Am Cottaweg regieren die Bagger

Die offizielle Website von RasenBallsport Leipzig hüllt sich noch in Schweigen, die BILD berichtete bereits am 28.03. davon. Am Cottaweg rollt diversestes schweres und nicht ganz so schweres Gerät, das vom Baubeginn für das neue RasenBallsport-Trainingszentrum zeugt. Konkret geht es um den ersten Bauabschnitt, der schon im Sommer mit 4 Fußballplätzen und einer Containerlösung für die Trainingsgebäude seinen Abschluss finden soll. Sehr ambitioniert, aber angesichts der Tatsache, dass aus einem ruhigen Ort binnen weniger Tage eine Großbaustelle geworden ist, auch durchaus machbar. Sagt der absolute Laie.

RasenBallsport: Bagger am Cottaweg

Bauausführend ist die Firma Heiler aus Bielefeld, die im Gegensatz zu mir gar kein Laie auf ihrem Gebiet ist, gilt sie doch als absolute Profifirma für den Sportanlagenbau und war in Leipzig auch schon für den Rasentausch in der Red Bull Arena zuständig.

RasenBallsport: Firma Heiler baut am Cottaweg

Nach dem langen öffentlichen Theater um das neue Trainingsgelände geht es nun also los. Eigentlich hatte ich zum ganzen Problemfeld bereits alles geschrieben, was ich als nicht Baukundiger davon denke. An der grundsätzlichen Einschätzung, dass die Errichtung eines Trainingsgeländes für RasenBallsport Leipzig essenziell, der gewählte (bzw. von der Stadt vorgeschlagene) Ort nach Lage der Dinge absolut geeignet und eine Investition über 30Millionen für die Stadt nicht abzulehnen ist, die gewählte (Nicht-)Kommunikation der RasenBallsport-Führung aber extrem kontraproduktiv war, halte ich immer noch fest.

Nach der Einigung mit den Umweltverbänden unter der Maßgabe, dass die bisherigen Pläne nicht erweitert, die Erich-Köhn-Straße nicht ausgebaut und Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in die Natur vor Ort ausgeführt werden, ist das innerstädtische Konfliktpotenzial auch nicht mehr ganz so groß. Kleiner Knackpunkt könnte die Abmachung sein, dass die vor dem zweiten Bauabschnitt (2 weitere Trainingsplätze plus Funktionsgebäude) durchzuführende Umweltverträglichkeitsprüfung ergebnisoffen sein soll. Heißt nichts anderes, als dass der Bau des Trainingszentrums nach der Fertigstellung der ersten 4 Plätze gestoppt wird, falls sich herausstellt, dass ein Weiterbau zu stark in die Natur eingreift. Auf den Punkt gebracht: RasenBallsport Leipzig baut gerade 4 Plätze ohne die absolute Sicherheit, dass man nach dem Sommer auch weiterbauen darf. Vermutlich folgt das ganze der Maßgabe, dass man die 4 Trainingsplätze sehr schnell braucht und die dauernde Umweltverträglichkeitsprüfung nicht vorschalten will, aber ein wenig schräg mutet ein Bauversuch ohne doppelten Boden schon an.

Kann natürlich sein, dass sich der Verein für den Fall des Scheiterns an Umweltbelangen eine Art Entschädigung durch die Stadt für den bis dato geleisteten Bau gesichert hat. Zu hören war davon jedenfalls noch nichts. Im Gegensatz dazu zahlt die Stadt sehr wohl Entschädigungen für die Bauleistungen, wenn der vorerst auf 50 Jahre angelegte Erbbaupachtvertrag gekündigt wird, was im Rhythmus von 10 Jahren möglich ist.

Nur mal als Beispiel: Würde RasenBallsport Leipzig nach 10 Jahren sagen, das war es mit uns und dem Trainingszentrum, dann würde die Stadt dem Investor 20% des Verkehrswertes der Bauten zahlen. Bei 30 Millionen Investition und nur geringem Wertverlust nach 10 Jahren vermutlich etwa 5 Millionen. Für eine komplette Sportanlage mit Internat. Grundsätzlich ein Schnäppchen. Ob die Stadt so eine Fläche dann aber auch tatsächlich bräuchte? Oder ein anderer Verein bereit wäre, das Gelände zu nutzen? Wer weiß. Die fast direkte Anbindung des Geländes an die Bauten der Sportwissenschaftlichen Fakultät und damit die Erweiterung des Sportverbundes rund um die Jahnallee lassen aber auch die Potenziale einer Nutzung ohne RasenBallsport Leipzig erahnen.

Kann sich RasenBallsport Leipzig und die Stadt nach 50 Jahren nicht auf eine Verlängerung einigen, müsste die Stadt 100% des Verkehrswertes zahlen. Der nach 50 Jahren vermutlich deutliche Wertverlust zusammen mit dem bis dahin von RasenBallsport Leipzig gezahlten Vertragszins, dürften bei gleichen Fragen nach dem möglichen Verwendungszweck, aber auch dann zu einem für die Stadt vernünftigen Deal führen.

Fazit: Schön, dass es nun endlich losgeht mit dem Bau des neuen Trainingszentrums, das eine Art Herz des Vereins mit Blick quer rüber auf die Heimspielstätte Red Bull Arena werden könnte (gibt bestimmt prima Bildeinstellungen für Fernsehberichte). Wenn man dazwischen steht und von der Baustelle zum Stadion und zurück schaut, dann kann man ein klein wenig erahnen, was für ein Klein- (bzw. Groß-)Od da am Entstehen ist. Bei kleinen Haken im Detail ist die ganze Sache auch eine Win-Win-Situation für die Stadt und den Verein. Wenn man es denn schafft, das Bauvorhaben kommunikativ zu begleiten und weiterhin die Naturschutzverbände im eigenen Boot zu halten.

Apropos Kommunikation: Mit einer Webcam möchte RasenBallsport Leipzig zukünftig den Baufortschritt am Cottaweg mit Livebildern begleiten. Wann es losgeht ist unklar, die Website dafür steht aber schon [broken Link]. Das folgende Bild vermittelt schon mal einen Eindruck vom Gelände, wenn man 5 Meter unterhalb der Webcam steht. Wird aus der Vogelperspektive definitiv hübscher aussehen..

RasenBallsport: Blick über das Trainingszentrum von unterhalb der Webcam

Und ganz am Ende noch zwei Linktipps: einmal die die hübsch übersichtliche Chronik der Ereignisse bis zum Baubeginn bei rb-fans.de [broken Link] und zum anderen wiedereinmal der Verweis auf die detaillierten Diskussionen und Berichte im Architektur-Forum.

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.