BAFF almighty

Man kann davon ausgehen, dass die Fans keine Träne des Bedauerns darüber verdrücken werden, dass Leipzig wohl nicht aufsteigt. So ein Projekt funktioniert vielleicht in der Formel 1, aber der Fußball ist zum Glück nicht kalkulierbar.* (Wilko Zicht, Sprecher des Bündnisses Aktiver Fußball-Fans [BAFF] bei sportschau.de (broken Link))

Es ist manchmal schon seltsam, mit welchem Allmachtsgedanken sich Einzelpersonen oder Fangruppen (als Vertreter von Partikularinteressen) zum Sprecher aller Fans erheben. Seltsam schon deswegen, weil sie eben jene eine Homogenität des Fan-Seins konstruieren, die es in keinem Stadion der Welt gibt. Es gibt bei allen Vereinen verschiedenste Gruppen mit verschiedenstem sozialen, politischen oder meinetwegen kulturellen Hintergrund. Sicherlich haben viele Vereine die eine oder andere dominierende Schicht, aber Homogenität als etwas was behauptet, dass alle gleichgeschaltet die selben Gedanken pflegen, ist das noch lange nicht. Oder anders gesagt: Was – aus Fankultur-Sicht – der Kurven-Ultra beim FC Bayern mit dem Haupttribünen-Gelegenheitsbesucher gemein hat, muss mir erst noch jemand erklären.

Seltsam auch, dass die Herren aktive Fußballfans vom BAFF aus ihrer Arbeit die Inhomogenität der Fußball-Fankultur auch eigentlich kennen. Denn was würde die Thematisierung von Rassismus und Homophobie im Fußball oder die Unterstützung legaler Pyrotechnik im Stadion anderes bedeuten, als das implizite Wissen, dass im Fußball verschiedenste Interessen und Strömungen vertreten sind, die sich inhaltlich nicht sonderlich nahe stehen und es deshalb einer eigenen Interessensvertretung bedarf, um der eigenen Anschauung Gehör zu verschaffen. Das Bündnis aktiver Fußballfans weiß ja gerade durch ihren Ausstellungsdauerbrenner Tatort Stadion, dass die Fußball-Fankultur sich auf recht unterschiedliche Art und Weise äußert. Genau aus diesem Grund argumentieren sie gegen Rassismus und Homophobie auch nicht unter dem Motto ‚DIE Fans sind dagegen‘, sondern gewinnen ihre Argumente aus den Themen selbst (‚Rassismus ist inhuman‘ wäre ein solches Argument).

Beim Thema Red Bull, RasenBallsport, Leipzig und Fußball rückt jedoch auch bei den aktiven Fans vom BAFF das Argumentieren vom Inhalt aus ein wenig in den Hintergrund. Lieber verlässt man sich auf eine konstruierte, homogene Masse von Fans, die hinter ihnen steht und die als Argument stichhaltig genug sein muss. Wir sind ganz viele, ja wir repräsentieren praktisch ALLE Fans und weil wir ALLE Fans repräsentieren, müssen wir recht haben. Mal abgesehen davon, dass Fußball glücklicherweise keine Frage von gesellschaftlichen und auch nicht Fan-Mehrheitsverhältnissen ist, sondern seine Struktur durch die Spielordnung bekommt und sich alles andere auf dem grünen Rasen im Fußballstadion entscheiden muss, ist es schon ziemlich anmaßend, so zu tun, als gäbe es tatsächlich nur jene, denen der Misserfolg von RasenBallsport Leipzig ein positiv-emotionaler Moment ist und nicht einmal wahrnehmen zu wollen, dass eine relevante Zahl an Menschen offenbar (gute oder weniger gute) Gründe hat, mit den RasenBallsportlern mitzufiebern.

