RasenBallsport Leipzig vs. VFC Plauen 1:0

Die Regionalliga-Abschluss- und Sachsenpokal-Begleit-Tour geht für RasenBallsport Leipzig weiter. Diesmal mit einem Heimsieg, der dem Gesetz der Serie zufolge fast schon zwangsläufig erscheint. 1:0 durch ein Frahn-Tor gewonnen, kannte man in der Form aber bisher vor allem aus der letzten Saison von Babelsberg 03, wo Daniel Frahn damals fast im Alleingang für den Aufstieg sorgte. Gut, dass er jetzt RasenBallsportler ist. Auch in sportlich mauen Zeiten werden ja bereits die Geschichten von morgen mit ihren Helden vorgeschrieben. Die des Goalgetters Frahn könnte so eine sein nächstes Jahr. Dass er in allen 6 Heimspielen nach der Winterpause getroffen hat, trägt in nicht unerheblichem Maße dazu bei, dass RasenBallsport Leipzig gegen Plauen den fünften Heimsieg in Folge feiern durfte. Bisher ist Daniel Frahn in jedem Fall das positiv prägende Gesicht der RasenBallsport-Rückrunde.

Womit man fast zwangsläufig bei Nico Frommer landet. Der wurde von den Fans zum Spieler der Hinrunde gewählt (war quasi der Vorgänger von Daniel Frahn, auch in der Rolle als zentraler Stürmer) und durfte gegen Plauen nach langer Verletzungs-Abwesenheit wieder mal für 10 Minuten und zum ersten Mal in der Rückrunde mitmachen. Herzlich Willkommen zurück an Bord. Wobei dies auch von relativ kurzer Dauer sein könnte, denn im Interview im Red Bull Audioplayer [broken Link] (15.04.2011) nach dem Spiel gegen Plauen ließ Frommer recht deutlich verlauten, dass er derzeit eher auf der Liste der Spieler steht, die nach der Saison aussortiert werden sollen. Zwar habe er noch die Chance sich für einen neuen Vertrag anzubieten, insgesamt klang das ganze schon eher etwas desillusioniert. Ich war nie der Riesen-Frommer-Fan, mir sagt die Spielweise eines Daniel Frahn viel mehr zu, ob man sich einen erfahrenen, schlitzohrigen und meist treffsicheren Stürmer wie Nico Frommer bei RasenBallsport Leipzig nicht trotzdem warmhalten sollte, fände ich zumindest überlegenswert.

Ansonsten scheint das Spiel den derzeitigen Leistungsstand bei RasenBallsport Leipzig recht gut wiedergegeben zu haben. Optische Überlegenheit, ansehnliches Spiel, keine/ kaum Durchschlagskraft nach vorn. Wenig Feuerwerk, viel Regionalliga. Was nicht schlimm sein muss. Zumal vor dem Hintergrund der letzten, unruhigen Wochen und des Abschieds vom Red-Bull-Fußballchef Dietmar Beiersdorfer und den damit verbundenen Unsicherheiten in Bezug auf die personellen Planungen bei RasenBallsport Leipzig für die nächste Saison. In vielen O-Tönen von RasenBallsportlern und Coach Tomas Oral wird greifbar, wie stark die Unruhe auch auf die Mannschaft und ihr Arbeiten einwirkt. Bleibt zu hoffen, dass man sich für den Donnerstag und das Viertelfinalspiel im Sachsenpokal in Auerbach ein wenig frei machen kann von diesen Scharmützeln im administrativen Hintergrund.

Ein weiteres, unschönes Thema scheint das Spiel RasenBallsport Leipzig gegen den VFC Plauen bestimmt zu haben. Ein Thema, welches ich aufgrund meiner Abwesenheit beim Spiel auch nur aus der Ferne und eher grundsätzlich bewerten kann. Die Auseinandersetzungen zwischen Plauener Fans und Stadionsecurity in der Halbzeitpause. Gemeinsamer Nenner aller Netzerzählungen, die wie immer differieren: Plauener Fans hatten Anti-RB-Utensilien mit im Stadion, die sie nicht hätten mithaben dürfen. Die Security ging relativ rabiat vor. Plauener Anhänger gingen auf die Security los. Was, wie, in welchem zeitlichen Nacheinander passierte, scheint schwer rekonstruierbar. Die LVZ bringt zudem noch einen Stock-Wurf auf einen Balljungen als Auslöser ins Spiel. (Wozu gibt es denn eigentlich die Videoüberwachung im ehemaligen WM-Stadion? Die sollte doch recht schnell und eindeutig über die Vorkommnisse Auskunft geben. Oder war sie etwa gar nicht in Betrieb am letzten Freitag?)

