Schon wieder ein Ex bei RB Leipzig: Dieter Gudel

Position2009/20102010/20112011/2012
VorstandsvorsitzenderAndreas Sadlo (bis 01/2010)Dietmar Beiersdorfer (bis 04/2011)???
GeschäftsführerDieter Gudel (ab 02/2010)Dieter Gudel???
SportdirektorJoachim KrugThomas Linke (ab 02 bis 05/2011)Wolfgang Loos
PressesprecherHans-Georg FelderHans-Georg Felder (bis 03/2011)Enrico Bach (bereits seit 04/2011)
TrainerTino VogelTomas OralPeter Pacult

Es ist schon ein ordentliches Personalroulette, das da bei RB Leipzig in mehr als regelmäßigen Abständen vonstatten geht. Dieses Mal trifft die personelle Umstrukturierung offenbar den Posten des Geschäftsführers, auf dem für RB-Verhältnisse fast schon eine idyllische Kontinuität herrschte. Mit Dieter Gudels von der LVZ verkündetem Rückzug trat auch jene Person ab, die es mit 17 Monaten auf das nach Hans-Georg Felder (21 Monate!) zweitlängste aktiv ausgeübte Angestelltenverhältnis aller bisher auf Führungsebene tätigen Personen brachte. Glückwunsch. Ähm oder eben auch nicht. Bei RB könnte man sich jedenfalls mal überlegen, ob man nicht nur noch Ein-Jahres-Verträge ausstellt. Viel länger lässt man eh kaum jemanden auf seinem Posten verharren beziehungsweise bleiben nicht viele freiwillig.

Es ist ja nicht so, als ob es gerade heute nicht auch andere Themen gäbe. Stichwort Trainingsauftakt [broken Link], neuer Trainer, neue Spieler, neuer Sportdirektor, Aufbruchstimmung. Doch es wäre nicht RB Leipzig, wenn es nicht stattdessen um Stellen und deren Besetzung ginge. Das ist selbst im Sommerloch, wo man ja für Nachrichten oftmals geradzu dankbar ist, ein mühseliges Business.

Dieter Gudel also, einer von dem ich nichts schlechtes, genaugenommen eigentlich gar nicht viel sagen kann. Nach außen hin wirkte er immer wie gemacht für den Geschäftsführer-Posten. Keiner, der seine Nase in jeden medialen WInd hängen musste. Einer, in seiner Außenwirkung (im positiven Wortsinne) Technokrat, der nicht als Vereins-Identifikationsobjekt taugte und sich stattdessen lieber in seiner Arbeit vergrub. Von der gab es seit seinem Amtsantritt 2010 reichlich. Insbesondere seit der Entlassung von Sportdirektor Joachim Krug im Sommer 2010 müssen sämtliche (auch sportlich-)administrativen Tätigkeiten und Entscheidungen bei RB Leipzig direkt über Gudels Schreibtisch gegangen sein. Ohne Sportdirektor war Gudel bis Februar 2011, bis Thomas Linke für seinen Kruzauftritt in Leipzig einflog, bei RB Alleinunterhalter.

Und hatte als solcher neben dem Tagesgeschäft im letzten Jahr auch die Planung des Traningszentrums und die Verhandlungen mit Stadt und Naturschutzvereinigungen an der Backe. Dazu die auch nicht gerade stressfreinen Fragen der Kooperationen mit Lok und FC Sachsen. Zwischendurch nach Linkes Abgang die Vorbereitung auf die neue Saison und eine sehr kurzfristige (letztlich abgeblasene) Bemühung um das Spielrecht des insolventen FC Sachsen. In Dieter Gudels Arbeitsleben dürfte es spektakulär turbulent zugegangen sein. Im Gegensatz zum Privatleben, das wohl unter diesen Umständen kaum mehr möglich war.

