Thoooooelke (Tim)

Na, das ist wohl unvermeidlich, dass die nicht mehr ganz jungen Bundesbürger und Deutschen Demokratler mit Zugang zum Westfernsehen beim Namen des neuen Stadionsprechers von RB Leipzig unweigerlich an die Quizsendung „Der große Preis“ und deren Moderator Wim Thoelke denken müssen. Insbesondere das langegezogene Thooooelke der Trickfiguren Wum und Wendelin habe ich noch heftigst im Ohr.

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Es ist nun nicht so, dass ich großer Anhänger von Wim Thoelke und seiner Show gewesen wäre, mir war das in meiner damaligen Lebenszeit zu langatmig, aber die Szenen mit Wum und Wendelin (zum Beispiel in der Programmvorschau) waren immer ein wenig Highlights des kindlichen bis jugendlichen Fernsehkonsums.

Dass der neue Stadionsprecher von RB Leipzig [broken Link] nun Tim Tholke heißt, hat ziemlich viel mit Wim zu tun, denn den Künstlernamen hat sich der bürgerliche benamte Tim Hespen gegeben als er aus Hannover (wo er laut LVZ mal für Hannover 96 die Stadionhymne aufgenommen hat) kommend in Leipzig begann Rateshows zu moderieren. Dass er mit diesem Künstlernamen und nicht mit seinem bürgerlichen Namen in die Stadionsprecherarena einzieht, finde ich durchaus bemerkenswert.

Tim Thoelke dürfte allen Leipziger Szenegängern ein Begriff sein. Vor allem in Verknüpfung mit dem Club Ilses Erika und den dort von Thoelke moderierten Shows „Riskier Dein Bier“. Wer einen Eindruck davon haben will, um was es dabei geht, dem sei dies hier als Einstieg empfohlen:

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=ue0ObS7ODmY&[/youtube]

Die Ernennung eines neuen Stadionsprechers bei RB Leipzig könnte man natürlich mit allerlei Häme ala dem schon bekannten „Darf wenigstens der Busfahrer bleiben?“ oder ähnlichem aufpeppen. Soweit ich weiß, war der alte Stadionsprecher jedenfalls schon vor Amtsantritt der derzeitigen Führungsebene im Verein an- bzw. ausgezählt. Die öffentliche (Fan-)Kritik an ihm war vielfältig „Kein Gespür für Situationen“, „Quatscht in den Torjubel rein“, „Verwechselt Spielernamen oder spricht sie falsch aus“, „diverse inhaltliche Schnitzer“. Ich fand das alles nicht ganz so schlimm. Meine Kritik bezog sich vor allem auf konzeptionelle Dinge der Moderation, wie die Tatsache, dass man für die Halbzeitpause nie so etwas wie einen Vereinsblock eingebaut hat (Welches Team von RB Leipzig steht in welcher Liga wo?). Das ist allerdings kein Vorwurf, der sich in erster Linie an den Stadionsprecher richtete.

Nun sollte es aber doch ein neuer sein und dass die Wahl auf Tim Thoelke fiel, darf man durchaus als überraschende, mutige und interessante Entscheidung betrachten. Ich hielt Tim Thoelke bisher immer für einen Moderator, der in bestimmten Nischen funktioniert und dort mit seiner Art und seinem Humor punkten kann. In diesen Nischen hat er sich einen Namen gemacht. Durch diese Nischen ist er eine Art Leipziger Kultur-Szenegröße geworden und folgerichtig beim Leipzig Fernsehen gelandet. Dass man ihn nun bei RB Leipzig mitten ins Stadion stellt, beraubt ihn zumindest für diesen Job der Nische. Ob er auch nischenlos funktioniert, halte ich für eine offene Frage, auf deren Antwort ich überaus gespannt bin. Dass Tim Thoelke sein Debüt vor vermutlich 25.000 bis 30.000 Zuschauern beim Spiel RB Leipzig gegen den VfL Wolfsburg geben darf, macht es nicht gerade einfacher. Sehr, sehr kaltes Wasser, in das es zu hüpfen gilt.

Man könnte behaupten, dass RB Leipzig ein geschickter Zug hin zu mehr Lokalkolorit gelungen ist, indem man eine bekannte Leipziger Größe eingestellt hat. Positiv betrachtet. Will man es negativ sehen, ist Thoelke, nachdem man beim Autoren Clemens Meyer, der selbst den grün-weißen Farben aus Leutzsch anhängt, noch abgeblitzt war, eine Notlösung. Eine, die nach Subkultur und Nische und nicht nach großer Fußballbühne riecht. Ich persönlich kann damit trotzdem gut leben und hoffe, dass sich ein bisschen seiner Subtilität in die Stadionmoderation hinüberrettet. Ob Tim Thoelke letztlich aus der Subkultur kommend ein Mann der Familien- und Fanmassen wird, muss man sehen. Bis dahin kann man in der Kurve schon mal über Sprechchoreographien nachdenken, die nur ein Ende haben können: Thoooooelke.

Danke. Bitte.

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