Vermutlich resultiert das Zurückgreifen auf DIE Fans aus einer Weltsicht, in der – aus welchen Gründen auch immer – RasenBallsport-Anhänger keine Fans sein können, weil sie zu einem Produkt gehen, weil sie keine Tradition haben etc. Ich würde mal behaupten, dass sich die Zuwendung der RasenBallsport-Anhänger zu ihrem Verein nur in wenigen Facetten von der Zuwendung anderer Anhänger zu ihren Vereinen unterscheidet. Es gibt in der Red Bull wie in der Allianz Arena Kurvenfans mit einem sehr viel intensiveren Ausleben ihrer Bindung. Und es gibt eher den Tribünenhocker, dem emotional auf Ballhöhe trotzdem der gelegentliche Schritt zurück zu so etwas wie ironischer Distanz gelingt. Und es gibt sicherlich den Gelegenheitsfußballgucker, nach dem man sich im Stadion ob seiner von Sachunkenntnis getragenen Kommentare stirnrunzelnd umguckt. Man kann natürlich so tun, als wären diese Parallelen egal, weil die Ablehnung von RasenBallsport Leipzig bzw. die Ablehnung des Prinzips Red Bull einem höheren Gedankengang zur Rettung des Fußballs gehorcht (vor wem eigentlich? dem Kommerz? Naja.) und die Existenz der entsprechenden RasenBallsport-Zuschauergruppen deswegen für den eigenen ablehnenden Blick irrelevant ist. Dabei kreiert sich aber aus meiner Sicht das Bild einer Organisation namens BAFF, die in einem Anflug von Allmachtsfantasie und auch-mal-Mehrheit-sein-wollen, sich über etwas erhebt, über dem sie nicht drüber, sondern ausschließlich irgendwo daneben oder sogar mittendrin steht.

Man könnte natürlich auch vermuten, dass der Hintergrund der BAFFschen allmächtigen Fanvertretung ist, dass man – so wie das manch anderer öffentlich formuliert – RasenBallsport-Anhänger eher für unzurechnungsfähige Doofis hält. In diese Richtung geht stellvertretend ein Kommentator bei seiner persönlichen Abrechnung mit Felix Magath, dem er seine zukünftigen Perspektiven für die Nach-Schalke-Zeit erklärt:

Was bliebe, wäre ein Engagement bei seinem Lieblingsklub HSV, bei dem er als Spieler große Zeiten erlebte, oder Aufbauarbeit bei den neureichen Bullen aus Leipzig. Wie in Wolfsburg, hätte er dort wenigstens keine lästigen Fans, die eine Meinung haben. (Kommentar bei derwesten.de [broken Link])

Man weiß es nicht so recht, manchmal sind die RasenBallsport-Anhänger Eventfans und damit überkritisches Operettenpublikum vor dem kein Trainer sicher ist, um im nächsten Atemzug dann doch als meinungslose Deppen durchgehen zu dürfen. Angeprangert von einem Online-Kommentator, der es offenbar als hohe Kunst der Kritik versteht, einen Fußballtrainer als unbelehrbaren Egozentriker und berechnenden Fanversteher zu denunzieren. Nein, eigentlich will ich nicht jede Meinung hören, die als Projektion an andere rangepappt wird, nur damit man selbst als besserer Mensch, wahre Fankultur oder Rechthabe-Mehrheit dasteht. Eigentlich möchte ich gern auf Kommentatoren verzichten, die das Denken durch Meinung ersetzen. Und eigentlich möchte ich auch nie wieder etwas über DIE Fans hören, weil es sie auch dann nicht gibt, wenn man glaubt, dass man den ideologisch korrekten Kampf für den einzig wahren Fußball kämpft.

Gerne kann man sich meinetwegen kritisch mit dem Konzept Red Bull als popkulturellem Alltagsphänomen auseinandersetzen und sich fragen, wie sich die Welt verändert hat, dass man sich Marken wie Red Bull und Coca Cola und Apple zu Facebook-Freunden macht (eine Grundvoraussetzung dafür, dass Marken auch Bereiche jenseits des eigentlichen Produkts besetzen). Gern kann man sich auch fragen, was das für das Alltagsleben bedeutet. Gern kann man sich auch fragen, wie die Spielordnungen des DFB geregelt sein sollten, damit man den Kerngedanken des Sports erhält (wenn man denn vorher einen Kerngedanken jenseits von 2 Tore, 22 Spieler, 90 Minuten ermitteln kann). Stichwort 50+1. Braucht man das und wenn ja wie (denn offenbar funktioniert die Regel in der Praxis auch juristisch nicht)? Braucht man so etwas wie Gehaltsbeschränkungen? Funktioniert das europäische Financial Fairplay oder wird das nur ein Papiertiger? Braucht man die von Watzke geforderten weichen Faktoren? Man könnte über viele Fragen reden, wenn man sich denn die Sicht nicht durch Meinungsprojektion oder Klischeebilder vom RasenBallsport-Anhänger und seinem Lieblingsverein verstellen ließe. Fragen, die nicht nur in der RasenBallsport-Welt oder in der Red Bull Arena relevant sind.

