RasenBallsport Leipzig vs. FC Oberneuland 3:0

Und weiter geht es im bekannten Rückrundenstil von RasenBallsport Leipzig. Wenn schon gewinnen, dann richtig. 5 Siege stehen nunmehr seit der Winterpause zu Buche: drei mal 3:0, ein mal 4:0 lautet die durchaus beeindruckende Bilanz für diese 3 Heim- und 2 Auswärtsspiele. Wenn da nicht die 2 Niederlagen und die 2 kürzlichen Unentschieden wären, hätte man im übrigen am gestrigen Freitag den Chemnitzer FC in der Tabelle überholen können. Hätte, wenn und trallala.

Genauso wie sich die Ergebnisse der Siege gleichen, gleicht sich auch die Art und Weise der letzten 3 Heimauftritte, die ich nach dem Hamburg-Spiel als robusten, zielführenden Regionalligafußball gekennzeichnet hatte. So eben auch gestern. Ohne groß zu glänzen, man könnte auch sagen, dass das Spiel von RasenBallsport Leipzig streckenweise nicht sonderlich ansehnlich war, dominierten die RasenBallsportler das Geschehen auf dem Rasen deutlich. Defensiv robust, was dazu führte, dass der Gast erst um die 70. Minute herum zur ersten Chance aus dem Spiel heraus kam. Da stand es allerdings auch schon 2:0. Offensiv kein Feuerwerk, aber trotzdem immer wieder, insbesondere in Hälfte 2 mit hochkarätigen Chancen oder potenziellen Chancen (also Angriffssituationen). Verknüpft mit einer recht ordentlichen Chancenverwertung war das Spiel so ok und unterhaltsam wie solider, zielführender Regionalligafußball eben so ist. Ein angenehmer Fußballabend im kalten, hell erleuchteten UFO Red Bull Arena. Mir machte das bei allem gelegentlichen Kopfschütteln tatsächlich Spaß.

Wobei der Spaß auch durchaus hätte getrübt werden können von einem weitestgehend chancenlosen und harmlosen Gast aus Oberneuland. Vor allem in der mit nur wenig Chancen und Höhepunkten gespickten 1.Hälfte, die man im Zusammenschnitt auf 2 oder 3 Szenen zusammenkürzen kann, hätte das Pendel auch gegen RasenBallsport Leipzig ausschlagen können. Wie so oft in dieser Saison waren dafür Standards verantwortlich, von denen 2 derart dilettantisch verteidigt wurden, dass ich nicht mal zum Kopfschütteln kam. Im ersten Fall rettete Christopher Gäng großartig auf der Linie, im zweiten Fall verhinderte der Pfosten den Einschlag der Kopfballbogenlampe, die mich ein wenig an den Regionalliga-Auftakt gegen Türkiyemspor Berlin erinnerte.

Heute ging es gut, aber man gewann auch ein wenig den Eindruck, warum das in anderen Spielen nicht gut geht. Landet der Ball nämlich im Tor, kann es durchaus sein, dass der Rest des Spiels aus vergeblichem und brotlosem Anrennen besteht. Denn die spielerischen Qualitäten, den Gegner zu zerspielen, fehlen aus meiner Sicht immer noch an viel zu vielen Stellen. Was auch daran liegt, dass Thiago Rockenbach immer noch nicht zu 100% in das Spiel integriert ist und Laas und Rosin als zentrale Tempogeber dies zumindest gestern nicht wirklich auffangen konnten.

Spannend am Spiel waren vor allem auch die Wechsel von Tomas Oral, die nicht nur relativ früh passierten, sondern auch mal wieder das System neu ordneten. Spielte RasenBallsport Leipzig bis Minute 57 im fast schon gewohnten 4-5-1 bedeutet die Einwechslung von Shaban Ismaili für Paul Schinke eine Umstellung auf das System der Hinrunde, also ein 4-4-2, in dem Thiago Rockenbach den linken Flügelspieler geben musste. Ismaili spielte für Kammlott auf rechts, während dieser mit in den Sturm wechselte. Aus meiner Sicht führte diese Umstellung auf dem Rasen erst einmal ein paar Minuten für Verwirrung und das bezieht sich nicht auf den Gegner, sondern eher auf die Spielordnung von RasenBallsport Leipzig. Insbesondere Rockenbach schien mit seiner auf links festgelegten Rolle nur mittelprächtig klarzukommen. Ich bin nie ein Freund des 4-4-2 gewesen, von daher ist mein Grummeln vermutlich auch sehr subjektiv, aber ich fand die Systemumstellung unnötig. Man macht sich damit eine neue Baustelle auf, die man eigentlich nicht braucht. Aber vielleicht kann man ja so ein Oberneuland-Spiel beim Stand von 2:0 auch ein bissel zum Testen nutzen. Wann, wenn nicht dann. Klar.

Noch verrückter wurde das Ganze, als Thomas Kläsener für Daniel Rosin ins Spiel kam und Tim Sebastian vom Innenverteidigerposten ins defensive Mittelfeld verdrängte. Ja, ins defensive Mittelfeld! Tim Sebastian! Ähm, ohne ihm und seiner durchaus vorhandenen Dynamik zu nahe treten zu wollen, aber das ist noch viel weniger seine Position als der rechte Verteidigerposten. Ich hoffe ein wenig, dass das kein Fingerzeig für die Zukunft war..