Ganz grundsätzlich: Eine prügelnde Security braucht kein Mensch. Eine Security, die Faustschläge verteilt, braucht auch kein Mensch. Fans, die gegnerische Anhänger noch verhöhnen, wenn sie aus dem Stadion entfernt werden oder sich aufgrund der Vorkommnisse selbst entfernen, braucht auch kein Mensch (man sollte als RB-Fan nicht per se annehmen, dass es die da drüben im Gästeblock schon irgendwie verdient haben, nur weil sie peinliche Anti-RB-Parolen gerufen haben). Dass man als Besucher von Auswärtsspielen eine erhöhte Chance hat, in solche Situationen zu kommen, verdeutlicht das grundsätzliche, deutschlandweite Problem im Umgang mit Auswärtsfans. Abgeschoben meist in irgendwelche Stadionecken (da ist es in Leipzig zur Zeit für Gästefans mit einer ganzen Kurve hinterm Tor fast schon idyllisch) hat sich die Situation zwischen Gästeanhängern und Sicherheitskräften (Polizei und Security) im Verlauf der Jahre wechselseitig so hochgeschaukelt, dass Gästeanhänger fast ausschließlich unter Sicherheitsgesichtspunkten behandelt werden und Gästeanhänger oft ihren Teil dazu beitragen, dass die Sicherheitskräfte und die Heimteams das Gefühl kriegen, sie müssten die Gäste ausschließlich unter Sicherheitsaspekten behandeln. Mir macht das Fußballgucken so keinen Spaß. Dürfte einer Menge anderer RasenBallsport-Anhänger ähnlich gehen, weswegen der Anteil der Leute, die RasenBallsport Leipzig auch auswärts begleiten, in absehbarer Zukunft gering bleiben dürfte.

Ganz grundsätzlich II: Dass Leute, die „Tod und Hass dem RBL“ brüllen, sich hinterher auf das Recht auf freie Meinungsäußerung berufen, mutet schon sehr absurd an. Dass sich die Plauener Fans darüber beschweren, dass sie ihre Kritik in Form von Anti-RB-Fanutensilien nicht ins Stadion bringen durften, mutet auch absurd an, ist es doch in den meisten Stadien der Republik üblich, dass Fahnen, auf denen Schmähungen des jeweiligen Gegners verbreitet werden, nicht zugelassen sind. Respekt vor dem Gegner und so. Es gab vor dem Spiel die klaren Informationen für die Plauener Fans [broken Link], dass Fanutensilien aller Art zugelassen sind und durch die Einlasssecurity inhaltlich kontrolliert würden (auch das ist in Leipzig seit Jahren gang und gäbe). Bei Beanstandungen würde diese alle Fahnen einziehen. Unter diesen Vorzeichen Fanutensilien in den Block zu schmuggeln, von denen man genau weiß, dass sie der Stadionordnung des Veranstalters widersprechen, zeugt zumindest davon, dass man eine Eskalation fast schon billigend in Kauf nimmt. Klar kann man sagen, die Veranstalter sollten die Füße ein wenig ruhiger halten und die Sache einfach aushalten und dann gehen alle viel besser und ohne Verletzungen nach Haus (ich persönlich wünschte mir da auch manchmal mehr Gelassenheit). Dass aber diejenigen, die bewusst gegen ein deutschlandweit verbreitetes und absolut übliches Gebot des Verzichts auf Gegnerschmähungen in Fanutensilienform verstoßen, hinterher ausschließlich(!) der Security die Schuld an der Eskalation geben, klingt schon sehr nach Doppelmoral. Und trotzdem sollte man bei RasenBallsport Leipzig die Vorkommnisse mit dem Ziel gründlich auswerten, dass zukünftig Gewaltanwendung durch Sicherheitskräfte gegen wen auch immer nur in absoluten Notsituationen vorkommt. Die, darauf weisen alle Erzählungen hin, scheint nicht vorgelegen zu haben.

Fazit: Sportlich gesehen ein glanzloser und für die Tabellensituation unwichtiger Sieg. Für die RasenBallsportler sicherlich trotzdem wichtig, unter den aktuell suboptimalen Rahmenbedingungen einen Erfolg feiern zu können. Nun gilt es nach vorn zu schauen auf das Sachsenpokal-Auswärtsspiel in Auerbach. In dem Wettbewerb geht es noch um etwas und wenn sich die RasenBallsportler noch irgendwie ein halbwegs gutes Gefühl für die Saison organisieren wollen, braucht es einen Sieg im Pokalspiel und den Einzug in das Halbfinale, wo bereits ein Highlight-Spiel warten könnte (Chemnitz oder Dresden). Bleibt zu hoffen, dass die derzeitge Auswärtsschwäche der RasenBallsportler nicht für den Pokal und nicht für Auerbach gilt.

