Verschwörungstheoretische Interpretationsspielräume

Schon Mitte März war klar, dass ich beim TuS Koblenz aufhöre – dann ergab sich sehr schnell ein Kontakt zu RB Leipzig. (Wolfgang Loos, Sportdirektor und kommissarischer Geschäftsführer bei RB Leipzig wird im Sachsensonntag vom 03.07.2011 zitiert)

Nun wird es bei dieser Aussage wohl drauf ankommen, wie man das schwammige „sehr schnell“ interpretiert. Nehmen wir rein spekulativ mal an, dass „sehr schnell“ zwei bis drei Wochen meint und Wolfgang Loos Ende März, Anfang April Kontakt zu RB Leipzig aufnahm. Wobei er wohl eher Kontakt zu Peter Pacult meint, denn nach allem, was man aus der Berichterstattung der letzten Wochen lesen konnte, ist Loos hier, weil Pacult ihn wollte. Zumal bis Anfang Mai noch Thomas Linke Sportdirektor bei RB Leipzig war und kaum Kontakt zu einem potenziellen Nachfolger gesucht haben dürfte. Ok, eine mögliche Zeitabfolge sähe dann so aus:

  • Ende März, Anfang April (?): Wolfgang Loos nimmt Kontakt mit RB Leipzig/ Peter Pacult auf
  • 07.04.2011: Peter Pacult und Dietrich Mateschitz, Chef von Red Bull treffen sich bei einer Weinverkostung, sprechen dort aber nach eigener Auskunft nicht über ein Engagement Pacults bei Red Bull
  • 08.04.2011: Red Bull und Head of Global Soccer Red Bull Dietmar Beiersdorfer gehen getrennt Wege
  • 09.04.2011: Peter Pacult dementiert Gerüchte um einen Wechsel zu RB Leipzig
  • 11.04.2011: Peter Pacult wird als Trainer bei Rapid Wien entlassen
  • 21.04.2011: Tomas Oral gibt seinen Abschied bei RB Leipzig zum Saisonende bekannt
  • 04.05.2011: Thomas Linke tritt bei RB Leipzig als Sportdirektor zurück, Peter Pacult wird als Trainer vorgestellt.
  • 16.06.2011: RB Leipzig präsentiert Wolfgang Loos als neuen Sportdirektor

Das hieße im Klartext, dass Pacult und Loos noch zu Zeiten Beiersdorfers und vor der legendären Weinverkostung Pacult/ Mateschitz auf der Liste Red Bulls gestanden und miteinander über RB Leipzig gesprochen hätten. Eine Liste, die Beiersdorfer niemals selbst geschrieben und ein Gespräch, das er nicht initiiert hätte. Aber vielleicht bedeutet „sehr schnell“ ja auch „mindestens einen Monat später“. Dann würde die Kontaktaufnahme zumindest in den bisher kommunizierten Zeitablauf passen, der ja so ging: Pacult trinkt mit Mateschitz Wein, wird daraufhin bei Rapid Wien wegen angeblichen Vertrauensverlustes ungerechtfertigt entlassen, kriegt anschließend ein gerechtfertigtes Jobangebot bei RB Leipzig (woraufhin Thomas Linke abdankt) und guckt sich danach das Personal aus, mit dem er arbeiten will, so auch Loos.

Witzig aber, wie unterschiedlich die Storys über den Loos’schen Wechsel nach Leipzig selbst dann klingen können, wenn ihr direkte Zitate ein- und derselben Person zugrunde liegen:

Als RB gegen Chemnitz im Pokalfinale spielte, habe ich mit einem Auge auf den Liveticker geschaut. Da gab es die ersten Kontakte. Eigentlich wollte ich eine Pause machen, aber dann kam das Angebot aus Leipzig. (Wolfgang Loos im Interview gegenüber der LVZ vom 16.06.2011)

Zwischen Ende März und Ende Mai (das Pokalfinale fand am 01.06. statt) ist nun doch eine arg große Spanne, die nicht mehr durch die Wortgruppe „sehr schnell“ gedeckt ist. Eine ebenso wunderliche Geschichte ist das, wie es die derzeitige Außenwirkung der Personalwirren bei RB Leipzig/ Red Bull ist. Aber die strategische Nicht-Kommunikation (hat eigentlich schon mal jemand eine Newsmitteilung zum Abschied des Geschäftsführers Gudel auf der Homepage von RB gesehen?) bei Red Bull hat zumindest in Bezug auf das mal haltlosere und mal gehaltvollere Spekulieren und freie Assoziieren seine Vorteile. Da darf man sich manchmal wie Entdecker, Enthüller und Verschwörungstheoretiker in einer Person fühlen. Super. Aber eigentlich auch durchaus verzichtbar..

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