PS: Ein schönes Beispiel für die Selbstermächtigung im Sinne der oben beschriebenen Allmachtsgedanken steuern die Fans von Eintracht Braunschweig noch bei. In einem Aufruf des Fanrats Braunschweig, das Auswärtsspiel in Leipzig zu boykottieren, findet sich neben der Boykottbegründung folgender Hinweis:

Dieser Beschluss ist einzig und allein ein Zeichen gegen RasenBallsport Leipzig, denen wir weder Eintrittsgelder, noch eine würdige Stimmung auf den Rängen gönnen. (fanpresse.de (broken Link))

Es ist genau dieser überhöhte Glaube, dass es ohne die eigene Anwesenheit auf keinen Fall ginge, dass der Fußball in der Red Bull Arena abhängig sei von 50-100 Braunschweiger Ultras, die 90 Minuten dauersingen, der wahnwitzig anmutet. Lieber Fanrat Braunschweig: wir hier haben zwar grad andere Probleme als die Frage, ob Sie nun gerne zum Singen vorbei kommen oder nicht. Aber lassen Sie sich trotzdem gewiss sein: Die Anhänger von RasenBallsport Leipzig haben bereits ganz ohne Sie würdige (Wilhelmshaven) und unwürdige (Kiel) Stimmung produziert. Ihre Abwesenheit würde eventuell im Fall Ihrer Erstvertretung schmerzen, die Trostlosigkeit einer sportlich bedeutungslosen Partie gegen ihre U23-Mannschaft (sind Sie eigentlich für oder gegen die Regionalliga-Reform gewesen?) kriegen wir aber auch guten Gewissens ohne Sie über die (leere) Bühne. Wünsche einen schönen, freien Mittwochabend.

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* Noch ganz kurz zum Thema Fußball ist nicht kalkulierbar (aus dem Zitat ganz oben). Es ist schon schizophren. Wenn Borussia Dortmund ganz oben steht, dann ist das erstklassiger Konzeptfußball, ermöglicht durch die hervorragende strategische Arbeit der Vereinsführung. Wenn Bayern München mit van Gaal ins Champions League Finale rutscht, dann steckt da eine langjährige Vereinsstrategie dahinter (Schweinsteiger und Lahm als Bayernherzen). Wenn Energie Cottbus ins Pokalfinale einziehen sollte, dann wird es als Sieg des Wollitz-Konzepts vom Kaderumbruch hin zu mehr Identifikation mit deutschen Spielern gesehen werden. Überall, wo Fußball gespielt wird, wird kalkuliert, werden Strategien entworfen, Konzepte umgesetzt und der sportliche Erfolg geplant. Das geht nicht immer auf, weil man zum Schluss immer noch zu elft mit einem Ball zwischen 2 Toren das Ergebnis ausspielt und nur einer gewinnen kann, aber ohne Kalkül kommt man auf gar keinen Fall zu sportlichem Erfolg. Geld hilft bei der Umsetzung von Strategien, erarbeiten muss man sich den Erfolg trotzdem. Fußball eben. Gilt im Übrigen für die Formel 1 vermutlich ganz genauso..

