Statistische Punktelieferanten

Und weiter geht es mit dem wilden Ritt durch die Welt der Zahlen und Fakten. Nachdem ich vor kurzem schon gezeigt hatte, dass RB Leipzig zumindest in Bezug auf die Heim-Rückrunden-Bilanz meisterlich war, heute noch ein paar statistische Betrachtungen, die zum ultimativen Proto-Lieblings-Gegner von RB Leipzig führen werden.

Zur Erwärmung ein paar einfache Tabellen. Fangen wir mal an mit einer Tabelle, die für die sechs Topteams der Regionalliga zeigt, wie sie sich gegen die letzten neun Teams (also die Plätze 10-18) der Tabelle geschlagen haben:

PlatzTeamsPunkteToreSpiele
1Chemnitzer FC50+3918
2Wolfsburg II44+2518
3Halle42+2518
4Lübeck42+1918
5RB Leipzig38+2218
6Kiel30+1718

Wie immer thront Chemnitz über allen und RB Leipzig läuft unter ferner liefen und liegt in dieser Wertung sogar noch hinter dem Halleschen FC. Besser wird das ganze nur unwesentlich, betrachtet man dieselbe Tabelle für Partien gegen die obere Hälfte der Tabelle (also die Plätze 1-9):

PlatzTeamsPunkteToreSpiele
1Chemnitzer FC32+2016
2Wolfsburg II31+616
3Lübeck27+316
4RB Leipzig26+616
5Kiel25+1216
6Halle16-816

Hier ist RB Leipzig schon deutlich näher dran an den Topteams, ohne selbst zum Topteam zu werden. Das bestätigt sich, betrachtet man nur die Partien der ersten Sechs untereinander:

PlatzTeamsPunkteToreSpiele
1Chemnitzer FC19+1210
2Wolfsburg II16+110
3Kiel13+410
4Lübeck13-410
5RB Leipzig12-310
6Halle5-910

Als Fünfter ist RB Leipzig weithin abgeschlagen, auch wenn man natürlich behaupten könnte, dass man auf ziemlicher Augenhöhe mit Kiel und Lübeck agiert. Aber wer hätte das schon vor der Saison als Zielvorgabe verstanden wissen wollen. Insgesamt zeigt sich, dass RB die Punkte gegen gute und schlechte Gegner gleichermaßen verloren hat. Wahnsinn der HFC in dieser Tabelle, der gegen jeden der 5 Gegner ein Unentschieden holte und gegen jeden einmal verlor und damit abgeschlagen Bummelletzter wurde..

Für RB Leipzig lassen sich derweil noch mehr deprimierende Statistiken zutage fördern. Zuerst einmal die Tabelle für Spiele gegen die zweiten Mannschaften (Wolfsburg II hat hier naturgemäß zwei Spiele weniger):

PlatzTeamsPunkteToreSpiele
1Chemnitzer FC27+1612
2Lübeck26+1012
3Wolfsburg II24+1310
4Kiel23+1612
5Halle22+512
6RB Leipzig21+1012

Letzter der Topteams. Von 36 möglichen Punkten gerade mal 21 ergattert. Unterirdisch, wenn auch wiederum nicht extrem weit weg von der Konkurrenz.

Und noch einen letzten Platz kann man sich errechnen und zwar wenn man die Duelle der Top 6 gegen die vier Absteiger heranzieht:

PlatzTeamsPunkteToreSpiele
1Chemnitzer FC22+178
2Wolfsburg II22+128
3Lübeck21+118
4Kiel20+238
5Halle19+158
6RB Leipzig18+168

Dazu durchaus noch passend folgende Tabelle, in der für jedes Team die 17 Spiele mit dem geringsten Besuch herangezogen wurden. In dieser Statistik für Spiele mit wenig beziehungsweise unterdurchschnittlichem Zuschaueraufkommen läuft RB Leipzig wiederum unter ferner liefen:

PlatzTeamsPunkteToreSpiele
1Wolfsburg II47+2917
2Chemnitzer FC44+3617
3Lübeck39+1517
4RB Leipzig33+2017
5Kiel33+1817
6Halle32+1317