In diesem Zusammenhang scheint es plausibel, dass dem notorisch überarbeiteten Dieter Gudel, der letzte wirkliche Verantwortliche, der noch von Ex-Red-Bull-Fußball-Boss Beiersdorfer eingestellt wurde – schon warmgeschossen durch die nicht in seinem Interesse liegende, von oben zu verantwortende Trennung von Thomas Linke (dem es wohl nicht angemessen erschien, dass ihm als Sportdirektor der Trainer für Leipzig quasi aus Salzburg vorgeschlagenschrieben werde) – die Einstellung von Sportdirektor Wolfgang Loos vermutlich über seinen Geschäftsführer(!)-Kopf hinweg als unzumutbarer Affront vorgekommen sein muss. Direktiven und Absprachen aus und mit Salzburg: ja, komplett außen vor gelassen zu werden: nein. Ausgerechnet also Dieter Gudel, bei allen und trotz aller Entscheidungen der letzten Monate immer ein loyaler RB-Mitarbeiter nimmt nun offenbar einen Vertrauensbruch zum Anlass, um die Knochenmühle seines Jobs aufzugeben. Konsequent und trotzdem aus meiner bescheidenen Perspektive heraus sehr schade.

Als Wolfang Loos überraschend zum Sportdirektor ernannt wurde, purzelte folgendes aus meiner Tastatur:

Inwieweit ein langjähriger Sportdirektor und zuletzt Geschäftsführer für einen Trainer lediglich den Erfüllungsgehilfen und Teammanager spielen möchte, mag ich nicht beurteilen. Ich hoffe zumindest, dass ihm jemand gesagt hat, welchen Kompetenzbereich er bei RB haben wird. Und ich hoffe auch sehr, dass man Herrn Loos nicht als kurz- oder mittelfristige Alternative für Dieter Gudel eingestellt hat.

Wovon ich inzwischen nicht mehr so ganz überzeugt bin. Die Story liest sich nämlich nun so: Man stelle bei RB Leipzig einen Sportdirektor ein, der seine letzten Erfahrungen bei der TuS Koblenz auf einem Geschäftsführer-Posten sammelte. Man habe bei RB Leipzig gleichzeitig einen Trainer, der Sportdirektoren nicht als Direktoren, sondern eher als Erfüllungsgehilfen betrachtet, diese also nichts zu dirigieren haben. Man nehme also Wolfgang Loos, der in der Funktion des Pacultschen Sportdirektors eher unter- als überfordert sein dürfte, parke ihn zur Unterstützung von Pacult in Leipzig, entscheide dies über Gudels Kopf hinweg und warte ob die letzte Beiersdorfer-Altlast das hinnimmt. Wenn ja, dann gut und abwarten, wenn nein, dann noch besser und umstrukturieren. In dieser Version wird Pacult der einzige starke Mann im Verein, also der Macher und das Gesicht und Loos verpflichtet die Spieler, die Pacult will und bekommt den kompletten Überblick über die ganze administrative Steuerung des Vereins und dafür noch einen Assistenten, der ihm beim Bearbeiten des Wusts unterstützt. Pressesprecher Bach kommuniziert derweil, was es so zu kommunizieren gibt. Wäre ziemlich exakt dieselbe Situation, wie sie mit Oral, Gudel und Felder vor einem Jahr existierte, nur dass da noch Beiersdorfer über allem schwebte. Arg spekulativ und verschwörungstheoretisch, aber auch nicht unplausibel, diese Variante der Story. Ich jedenfalls bin nicht überzeugt, dass man kurzfristig einen neuen Geschäftsführer einstellen wird.