Später kam dann noch Kutschke für Kammlott und mit ihm eine Szene, die es lohnt kurz erwähnt zu werden. Kaum auf dem Platz stehen Kutschke und Frahn im Sturmzentrum direkt nebeneinander, verbauchen also zusammen etwa 1 qm Fläche. Wirft natürlich sofort die Frage auf, ob die sich nicht ein bisschen im Wege stehen so. Was folgt ist ein langer Abschlag von Christopher Gäng, dem Kutschke entgegengeht, während sich Frahn Richtung gegnerisches Tor fallen lässt. Und wie aus dem Lehrbuch verlängert Kutschke mit dem Kopf genau in den Lauf von Frahn, der in der Folge allein vor dem Keeper steht und den Ball leider nicht im Kasten unterbringt. Woraufhin Kutschkes Kopf mit seinen Händen verwächst. Anschließend gibt es ein Thumbs up Richtung Keeper Gäng für eine Aktion, die zumindest zeigt, wie einfach und wichtig automatisierte Abläufe sind. Abschlag, Kopfballverlängerung, (fast) Tor. Ich glaube, das funktionierte auch gegen Hamburg schon mal(?). Auf jeden Fall schön mal zu sehen, dass das Spiel von RasenBallsport Leipzig Automatismen und geplante Spielzüge beinhalten kann. Auch wenn es ’nur‘ um hoch und weit geht, es ist effektiv und zielführend und genau auf solchen, funktionierenden Sachen basiert Fußball, der dann irgendwann auch spielerisch ansehnlicher wird. Mehr davon. Gerne.

Fazit: einer dieser lockeren, völlig verdienten Siege, nach denen man immer ein ’nun haben sie die Regionalliga verstanden‘ ausrufen möchte. Zumindest bis zum nächsten unverständlichen Unentschieden bei Abstiegskandidaten. Ich sehe trotzdem immer noch, dass das Spiel von RasenBallsport Leipzig in seinen Ideen und Ansätzen deutlich besser geworden ist. Nicht unbedingt so gut, dass der VfB Lübeck sich vor der Reise nach Leipzig am 03.04.2011, also in 2 Wochen, und dem beo einer Niederlage folgenden Abschied von allen Aufstiegshoffnungen extrem fürchten muss, aber immerhin so gut, dass man auf einen großartigen Fight gegen den derzeitigen Tabellenzweiten hoffen kann. Vor dann auch wieder mehr als den immerhin 1663 Besuchern des gestrigen RasenBallsport-Spiels.

Lichtblicke:

  • Irgenwie fällt mir niemand herausragendes ein: Christopher Gäng fast schon gewohnt lautstark und in allen relevanten Situationen sicher, Lars Müller solide, Fabian Franke als gehörte er schon eine halbe Ewigkeit zum Team, alles ok, aber auch nicht wirklich jenseits des Teamschnitts

Schattenblicke:

  • Paul Schinke: Ob es an seiner früh im Spiel schmerzhaft zugezogenen Verletzung an der Hand lag, weiß ich nicht, aber er fiel überwiegend durch wenig zielführende Dribblings und daraus resultierende Ballverluste im Mittelfeld auf. Gegen konterstarke Gegner kann das ganz schnell schief gehen..
  • Carsten Kammlott: irgendwer hatte dem vor dem Spiel den Spaß an der Freude geklaut. Wirkte das ganze Spiel über nicht glücklich. Mit seinen Dribblings blieb er zumeist hängen, seine Abspiele waren ungenau oder zur falschen Zeit oder zur falschen Zeit gar nicht. Zurecht ausgewechselt.

Randbemerkung 1: Ich hatte schon zum Braunschweig-Spiel der Fankurve von RasenBallsport Leipzig meinen Respekt gezollt. Ohne das, was dort im Laufe der Saison gewachsen ist, wäre es in der ziemlich leeren Red Bull Arena gestern auch ziemlich trist gewesen. Dafür(also für das was gewachsen ist) mein Kompliment. Trotzdem hab ich noch eine Frage: War das zum Schluss gesungene ‚Oh wie ist das schön, so was haben wir lange nicht gesehen, so schön‘ ein wenig ironisch gemeint? Ich musste jedenfalls ein bisschen schmunzeln. Zumindest wahr ist es gestern gewesen..

Randbemerkung 2: Skurril die Situation als alle den Anpfiff des Spiels erwarteten, aber nichts passierte, außer dass der Linienrichter mit permanentem Schulterzucken auf Tomas Oral einredete. In der Folge des Gesprächs mussten Pressechef Felder und ein Teambetreuer die Bank von RasenBallsport Leipzig verlassen und verfolgten die Partie hernach stehend in direkter Nachbarschaft der Bank bzw. im Spielertunnel. Gibt es irgendeine Regel, die die Anzahl der Personen auf der Bank beschränkt? Und wenn ja, was macht es dann für einen Sinn, wenn sie direkt daneben stehen? Sitzverbot? Ist hier jemand regelfest bzw. kann den Sachverhalt aufklären?

Randbemerkung 3: Die Halbzeitpause wurde gestern dazu genutzt, sich an einer Aktion gegen Rassismus und Diskriminierung zu beteiligen. Gezeigt wurde ein Clip und anschließend eine Stellungnahme verlesen, in der auf die Einheit aus Verein inklusive Spielern und Fans in der Positionierung gegen oben genanntes beschworen wurde. Mir ist das, was da gezeigt wurde etwas zu plakativ, aber vermutlich geht es genau darum. Und weil ich mich als Blogger im RasenBallsport-Umfeld als Teil der Einheit beschworen fühle, verweise ich an dieser Stelle gern auf die offizielle Website der Aktion.

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Tore: 1:0 Frahn (10.), 2:0 Rockenbach (57.), 3:0 Müller (83./FE)

Aufstellung: Gäng – Albert, Sebastian, Franke, Müller – Rosin, Laas – Kammlott, Rockenbach, Schinke – Frahn

Zuschauer: 1663

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], RB-Fans-Bericht [broken Link], MDR-Bericht [broken Link], FCO-Bericht [broken Link]

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