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11 Gedanken zu „BAFF almighty“

  1. Naja… ein rhetorisch ansprechender Beitrag, der aus meiner Sicht inhaltlich eher schwach ist. Zum einen weißt Du, wen Du mit dem BAFF vor der Flinte hast (Zitat von dessen Homepage: „Elementares Ziel ist der Erhalt der historisch gewachsenen Fankultur […] Dazu gehört der Kampf […] gegen die übertriebene Kommerzialisierung des Fußballs mit all ihren negativen Auswirkungen […]“. Deine Behauptung, der BAFF-Sprecher würde für alle Fans sprechen, ist an den Haaren herbeigezogen. Ich würde einem BAFF-Sprecher jedenfalls nicht andichten, daß er für das Tennispublikum auf der Bayern-Haupttribüne spricht. Das BAFF wäre erheitert, wenn es von Deiner Allmachtsunterstellung wüßte.
    Im übrigen: Wenn man die Foren deutscher Bundesligisten querliest, wird man feststellen, daß RBS Leipzig überall Diskussionsstoff liefert, und zwar nicht erst seit dieser Saison, sondern bereits seit Gründung des Konstrukts. In ebendiesen Foren überwiegt bei weitem die Freude darüber, daß der geplante Leipziger Durchmarsch nach Lage der Dinge nicht klappt. Diese Fans sind selbstverständlich nicht „alle Fans“, aber wo sonst will man die Stimmung der Fans testen wenn nicht in Foren, wo Leute ihre Freizeit zwischen den Spielen auch dem Thema Fußball widmen. Die Schnepfen von der Bayern-Haupttribüne sind hier bestimmt nicht zu finden. Für die spricht BAFF auch nicht – sollte eigentlich klar sein.

    PS: Zitat „dass man sich Marken wie Red Bull und Coca Cola und Apple zu Facebook-Freunden macht“ – wenn man böswillig wäre, könnte man hier auch Allmachtsphantasien unterstellen. „Man“ macht sich nämlich nicht Marken zu FB-Freunden – das machen einige wenige Leute, deren Leben extrem langweilig sein muß, damit sie sowas nötig haben. Aber ich bin ja nicht böswillig 🙂

  2. Auch wenn einen diese arrogante Haltung „Ohne Freikarten wäre das Stadion doch leer, die Leute von der Fan-Seite werden doch bezahlt, Stimmung gibt’s dort nur mit Auswärtsfans“ maßlos ärgert… wohl vor allem deshalb, weil es die Leute, die das vortragen, auch tatsächlich glauben… so muss man sich wohl leider daran gewöhnen und einfach drüber stehen.
    Es gibt sicher genügend nachvollziehbare Argumente, mit denen sich gegen RB argumentieren ließe, aber dieses Braunschweiger Statement ist halt einfach lächerlich. Zumal…
    1. man sich fragen darf, wie viele von denen denn ohne ein Boykott an einem Mittwochabend zu einem Spiel der Zweiten nach Leipzig gefahren wäre
    2. es einzig und allein die eigene Mannschaft trifft – denn Stimmung gibt’s trotzdem und fehlende Eintrittsgelder von, naja, sagen wir mal 100 Zuschauern, sind nicht das, was das RB-Engagement hier beenden wird.

  3. Ich wünsch mir bei solchen Diskussionen immer sehr viel Gelassenheit. Das Formel 1 Engagement von Red Bull hat zum Sieg des deutschen Piloten Vettel geführt. Groß war der Jubel. Nicht nur in den Medien. Die Formel 1 mit dem Fußballengagement zu vergleichen ist sicherlich so schwierig wie der Vergleich sportlicher Leistungen von Schachgroßmeistern mit Marathonläufern. Letztendlich ist das Projekt RB Leipzig auf mehrere Jahre und auf Erfolg (sprich Aufstieg in die Bundesliga) ausgelegt. Die etwaige zeitliche Verzögerung durch einen diesjährigen Nichtaufstieg wird keinen Weltuntergang für Dietrich Mateschitz und seine Männer bedeuten. Letztendlich hilft die monetäre Komponente. Tore schießen müssen… Ist ja bekannt.

    Übrigens fand ich Klopp sehr authentisch und sympathisch offen als er im Januar darauf verwies, dass seine Jungs bei Borussia Dortmund keine Erdnüsse bekommen sondern sehr ordentliche Summen monatlich ausbezahlt bekommen.

