeliefert hat.  Die haben inzwischen ihren Kader in selbst für RB-Verhältnisse extremem Maße einmal komplett ausgetauscht. Glaubt man der offiziellen RB-Homepage [broken Link], dann falle beim SV Wilhelmshaven vor allem die quantitativ magere Anhängerschaft, als auch die fehlende Kondition der Mannschaft auf. Ein Selbstgänger quasi. Bleibt zu hoffen, dass das ein anderer Selbstgänger wird als so viele Selbstgänger der letzten Saison.

Falls es schief geht, darf man sich schon mal erinnern, wie es zuging, als RB Leipzig vor einem Jahr nach drei Spieltagen mit 3 Punkten und 2:2 Toren im Mittelfeld der Regionalliga herumgeisterte. Winfried Wächter durfte auf Seite 1 der LVZ einen Leitartikel zum Thema veröffentlichen. Und der MDR fragte sich allen Ernstes, wie lange Tomas Oral denn wohl noch Trainer sein werde. Aber irgendwie kann man sich in der derzeitigen medialen Ruhe einen solchen Bruch gar nicht vorstellen.

Ein künftiges Kleinod mitten in der Stadt

Vielleicht hatte die Ruhe der Woche ja auch mit der letztsonntäglichen Eröffnung des Trainingszentrums am Cottaweg zu tun, mit der die Prä-HSV-II-Aufbruchstimmung fanseitig wieder ein wenig aktiviert wurde. Eine gelungene Veranstaltung war es in jedem Fall, mal abgesehen davon, dass es mit kniehohem Kleinkind ganz schön voll, heiß und insbesondere im Kinderbereich laut war, sodass sich die (elterliche und kindliche) Geduld äußerst schnell aufbrauchte. Weswegen ich auch nichts beizutragen habe zur Bewertung der Veranstaltung oder zur Schätzung der Besucherzahl, die ja mit mindestens 2.500 angegeben wurde, was ich angesichts des permanenten Austauschs durch kommende und gehende Personen für schwerlich belegbar halte, ohne sie auch nur im geringsten anzweifeln zu wollen. Denn gefühlt waren es eher mehr.

Es wurde ja im Zuge der Eröffnung viel davon geredet, wie toll es da am Cottaweg ist und wie schön, dass man so großartige Bedingungen habe. Und ein zu Hause. Und überhaupt mitten in des Stadt. Was sicherlich alles stimmt und wenn ich daran denke, dass da irgendwann noch eine kleine Tribüne für 1.000 Zuschauer steht und ein Haus mit Geschäftsstelle, Fanshop, einer kleinen Kneipe und Co, dann habe ich ein schickes Kleinod vor Augen, das den Nachwuchsteams bei ihren Pflichtspielen eine feste Fangemeinde einbringen wird. Als ich letzten Sonntag da stand, hatte ich aber eher den Eindruck einer staubigen, halbfertigen Baustelle mit vier großartigen Fußballfeldern mittendrin. Was es ja essenziell auch noch ist. Und dafür wiederum ist es ganz schön schick.

hallo! LEIPZIG hat sich vor der Eröffnung auch mit dem Thema befasst und am 13.08.2011 etwas verfasst, was für die weitere Bauzukunft relevant ist:

Was die komplette RB-Spitze überrascht hat: Die Stadt Leipzig fragt „dezent“ an, ob RB nicht auch vorn angrenzend in Richtung Kleinmesse Arealwünsche habe…

Ist vielleicht nur ein klassischer Fall von niemand weiß mehr, welche Flurstücke für den zweiten Bauabschnitt vorgesehen sind, könnte aber auch sein, dass hallo! LEIPZIG hier Wolfgang Loos, um den es kurz vorher in dem Beitrag ging, etwas in den Mund legt, was der da nicht drin wissen will. Richtung Kleinmesse zu bauen, hieße ab einer bestimmten Fläche auch die Zukunft der Kleinmesse zu diskutieren. Was vor einigen Monaten noch ein sehr heiß umstrittenes Eisen war.

Wolfgang Loos, der Mann für die Personalunion

Wolfgang Loos wird im Übrigen auf absehbare Zeit, nämlich zumindest in der Regionalliga Sportdirektor und Geschäftsführer in Personalunion bleiben. Vermeldete die LVZ gestern. Was keine große Überraschung ist. Wobei sich Loos wohl vornehmlich um den Geschäftsführer-Posten kümmern dürfte. Peter Pacult hatte ja, soweit dies bekannt war, bis zuletzt einen Sportdirektor neben sich abgelehnt und generell ein kolportiertes Problem mit Sportdirektoren als Vorgesetzten. Und dann wurde Wolfgang Loos offenbar auf Pacults Idee hin plötzlich bei RB Leipzig eingestellt. Ausgerechnet als Sportdirektor. Was mich damals schon sehr wunderte:

Inwieweit ein langjähriger Sportdirektor und zuletzt Geschäftsführer für einen Trainer lediglich den Erfüllungsgehilfen und Teammanager spielen möchte, mag ich nicht beurteilen. Ich hoffe zumindest, dass ihm jemand gesagt hat, welchen Kompetenzbereich er bei RB haben wird. Und ich hoffe auch sehr, dass man Herrn Loos nicht als kurz- oder mittelfristige Alternative für Dieter Gudel eingestellt hat.

