Die Bundesliga zu Gast in RB Leipzigs Augen

Es war klar – so schmerzlich das auch ist –, dass es Rückschläge geben würde. Tiefschläge und Tiefs. Doch es war ebenso klar, dass es weiter- und vorwärtsgehen würde und wird. RB Leipzig wird weiterkämpfen und das Ziel Bundesliga nicht aus den Augen verlieren. (Editorial des RB-Programmhefts ‚Heimspiel‘ zum Braunschweig-Spiel, erhältlich auch noch zum HSV-Spiel am Sonntag oder zum Download hier [broken Link])

Ich fordere für RB Leipzig ein sofortiges Verbot des Wortes Bundesliga. Sicher ist es notwendig die Vereinsstrukturen (Nachwuchs, Infrastruktur) schon jetzt nach und nach an das Bundesliga-Niveau heranzuführen. Sicher sollte man seine sportlichen Ziele nicht aus den Augen verlieren. Und sicher führt die Öffentlichkeit das Wort Bundesliga gerne im Mund. Aber, im offiziellen Programmheft von RB Leipzig nach der zweiten Niederlage im erst vierten Rückrundenspiel der Regionalliga bei 16 Punkten Rückstand auf Platz 1 immer noch die Bundesliga vor sich her zu tragen, ist schon ziemlich unvernünftig. Von den 1276 Anwesenden dürften nur sehr wenige an Bundesliga gedacht haben. Die waren zu 95% tatsächlich wegen Regionalligafußballs da. Weil es sie weiter interessiert, mit welcher Mannschaft RB Leipzg die Saison beendet, ob es Shaban Ismaili mal wieder in den Kader schafft, ob Timo Rost und Lars Müller weiter auf der Bank schimmeln müssen, ob Daniel Frahn weiter den Goalgetter spielt, ob Thiago Rockenbach der erhoffte kreative Baustein ist. Alles Spieler übrigens, die vermutlich bei einer eventuellen RB-Bundesligasaison nicht mehr in Leipzig auf dem Platz stehen werden..

Die übrig gebliebenen Fans leben im Hier und Jetzt, freuen sich auf den Sonntag und das Gastspiel des HSV und den Rest der Saison. Etwas, was rings um RB Leipzig die ganze Saison über viel zu kurz gekommen ist. Immer ging es darum, etwas großes zu bauen, auf dem Weg in die Bundesliga zu sein, viel erreichen zu können, anstatt dem nächsten Gegner den Respekt zu erweisen, den er auch und gerade in der robusten Regionalliga verdient. Schluß jetzt endlich mit dem Quatsch. Wir spielen Regionalliga (!), hier und heute und vermutlich für mindestens 15 weitere Monate. Und ich freu mich drauf. Und falls RB Leipzig irgendwann auf Platz 1 stehen sollte, können wir uns ja mal über die 3.Liga unterhalten. Die steht nämlich genauso zwischen RB Leipzig und der Bundesliga wie die 2.Liga. Und bis das alles möglicherweise soweit ist, sind die einzigen, die Bundesliga sagen dürfen, die A- und B-Junioren, denn wenn irgendwer bei RB Leipzig zumindest in der (mehr oder weniger) Nähe der obersten Spielklasse ist, dann sie.

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5 Gedanken zu „Die Bundesliga zu Gast in RB Leipzigs Augen“

  1. Ich fordere für alle Programmhefte dieser Welt ein Verbot von Sätzen, die klingen, als würden Sie aus dem Wehrmachtsbericht vom 9. Mai 1945 stammen.

  2. Sehr guter Artikel!

    Überstrahlendes Problem ist daß ständig und immer wieder das Wort „Bundesliga“ über dem alltäglichen Tagesgeschäft zu schweben scheint .. .weniger als mutmachender Ansporn denn als bedrohlich wirkendes Damoklesschwert … ich glaube diese derzeitig eher noch bewölkte Phantasie lähmt eher die Beteiligten als daß sie Kräfte und Motivation freisetzt …

    Schritt für Schritt, Etappe für Etappe … das sollte das Motto sein und nicht das Beschwören von gewaltigen Durchmärschen im Ligagefüge … daß das leicht nach hinten los gehen kann zeigt sich ja schon in dieser Saison … nächste Spielzeit von Anfang an Power und dann kann man weiterreden …

    am besten wäre es wohl den Rahmenplan (10 Jahre bis Etablierung in der ersten Liga) im Schrank zu verstauen und stattdessen eine homogene und passende Mannschaft zusammenzustellen … dann kommen die positiven Ergebnisse und der erwünschte Rest nämlich automatisch …

    einfach die Erwartungen zurückschrauben, dann fallen nämlich auch die Enttäuschungen hinterher nicht so groß aus … gibts in Leipzig genügend Beispiele von 😉

  3. @Alex: Heute auch zu Gast in der wunderbaren Welt der Nazivergleiche? Der kämpferisch-männliche Erfolgs- und Kameradschaftspathos der im Allgemeinen den Fußball umweht ist sicherlei an vielen Stellen gewöhnungsbedürftig oder gar schwer auszuhalten. Wenn einem aber gleich Nazis einfallen, wenn man Zeilen liest, die in der sportlichen Krise die immer noch bestehenden sportlichen Ziele benennen und wenn einem bei der Thematisierung sportlichen Misserfolgs tatsächlich der Zustand eines Landes nach 6 Jahren Nazi-Krieg einfällt, dann liegt das sicherlich nicht zuallererst an den geschriebenen Zeilen eines Fußball-Programmhefts..

  4. Tatsächlich ist mir zuerst „Durchhalteparole“ beim Lesen dieser Zeile durch den Kopf gegangen. In welchem geschichtlichen Zusammenhang dieser Eindruck dann verbildlicht wird, ist sicher streitbar. Und überhaupt – die in Wien sitzenden Redakteure des Programmhefts haben sicher ein besseres Gespür für den Leipziger Fußball als ich.

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