  4. @Ritter Runkel: mit Deinen Schnepfen und Deinem Tennispublikum unterstreichst Du eigentlich nur das, was ich vorher im Text oben geschrieben habe. Dass offenbar eine bestimmte Klientel Fußballanhänger gar keine Fans darstellen. Das nenne ich aber mal so richtige Allmacht, zu bestimmen, wer sich nach Deinen oder BAFFschen Kriterien Fan nennen darf und wer nicht. Und wenn man dann erst mal soweit ist, wird es fast plausibel, wenn man für die geschätzten 15-20% der Fußballbesucher sprechend, die nach den Kriterien nicht durch den Rost fallen, darauf kommt, dass die Fans sich über den RB-Misserfolg freuen. Dann besteht der Allmachtsgedanke darin, tatsächlich implizit bestimmen zu wollen, wer denn noch als Fan durchgeht und wer nicht. RB-Fans vermutlich nicht, denn sonst wären die Fans ja nicht gegen RB.

    Und zu der Markengeschichte: Coca Cola hat knapp 23.000.000 Facebook-Freunde. Ich würde das nicht ‚einige wenige‘ nennen. Und falls Du mir widersprechen wolltest, dass Marken und ihre Images zur Massenkultur (darum ging es mir) gehören, dann wäre ich auf Deine Argumentation gespannt. Und übrigens: Reflexion auf die Welt und die Menschen darin, besteht nicht darin, Leute als Schnepfen oder Langweiler zu beschimpfen. Das ist Projektion..

  5. 100.000 Facebook-Fans kosten 4.947 Dollar ([broken Link]), also wäre ich vorsichtig damit, die Anzahl der Facebook-Freunde als strategiefreies Zufallsprodukt darzustellen. Die sozialen Netzwerke sind längst in die Markenstrategie von Unternehmen integriert.

    1. Wenn man den genannten Artikel vollständig und zuende liest erkennt man zwar, dass eine solche „Dienstleistung“ angeboten wird, aber der tatsächliche Effekt angezweifelt wird. Insofern wären viele Facebook-Freunde doch ein strategiefreies Zufallsprodukt…

  6. Du wirst meinen Beitrag so interpretieren, wie du ihn interpretieren willst. Ich habe diesen Meedia-Beitrag nicht gesucht, um irgendetwas zu widerlegen, sondern kannte ihn vorher schon.

    Anders interpretiert: Der Link zu dem Artikel, der ja mit einer provokativen Überschrift daherkommt, könnte auch zum Nachdenken über das Zustandekommen von Fanzahlen in sozialen Netzwerken verstanden werden.

    Aber das macht jeder so, wie er lustig ist.

  7. Ich würde Dir darin zustimmen, dass Facebook-Freundes-Zahlen erst einmal wenig aussagekräftig sind. Sie liefern Indizien, aber darüberhinaus muss man sich trotzdem noch überlegen, was sie bedeuten. In meinem Coca-Cola-Beispiel dienten die Zahlen auch nur als Hinweis darauf, dass sich im Umgang mit Marken (Apple zeigt das ja auch) in den letzten 20 Jahren etwas ganz essenzielles verändert haben muss.