Mit dem Abgang des Ex-Geschäftsführers Gudel macht die Personalie Loos und die Nachricht, dass man keinen weiteren Sportdirektor oder Geschäftsführer als Partner für Loos verpflichten werde, absolut Sinn, denn nun wird Loos die Allmacht im administrativen Bereich und hält so Pacult den Rücken frei, ohne sich sonderlich in die relevanten sportlichen Entscheidungen einzumischen bzw. diese wenn dann kompetent umzusetzen.

Ich war eigentlich immer ein Anhänger einer Konstruktion mit Trainer UND Sportdirektor (neben einem Geschäftsführer). Von daher sollte ich mit der jetzigen Lösung eher unzufrieden sein. Andererseits hat Peter Pacult als Persönlichkeit eine Präsenz, neben der es einen Sportdirektor vermutlich sowieso nur zerreiben würde. Ich traue es Pacult durchaus zu, den besonderen Druck von Medien und Öffentlichkeit bei RB Leipzig und die besonderen Situation als Fußball-Kaputtmacher-Feindbild für diverse Fans und Verantwortliche nicht nur auszuhalten, sondern sein Team trotzdem bestmöglich und erfolgreich vorzubereiten auf die Pflichtspiele. Andererseits ist das, was derzeit um RB Leipzig los ist, im Vergleich zum letzten Jahr noch Pillepalle (siehe oben). Man wird sehen, ob die Loossche Personalunion Geschäftsführer/ Sportdirektor unter Druck funktionieren wird und man wird besserwissen, falls es schief geht und ruhig sein, falls es gut geht.

Potenzielle Neu-RasenBallsportler

Stichwort Personalien und man ist bei der Tatsache, dass RB Leipzig derzeit noch auf der Suche nach Verstärkungen ist. Was auch nicht weiter überrascht, denn immerhin hatte RB Leipzig zwei Testspieler mit im Trainingslager, die man offenbar aus Leistungsgründen (jedenfalls nicht weil der Kader plötzlich voll war) nicht verpflichtet hat. Wolfgang Loos bestätigte jedenfalls bereits am Dienstag in der BILD das Ansinnen noch mal auf dem Transfermarkt tätig zu werden.

Es dauerte zwei Tage bis Guido Schäfer für die LVZ die Namen Maximilian Haas und Kevin McKenna aus dem Hut zauberte. Zweiterer Innenverteidiger mit kurzer Vergangeinheit als Stürmer bei Energie Cottbus. Ersterer Innenverteidiger mit Bayern-Vergangenheit und Mittelfeld-Zweitposition. Zweiterer hat wohl schon abgesagt, ersterer stehe kurz vor einer positiven Rückmeldung. Womit man neben Ernst, Rosin, Sebastian und Lagerblom den fünften Spieler hätte, der defensiv ganz hinten oder im Mittelfeld spielen könnte. Vom Typ her ins selbe Raster passt auch Mario Reiter, der von der BILD gestern und der LVZ heute aufs Karussell geworfen wurde und der derzeit den Defensivallrounder in der österreichischen, höchsten Spielklasse beim SC Wiener Neustadt gibt.

Ohne mich näher damit beschäftigt zu haben, habe ich bei Haas unwillkürlich wohlwollend mit dem Kopf genickt, während es bei Reiter eher ein ‚Hä, wer?‘ war. Was aber auch wirklich überhaupt nichts aussagt. Näher beschäftigen werde ich mich mit Neuzugängen, falls denn welche vorgestellt werden. Bis zur Schließung des Transferfensters dauert es ja schließlich nur noch 12 Tage. Viel Zeit hat mal also nicht mehr für Entscheidungen, außer man verpflichtet später noch einen derzeit vertragslosen Spieler.

Apropos vertragslos. Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

(Hat man eigentlich gemerkt, dass mir keine Überleitung zum Abschluss eingefallen ist?)

[Auflösung: Der VFC Plauen ist der einzige aktuelle Nord-Regionalligist, der – abgesehen von den Aufsteigern – noch kein Erfolgserlebnis gegen RB Leipzig feiern durfte.]

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3 Gedanken zu „Wochen(end)splitter X“

  1. Der VfC Plauen ist der einzige Regioverein, der uns keine Pkt. geklaut hat… Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen…es wird noch eine Weile dauern bis eine Leipziger Fussballmannschaft mit Überdurchschnittlichkeit glänzt und sportlich der Konkurrenz das fürchten lehrt.

  2. Toller Beitrag, zum Teil völlig neue Aspekte (Erfolgserlebnis gegen RB Leipzig…) – jetzt bin ich voller Hoffnung – Danke!

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