Wie auch immer man die Hintergründe des Abgangs interpretiert und mal außer Acht gelassen, dass die Abgänge der letzten wirklichen Beiersdorfer-Vertrauten (mit Gudel verlässt auch Chef-Scout Legien den Verein) durchaus nicht unplausibel erscheinen, bedenkt man, dass Beiersdorfer eben nicht mehr da ist und Beiersdorfer bei Red Bull offenbar für den Misserfolg und das Scheitern stand: Ich finde den Rückzug von Dieter Gudel schade, auch weil er in der Tradition des Rückzugs von Thomas Linke steht. Beide waren offenbar unzufrieden darüber, dass ihnen aufgrund der Entscheidungen in Salzburg die Freiheiten bei der Ausübung ihres Berufs fehlten, die sie persönlich wohl als notwendig erachten würden. Das Duo Geschäftsführer/ Sportdirektor, Gudel/ Linke wäre aus meiner Sicht sowohl fachlich, als auch imagetechnisch ein ziemlich schickes und zukunftsfähiges Duo gewesen, auch wenn dann unklar geblieben wäre, ob Pacult die allererste Wahl bei der Besetzung des Trainerpostens geworden wäre.

Bei Red Bull sieht man das alles offenbar sowieso wieder einmal anders. Was letztlich ihr gutes Recht ist. Die permanente, unprofessionell wirkende Personalrotation macht ihnen aber selbst bei den Fußballfreunden das Leben schwer, die RB Leipzig gewogen gegenüber stehen. RB Leipzig hatte von Beginn an wegen des Hintergrundes mit den roten Bullen keinen guten Start und kein gutes Image in Fußballdeutschland. Dass man aber in der tagesaktuellen Personalpolitik dieses Image tatsächlich noch einmal verschlechtern kann und nicht durch eben diese das Image aufpoliert, ist eine Erkenntnis, die nach gerade einmal zwei Jahren RB Leipzig doch erheblich erstaunen muss.

Wie sich die dritte Saison RB Leipzig – also die dritte Saison mit völlig neuem Personal auf allen Ebenen, quasi der dritte Verein in drei Jahren – anfühlen wird, ist derzeit noch eine Frage mit offener Antwort. Eine Frage, die sich nicht ausschließlich durch sportlichen Erfolg beantworten/ übertünchen lässt. Es gibt viele, viele Bausteine, die erst zusammenwachsen und Strahlkraft entwickeln müssen. Mal sehen, wieviel Geduld man bei RB/ Red Bull mit den nächsten Mitarbeitern hat, wieviel Geduld die nächsten Mitarbeiter mit RB/ Red Bull haben. Im Moment jedenfalls fällt es schwer, daran zu glauben, dass das Bullen-Personalroulette positiv zum Vereinswachstum, also zum sportlichen Erfolg, aber auch zur Verankerung des Vereins als Fußballverein in der Stadt beiträgt. Nachhaltigkeit, als Voraussetzung von Erfolg jedenfalls ginge wohl anders. Aber kommt ja vielleicht noch, wenn man denn die richtige Mischung gefunden hat. Falls man denn eine Idee hat oder entwickelt, wie die aussehen könnte.

Bis dahin sei Dieter Gudel alles Gute gewünscht für den weiteren beruflichen Werdegang und gedankt für all den betrieben Aufwand in den letzten 17 Monaten und die ruhige, sachliche Art, die abgesehen davon, dass ich die konkrete Arbeit Gudels kaum sinnvoll bewerten könnte, immer sehr angenehm und angemessen wirkte.

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2 Gedanken zu „Schon wieder ein Ex bei RB Leipzig: Dieter Gudel“

  1. Nun gut. Auch unserem Blogger macht es RB / RedBull nicht gerade leicht. Oder doch? Ständig neuer Stoff den es zu „bewältigen“ gibt. 😉

  2. Ständig muss man seine Textpläne umschmeißen. Heute noch eine Idee für einen Beitrag im Kopf, morgen schon nicht mehr aktuell. Kann man als angenehme Herausforderung empfinden, muss man aber auch nicht. Andererseits sind auch schlechte Nachrichten vielleicht keine guten, aber immerhin Nachrichten und damit auch Blogbesucher..

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