Finale auch bei „Fußball nach Plan“

Nachdem letzten Mittwoch die Saison der RasenBallsportler zu Ende ging, zog am Samstag die sechsteilige Doku „Fußball nach Plan“ über RasenBallsport im Speziellen und Fußball-Leipzig im Allgemeinen nach (nach Folge 1 hatte ich schon einmal einen kurzen Blick auf die Sendung geworfen) und beendete ihr Kurzgastspiel nach insgesamt 90 ‚Spiel’minuten. Für Menschen, die am Leipziger Fußball in ihrem Alltag aus welcher Perspektive auch immer halbwegs dran sind, war die Serie sicherlich nur wenig überraschend, geschweige denn tiefgründig. Ein paar bekannte Gesichter hier, ein paar weniger bekannte Gesichter dort. Journalisten, Bürgermeister, sportlich Verantwortliche, und Fans. Dazu die typische pseudo-objektive Kameraführung, die im Zusammenhang mit Doku-Soaps wohl üblich ist. Das alles verbal zugespitzt unter dem Motto „ein Marketingprojekt mit sportlichen Ambitionen“ (Untertitel zu Folge 2) vs. Tradition und Ablehnung, ohne dass man aus der filmenden Scheindistanz die Widersprüchlichkeiten dieser Realität hätte einfangen können.

So weit, so zumindest für Außenstehende auch gar nicht so schlecht. Mein persönliches Highlight bei den dann doch gelegentlich netten Blicken hinter die Kulissen war der Auftritt des ehemaligen Pressechefs Hans-Georg Felder bei einer Fan-Veranstaltung nach der desaströsen Niederlage gegen Holstein Kiel (Folge 4, ab 7:30). Schon sein Eintreffen am Veranstaltungsort unterlegt mit den sarkastischen Worten „Na das ist ja überschaubar hier“ hätte Legende-Potenzial. Wie er aber anschließend grinsend und belustigt die Fankultur seziert, die seiner Meinung nach offenbar zu verkopft daher kommt und sich über den Ruf „Schieri im Praktikum“ lustig macht, das ist großes Kino. Thomas Linke windet sich derweil, scheinbar nicht sonderlich überzeugt vom Felderschen Fan-Krisenmanagement, auf seinem Stuhl, als würde der ihm zu heiß weißen.

Ironie der Geschichte, dass beide Herren bei RasenBallsport Leipzig schon wieder Geschichte sind. Die Frage, wer welchem der beiden Funktionäre mehr hinterher trauert, soll hier und heute nicht beantwortet werden..

Die sechs Folgen der Doku „Fußball nach Plan“ gibt es allesamt in der Mediathek des MDR [broken Link]. Jede der Folgen widmet sich einem eigenen Thema (in chronologischer Folge): die Entstehung von RasenBallsport Leipzig, das Derby Lok gegen FC Sachsen, das Derby FC Sachsen gegen RasenBallsport, das Fanumfeld, der RB-Nachwuchs und die sportliche Lage/ der sportliche Misserfolg.

Flattr this!

7 Gedanken zu „Finale auch bei „Fußball nach Plan““

  1. Der Auftritt von Felder (noch nie mein Freund) war schon extrem krass in meinen Augen, bisher hatte ich das Gefühl, der einzige Mensch auf dieser Welt zu sein, der dies so empfand.
    Nun gibt es doch noch einen Zweiten, danke „rotebrauseblogger“!!!!!!!

  2. P.S.: Noch extremer war der Neuhaus in Folge 6: Er hatte schon immer einen Plan B und er war hier nie zu Hause – genau so kam er auch rüber während der gesamten Saison, leider.

  3. Felder fand ich gar nicht so schlimm. Felix Keyserlingk, oder ein junger Mann, der ihm sehr ähnlich sieht, ist mir da schon mehr aufgefallen. Wie der sich bei den Felderschen Ausführungen anbiedert – Selbstverleugnung. Dazu passt auch super ein Zitat von selbigem Fan, in dem er sinngemäß sagt: Die Marke Red Bull transportiert sich über die Medien. Die 2000 Hanseln („Wir“) im Stadion machen den Sack nicht voll. Was für Selbsteinsichten.

    Die stärksten Aussagen trifft die Doku-Reihe eher unfreiwillig in den Bereichen Fankultur.

