ZFC Meuselwitz vs. RasenBallsport Leipzig 3:3

In 90% der Fällen sind Auswärtsspiele für mich kein Reise-Thema. Macht bei 17 Auswärtsspielen 1,7 Spiele, wo das Hinfahren zum Thema wird. Das erste Auswärtsspiel der Saison in Braunschweig hatte ich mir angetan. Das Meuselwitz-Spiel wäre bei anderem Tabellenstand vielleicht das Thema für die noch fehlenden 0,7 geworden. In der jetzigen, sportlichen Situation bei RasenBallsport Leipzig fiel es mir wie bei sonstigen Auswärtswochenenden aber nicht schwer, das familiäre Zuckeln in der Parkeisenbahn um den Auensee dem Auswärtstrip vorzuziehen. Bis ich die Ereignisse des Spiels medial aufbereitet bekam..

Eigentlich war die Fahrt nach Meuselwitz für RB Leipzig nur von sehr geringer Bedeutung. Angesichts der Ereignisse der letzten Tage, die fest mit den Namen Linke, Pacult, Mateschitz und Oral verbunden sind, kam einem das Meuselwitz-Spiel sowieso wie ein Nebenaspekt vor. Doch dann das: 6 Tore, zwei Platzverweise, diverse Verwarnungen und ein hochemotionales Spiel auf und neben dem Grün.

Es sind diese Spiele, die RasenBallsport Leipzig in dieser Saison nur höchst selten erlebt hat. Vielleicht beim2:1-Auswärtssieg kurz vor Schluss in Kiel, vielleicht beim 3:2-Heimsieg nach Rost-Platzverweis gegen Wilhelmshaven. Emotionale Spiele, die das Gefühl vermitteln, die RasenBallsportler wollten aller Welt zeigen, dass sich sich nicht unendlich (sportlich und unsportlich) beleidigen und mit Häme überschütten lassen wollen. Irgendwo in der fußballerischen Provinz vor einem aufgeheizten Publikum. Von Spielern, die sich nach dem Führungstor flügelschlagend über die Red-Bull-gestützten RasenBallsportler lustig machen. Der 3:3-Ausgleich in der Nachspielzeit, als 9 Leipziger den 11 Meuselwitzern noch den rechnerisch geglückten Klassenerhalt versauten, gehört zu diesen Momenten der tiefen, sportlichen Befriedigung. „In your Face, Meuselwitz!“ hieß es im Live-Ticker [broken Link] auf RasenBallsport-Seite. Und zwar fußballerisch, auf dem Grün. Und völlig zutreffend.

Das bedeutungslose Spiel war auch im Vergleich der Saison ein nicht alltägliches. Erst zum zweiten Mal kassierte RasenBallsport Leipzig in einem Auswärtsspiel drei Gegentreffer. Und nachdem die letzten fünf Auswärtsspiel insgesamt lediglich drei Treffer mit sich brachten, schoss man dieselbe Anzahl nun in 90 Minuten. Womit man zum vierten Mal in dieser Saison auswärts mehr als zwei Tore schoss. Was alles zusammen für eine miese Abwehrarbeit und eine erfolgreiche Offensivleistung spricht.

Jaja, ich weiß, es war das sechste Auswärtsspiel in Folge ohne Sieg. Wieder mal sieglos bei einem Team aus der unteren Tabellenhälfte. Eine unwürdige Bilanz. Aber auch ein Bilanz, die für das eine Spiel, bei all dem Chaos im Vereinsumfeld, bei all der bedeutungslosen, sportlichen Lage in der Liga, völlig egal ist. Dieses Spiel von RasenBallsport Leipzig in Meuselwitz zählt nur für sich allein und den emotionalen Moment des Ausgleichs nach einem Spiel, das man dem Spielverlauf nach auch gerne verlieren darf, sollte man mitnehmen in die restlichen Wochen der Saison.

Denn nun rückt das Sportliche noch einmal ganz stark in den Mittelpunkt. Beginnend am Sonntag (15.05), Station machend in der Wochenmitte (18.05.) und endend am folgenden Samstag (21.05.) warten die regionalen Konkurrenten vom Halleschen FC, (im Pokal) der angehende Zweitligaaufsteiger und Fankrösus Dynamo Dresden (beide zu Hause) und anschließend der um den Aufstieg kämpfende Regionalliga-Spitzenreiter Chemnitzer FC (auswärts). Die Saison nimmt noch mal Fahrt auf und der emotionale Wachrüttler Meuselwitz war vielleicht der perfekte Ausgangspunkt für das, was man im Sport braucht, um erfolgreich zu sein: Anspannung, Konzentration und Motivation.

Fazit: Ein Auswärtsspiel, bei dem man sich ärgern darf, nicht dabei gewesen zu sein. Ein Auswärtsspiel auch, das zeigt, dass die RasenBallsportler emotional leben. Wenn sie die sportlichen Leistungen daran anpassen und die leicht unterirdische Abwehrarbeit vom Meuselwitz-Spiel wieder verbessern, könnte die nächste Woche eine schöne und erfolgreiche werden. Hoffentlich nehmen die RasenBallsportler das Gefühl aus der Schlussphase in Meuselwitz, das Gefühl, es allen zeigen zu wollen, mit. Hoffen wir auf ein spektakuläres und erfolgreiches Saisonfinale. Noch 3+1(+1?) (Liga + Pokal + (Pokal?)).

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Tore: 0:1 Schinke (4.), 1:1 Gasch (16.), 1:2 Frahn (23.), 2:2 Ferl (50.), 3:2 Schmidt (81.), 3:3 Schinke (90.)

Rote Karte: Frahn (61.)

Gelb-Rote Karte: Albert (88.)

Aufstellung: Neuhaus – Albert, Kläsener, Franke, Müller (84. Baier) – Schinke, Laas (65. Rosin), Geißler (84. Frommer), Rockenbach – Kutschke, Frahn

Zuschauer: 1946

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], RB-Fans-Bericht [broken Link], MDR-Bericht [broken Link], ZFC-Bericht

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Ein Gedanke zu „ZFC Meuselwitz vs. RasenBallsport Leipzig 3:3“

  1. War vor Ort. Das Spiel war stark geprägt vom Kampf, vor allem in der zweiten Hälfte. Schönen Fußball hat man auf beiden Seiten vermissen lassen.
    Auf Grund einiger Freunde, mein Heimatort ist nicht weit entfernt, musste ich allerdings auf Seiten des ZFC-Blocks stehen, also konnte ich meine Freude über den Ausgleich nicht so Recht zeigen. Vor allem aber das nicht-gegebene Tor in der Nachspielzeit hat ein breites Grinsen über mein Gesicht wachsen lassen, da meine Bekannten mich schon ausgelacht hatten.
    Tolles Spiel, wenn die RBler jetzt noch schaffen hinten kompakter zu stehen und den Kampfgeist mit in die nächsten Partien und Saison nehmen kann man frohen Mutes sein!

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