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Tore: 1:0 Frahn (14.)

Aufstellung: Neuhaus – Albert, Kläsener, Franke, Müller – Schinke (72. Kammlott), Laas, Geißler (85. Baier), Rockenbach – Kutschke (80. Frommer), Frahn

Zuschauer: 2149

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], RB-Fans-Bericht [broken Link], MDR-Bericht [broken Link], VFC-Bericht [broken Link]

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7 Gedanken zu „RasenBallsport Leipzig vs. VFC Plauen 1:0“

  1. Zur RB-Doppelmoral gehört es offenbar auch, einen Dienstleister ans Werk zu lassen, der nachweislich Fußball-Gewaltäter in seinen Reihen hat. Und die dann gerne beim Zementieren eines Feindbilds mithelfen.

  2. Doppelmoral wäre es, wenn RB Fußball-Gewalttäter bei sich anstellen würde, diese als Deeskalationsgruppe antreten ließe und gleichzeitig das friedliche Fußballfest propagieren würde. Um Doppelmoral handelt es sich NICHT, wenn man zur Absicherung einer Veranstaltung einen Sicherheits-Dienstleister (der bei seiner Personalauswahl den für Securityfirmen geltenden Rechtsrahmen beachten muss, Stichwort polizeiliches Führungszeugnis) engagiert, diesen das Hausrecht ausüben lässt und Vorkommnisse bei einer Veranstaltung zum Anlass nimmt, die Arbeit des Dienstleisters und die Vorkommnisse zu überprüfen. Die Zementierung eines Feindbildes betreiben die, die so tun als wäre das Verbot beleidigender Inhalte auf Zaunfahnen fußballunüblich und RB deshalb das besonders schlimme Übel der Verhinderung von Meinungsfreiheit. Und die Zementierung eines Feindbildes betreiben auch die, die nun fast so tun als hätte RB vermutlich übertriebene Übergriffe quasi selbst angeordnet. Das ist doch Unsinn. Es ist etwas passiert, was in vielen Details nicht hätte passieren sollen und der Verein will das nach Selbstauskunft aufarbeiten. Nicht mehr, nicht weniger. Und schon gar nicht: RB Leipzig lässt Straftäter auf Plauener Fans einprügeln.

  3. Es läßt einen schon am Verstand der „Fußballfans“ zweifeln die einen Spruch wie „Tod und Hass…“ als „völlig normal“ und in der Fußballfanszene als „üblich“ betrachten.

  4. So wie ich den Vorgang beobachten konnte, hatten die Sicherheitskräfte den verursachenden Plauener Fan zum Verlassen des Blocks aufgefordert, er ging auch zunächst etwas wütig (hat mehrfach gegen die Bestuhlung getreten) voraus, dann meinten andere Plauener sie müssten für ihn einstehen und haben einem Ordner einen vollen Bierbecher ins Genick geworfen. Als die Ordner auch den Werfer greifen wollten, hat er sich in die Mitte der anderen Fans geflüchtet und die haben dann mit Tritten und Schlägen versucht zu verhindern, dass die Ordner ihn dort rausholten. Da sind dann die Ordner auch etwas rabiater vorgegangen, in meinen Augen auch völlig zurecht, da die ja die Stadionordnung durchsetzen sollen. Als das immer mehr eskalierte kam dann die Polizei und hat die Security unterstützt und die Gemüter beruhigt. Wäre der Einsatz der Security unverhältnismäßig gewesen, hätte sicherlich auch die Polizei dies verhindert. Glaube und hoffe ich. Soweit meine Sicht auf die Dinge aus Block A.

  5. Bewahrt euch eure Naivität. Nehmt weiter diese netten Menschen mit teilweise rechter Gesinnung und einschlägiger Fußballgewalterfahrung in Schutz. Vertraut weiter auf polizeiliche Führungszeugnisse und die heile RB-Fußballwelt. Ich vertraue auf meine Augen und mein Erinnerungsvermögen.

  6. @Alex: „Ich vertraue auf meine Augen und mein Erinnerungsvermögen.“ –> Und genau so habe ich es vor. Das von mir berichtete entspricht dem, was ich dort gesehen habe. Was vor meiner Wahrnehmung passiert ist kann ich nicht sagen, aber eskaliert ist es erst da.

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