    @henne: Neuhaus vorzuwerfen, er wäre nie richtig in Leipzig da gewesen, ist vor dem Hintergrund der Personalpolitik à la Red Bull schlichtweg zynisch. Neuhaus erschien mir immer sehr reflektiert (seine Treppen-Metapher, der „sogenannte Amateurfußball“).

    1. Neuhaus hat mehrfach über Motivationsprobleme in der 4. Amateurliga öffentlich gejammert („Dorfplätze“, wenig Zuschauer etc.), er wurde erst zuletzt zurückhaltender, da er wahrscheinlich merkte, daß seine Position vakant war.
      Er ist jetzt wieder nach Hause zurückgekehrt (Originalaussage Neuhaus).
      Ausgebuht habe ich ihn nie, sein letztes Spiel im Pokal war sehr gut – unerwartet für mich, das gebe ich zu.
      Die aktuelle Personalpolitik finde ich übrigens sehr konsequent und richtig.

    2. Letztes P.S.: Übrigens – wenn ich „zynisch“ werde, so sieht das anders aus, Begriff ist hier vielleicht nicht ganz angebracht – trotzdem Grüße von mir an alle hier!

  4. Ich fand Felder auch nicht schlimm. Eher witzig, weil er mit seinen Fanbetrachtungen ziemlich deplatziert wirkt. Andererseits würde wohl jeder, der eine Kamera an seiner Seite hätte, irgendwann am Tag Sachen erzählen, die man hinterher als deplatziert empfinden könnte.

    Das mit den 2000 Hanseln hab ich anders im Kopf, bin aber auch zu faul, um noch mal zu suchen. M.M.n. ging es dabei darum, dass die Marketingziele von Red Bull eher von den und über die Medien transportiert werden und die Zuschauer mit diesem Teil der Geschichte eher weniger zu tun haben bzw. zu tun haben müssen bzw. dies aufgreifen müssen, weil sie für diesen Part erstmal irrelevant sind. In der Interpretation sehe ich darin erst mal nichts falsches, weil es letztlich nur bedeutet, dass der RB-Zuschauer sich um Red Bull nicht sorgen braucht, wenn er Fußball gucken will. Vielleicht hab ich es aber auch nur falsch im Kopf.

    Dass der Neuhaus an manchen Stellen als Buh-Mann herhalten muss, geht mir auch ziemlich gegen den Strich. Die Fankurve hat da beim Sachsenpokal-Finale durchaus eine angenehme Ausnahme gemacht. Neuhaus hat in der Doku völlig zurecht darauf hingewiesen, dass er unter bestimmten Prämissen und Versprechungen nach Leipzig gegangen ist. Langfristige Zusammenarbeit, möglicherweise auch über die aktive Karriere hinaus. In der Doku stellt er lediglich fest, dass aufgrund dessen, dass die damaligen Entscheidungsträger allesamt nicht mehr da seien, die Versprechungen, die ihn nach Leipzig zogen wahrscheinlich obsolet sind und er nicht wisse, wie der Verein mit ihm plant. In dieser Situation nicht darüber nachzudenken, was Alternativen sein könnten und wo er mit seiner schwangeren Frau in Zukunft wohnen will, wäre schon grob fahrlässig. Zumal Neuhaus auf dem deutschen Torwart-Markt eine arme S… ist. Als ehemaliger Zweitligaprofi haben die letzten zwei Jahre Liga 5 und 4 sicherlich nicht dazu geführt, dass er stärker ins Bewusstsein sportlich Verantwortlicher verschiedener Vereine gerückt ist. Dass Neuhaus noch mal einen Platz in einem Kader oberhalb der dritten Liga (geschweige denn einen Stammplatz) ergattert, wo doch in Deutschland das Torwart-Angebot deutlich höher ist als die Nachfrage, scheint arg aussichtslos. Von daher ist sein Ärger über die derzeitigen Vereinsverantwortlichen (den er in der Doku noch gar nicht so äußerte) absolut verständlich, weil RB sich für ihn aktuell in seiner Karriereentwicklung als eine Sackgasse darstellt. Kann man auch mal sackig drüber sein..

  5. chemieblogger, Fußball wird im Profibereich überall vor allem über die Medien transportiert. Keiner investiert seine Werbung nur für Stadionbesucher. Felix hat da etwas ganz Selbstverständliches erzählt, nichts Entlarvendes oder so.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.