Wie man das dominante Team in zuschauerarmen Spielen stoppen kann, zeigt die nächste Tabelle, die das Pendant zur letzten ist und somit den Stand zeigt, wenn man für jedes Team die 17 am stärksten besuchten Spiele heranzieht:

PlatzTeamsPunkteToreSpiele
1Chemnitzer FC38+2317
2RB Leipzig31+817
3Lübeck30+717
4Wolfsburg II28+217
5Halle26+417
6Kiel22+1117

Hier liegt der VfL Wolfsburg II nur noch auf Platz 4 und zeigt damit, dass das Team in emotionalen Spielen durchaus angreifbar war. RB Leipzig hingegen schleicht sich in dieser Tabelle auf Platz 2 vor und zeigt selbst, dass man ein wenig extrinsische Motivation, sprich Kulisse und Spannung gut brauchen kann für das eigene Spiel.

Damit nicht genug: Noch zwei letzte Spielereien, die sich ausschließlich auf RB Leipzig beziehen. In den Spielen gegen Mannschaften aus dem Bereich des NOFV (zu dem auch Berlin gehört) holte die Mannschaft im Schnitt pro Spiel 1,81 Punkte bei einer Tordifferenz von +0,69. Ging es gegen Teams aus dem ‚Westen‘, also aus dem Nicht-NOFV-Bereich, dann stieg der Schnitt auf 1,94 Punkte und 0,94 Tore.

Und besonders beeindruckend: In Spielen, die ganz normal am Nachmittag (beziehungsweise ist 13.30 ja fast schon Mittag) und unter Tageslicht angepfiffen wurden, kam RB Leipzig auf einen Schnitt von 1,6 Punkten und 0,67 Toren. Wurde das Spiel in den Abendstunden angepfiffen mit Restsonne und/ oder Kunstlicht, dann wuchs der Schnitt auf enorme 2,5 Punkte und 1,2 Tore pro Spiel!

Was zusammengenommen bedeutet: RB Leipzig liegen Gegner, die keine Zweitvertretungen sind und möglichst in der oberen Tabellenhälfte und im Westen ihre Heimat haben. Nimmt man Erfolg als optimale Zielvorstellung, dann sollte zudem vor überdurchschnittlich vielen Zuschauern und am Abend und wie bereits letztens festgestellt in der heimischen Red Bull Arena gespielt werden.

Was wäre – diese Komponenten als Grundlage genommen – der Prototyp eines Spiels, das man den Zahlen nach nur gewinnen kann? Richtig: RB Leipzig gegen Holstein Kiel! Und gegen wen gab es unter Flutlicht vor annehmbarer Kulisse in der Red Bull Arena ein 1:5? Ja, auch richtig: gegen Holstein Kiel! Sprich das 1:5 vom Anfang des Jahres kam nicht nur für alle Beteiligten unerwartet, es war auch – statistisch gesehen – die unwahrscheinlichste aller fußballerischen Unwahrscheinlichkeiten. Und was sagt uns das jetzt? Keine Ahnung. Vermutlich irgendetwas pseudophilosophisches wie ‚Das Leben ist kein Wunschkonzert‘ oder ‚Die Wahrheit liegt auf dem Platz‘ oder ‚So ist eben der Fußball‘ oder ‚Der Ball ist rund‘. Einige Schlaumeier finden bestimmt, dass Fußball genau wegen dieser Unwägbarkeiten so furchtbar interessant und beliebt ist. Womit sie vermutlich umfassend recht behalten.

Flattr this!

4 Gedanken zu „Statistische Punktelieferanten“

  1. Sehr schön… das Fazit der Statistikspielerrei ist genial.
    1:5 vs Kiel, ich hatte es schon fast wieder vergessen…
    Tja das ist das schöne bzw. unschöne am Fussball…

  2. Neja, das Leben ist halt kein Wunschkonzert denn die Wahrheit liegt auf dem Platz. Letzendlich ist der Ball rund und der Fußball so wie er ebend ist.
    Letzendlich finden wir doch den Fußball genau wegen dieser Unwägbarkeiten so interessant.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.