  8. Ich werde mich nicht mit Dir streiten und einige mich gern mit Dir darauf, daß wir uns nicht einigen werden. Wir sind unterschiedlicher Meinung, was Fansein auszeichnet, und ich gebe freimütig zu, daß ich zwischen Fans und Konsumenten unterscheide. Am Mittwoch hat RBS vor 1276 Fans gespielt, in ein paar Jahren wird man regelmäßig vor reichlich 44000 spielen. Wo waren die 43000, die in ein paar Jahren gehen werden, am Mittwoch? Fansein zeichnet sich meiner Ansicht nach u.a. dadurch aus, auch in schlechten Zeiten zu seinem Verein zu stehen – siehe die Leute, die in untersten Spielklassen bei Lok, Chemie oder Austria Salzburg am Anfeuern waren und sind. Ich bin sicher, daß es da auch bei RBS Leipzig Fans in diesem Sinne gibt. Das, was landläufig als „Erfolgsfans“ tituliert wird, gibt es bei jedem Verein, nicht nur bei RBS, aber die Meinung eines Fans, der sich nicht nur während des Spiels, sondern auch darüber hinaus für seine Mannschaft und seinen Verein engagiert (AKTIVE Fußballfans), hat für mich persönlich mehr Gewicht als die eines Konsumenten, der sich alle zwei Wochen mal 90 Minuten lang auf einen Schalensitz fläzt (Auswärtsfahren is ja nicht drin, weil soweit weg von zu Hause).
    Als ich vor 30 Jahren das erste Mal im Stadion war, haben die Leute teilweise in den Pappeln neben der Fischerwiese gehockt, weil das Stadion knüppelvoll war; gesessen haben lediglich die, die wirklich nicht stehen konnten. Komfort? Wozu? Wir sind schließlich beim Fußball! Heutzutage ist alles versitzplatzt, man geht nur, wenn’s nicht regnet, man nimmt sich ein Sitzkissen mit (könnte ja kalt sein), und ja das Popcorn nicht vergessen!!, die Kellner laufen durch die Reihen, und wenn mal ein Tor für die eigene (?) Mannschaft fällt, kommt sogar sowas ähnliches wie Lautstärke auf. Ansonsten hört man im Stadion lediglich die eigenen Ultras und den Auswärtsmob. Tennispublikum: immer schön ruhig dasitzen und beim Punktgewinn jubeln. Das ist in Leipzig so, das ist in der Arroganz-Arena so. Setz Dich mal in München auf die Haupttribüne, schau Dich um, und sag mir, wie Du diese adretten, wohlriechenden, solide geschminkten Damen nennst, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie nicht eigentlich zum Pferderennen wollten. Projiziere ich das, oder ist das wiederholte Wahrnehmung? (Daß ich dort ab und zu auf ebenjener Tribüne hocke, erkläre ich Dir gerne per Mail, falls es Dich interessieren sollte – es hat jedenfalls weder mit Fansein noch mit Konsumieren zu tun.)
    Bei Facebook habe ich mich vor einiger Zeit abgemeldet, v.a. deshalb, weil die übergroße Mehrzahl der Posts einfach substanzlos und langweilig war, verschwendete Zeit. Du nennst das Beschimpfen und Projektion, für mich war es schlichte Erkenntnis. Ich bin mit meiner Entscheidung jedenfalls sehr glücklich.
    Projektion ist hingegen das, was Du dem BAFF andichtest, das schon per Statut lediglich für aktive Fußballfans spricht. Du setzt Deine Vorstellung vom Fansein als die richtige bzw. bessere voraus und unterstellst anderen Allmachtsansprüche, wenn sie Deine Meinung nicht teilen. Ich hab den Eindruck, daß hier eine Kränkung vorliegt, weil das BAFF RBS Leipzig nicht mag… Warum stehst Du da nicht einfach drüber und singst „No one likes us – we don’t care!“? Das wäre wenigstens souverän.

  9. Nur eins, weil mir für mehr die Zeit fehlt und es mir wichtig ist. Ganz definitiv setze ich meine Vorstellung vom Fansein nicht als richtige oder bessere voraus. Das kann man in diesem Blog gern und immer wieder nach lesen. Mir ging und geht es immer wieder darum, dass es völlig unterschiedliche Motive und Leidenschaften bei den Fans in Bezug auf den Fußball gibt und die verschiedensten Ideen und Interessen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Der Ultra ist nicht besser, weil er Choreos basteln kann und die Haupttribüne ist nicht besser, weil sie mehr Geld für ihren Sitz bezahlt. Fußballanhänger sind ein bunt gemischtes Völkchen und genau das ist das gute und genau so sollte es bleiben. Ohne permanent respektlos gegenüber anderen zu sein. Ich werfe dem BAFF und den Braunschweiger Ultras nicht vor, dass sie RB Leipzig und Red Bull nicht mögen, ich werfe den Braunschweigern vor, dass sie glauben, es drehte sich nur um sie, wenn sie behaupten, dass ohne sie die Atmosphäre eine ünwürdige würde und dem BAFF werfe ich vor, dass sie für die Fans sprechen, aber eigentlich nur einen sehr kleinen Teil vertreten. Für oder gegen RB kann jeder sein wie er will, Argumente dafür oder gegen nehme ich auch gern wahr und verarbeite sie auch an der einen oder anderen Stelle.

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