RB Leipzig vor dem Spiel gegen Holstein Kiel

Das war das, was sich die Jungs für den Verlauf der Saison vorstellen. Dass wir nicht nur auf die Defensive achten, sondern auch unsere Qualitäten nach vorne ausspielen. Wir haben super Fußballer in der Mannschaft (…), wir müssen uns das einfach zutrauen.“ (Thiago Rockenbach im Red Bull Audioplayer [broken Link] vom 14.02.2011 nach dem Sieg von RB Leipzig bei der U23 von Hannover 96 )

Das war sicher das, was man sich als den entscheidenden Quantensprung vor der Rückrunde erhofft hatte. Dass RB Leipzig auch die nötigen spielerischen Qualitäten entwickelt, die einer defensiv ingesamt recht sicher und robust agierenden Mannschaft fehlten. Qualitäten mit denen man nicht gleich jeden Gegner an die Wand spielen muss, aber Qualitäten, die die vorhandenen Offensivtalente wie Kammlott und Frahn auch in Szene setzen. Denn das wurden sie in der Hinrunde selten. Falls (auch dank Thiago Rockenbach) RB Leipzig künftig in der Lage ist, potenziell in jeder Partie auch einen entscheidenen spielerischen Moment zu kreieren, dann kann ich das nur umfänglichst begrüßen.

Sorgen – wenn man das überhaupt so nennen möchte – bereitet mir vor dem heutigen Spiel nur die Möglichkeit, dass man sich bei RB Leipzig vielleicht schon wieder zu wohl fühlt in der Wahrnehmung, dass nun alles viel besser ist als in der Hinserie. Ich war nicht in Hannover und vielleicht habe ich dort tatsächlich eine überirdische Leistung verpasst, aufgrund derer man nicht umhin kommt, daran zu glauben, dass sich die RasenBallsportler auf hohem Niveau konsolidiert haben. Andererseits gebe ich zu bedenken, dass auch in der Hinserie nicht alles Mist war. Auch dort gab es die Momente, die glauben machten, dass der Knoten geplatzt sei, dass die Mannschaft nun auf einem anderen Niveau agiere, die Anpassung an die Regionalliga geschafft sei.

Ob RB Leipzig tatsächlich deutlich an Qualität gewonnen hat, wird man erst nach 4-5 Rückrundenspielen wissen. Wenn auch mal ein Graupenspiel dabei war, wenn man durch eine miese Situation (bspw. Rückstand) durch musste. Derzeit steht ein überzeugender Auftritt in Hannover auf der Rückrunden-Haben-Seite. Das ist noch nicht viel. Dementsprechend ist auch noch nichts gewonnen. Dementsprechend ist mir die Stimmung bei RB Leipzig im Allgemeinen ein bisschen übertrieben zufrieden und lässig. Aber vielleicht nehme ich da von außen auch einen falschen Zungenschlag war. Kann ja auch nur Selbstvertrauen sein, das sich da äußert. Und Selbstvertrauen ist auf dem Fußballplatz ja durchaus nicht verkehrt.

Ein erhöhtes Selbstvertrauen zeigten die RasenBallsport-Verantwortlichen Tomas Oral und Dieter Gudel auch in Bezug auf die Zuschauerprognosen. 6-10.000 (Gudel [broken Link]) bzw. ‚warum nicht 10.000‘ (Oral, in der LVZ glaub ich) werden da als Zahlen ins Spiel gebracht. Vielleicht hat sich in der Winterpause im Umfeld von RB Leipzig so einiges bewegt, aber ich wage es einzuwerfen, dass 10.000 Nicht-Gäste-Fans in dieser Saison noch nie (!) in der Red Bull Arena waren (außer im Vorbereitungsspiel gegen Schalke 04), dass draußen Frost ist, dass der Abstand zum Chemnitzer FC immer noch 12 Punkte beträgt und dass Holstein Kiel ein Gegner ist, der – bei allem Respekt – in Leipzig nun auch nicht der Kassenschlager ist. Ich persönlich fände schon 4.000 Zuschauer unter den Voraussetzungen sehr respektabel.

Und apropos Kiel kein Kassenschlager. Das ändert natürlich nichts daran, dass man auf ein – auf gut neudeutsch gesagt – geiles Spiel heut abend hoffen darf. Das auf vielen Ebenen höchst emotionale Hinspiel dürfte auf beiden Seiten noch in guter oder weniger guter Erinnerung sein. Tomas Oral, Übungsleiter bei Rb Leipzig wurde damals nach eigener Aussage permanent von der gegnerischen Bank aus beleidigt und lieferte sich nach Abpfiff fast eine Schlägerei mit dem Kieler Co-Trainer (?). Timo Rost brachte das ähm RB-‚kritsche‘ Kieler Publikum, von denen so viel zu diesem Spiel kamen, wie hernach nie wieder zu einem Heimspiel (5.200, der Saison-Heimschnitt liegt insgesamt bei 2.700), 2 Minuten vor Schluss zum Schweigen und sorgte beim eigenen Team für eine ungeahnte Jubelekstase. Viele Emotionen also, die die Beteiligten auf dem Rasen, aber auch auf den Rängen noch vor Augen haben dürften, wenn sie an Kiel denken.

Der heutige Abend wird erste Hinweise geben, ob die gute Leistung von Hannover ein Ausrutscher (oder Hannover einfach zu schwach) war oder ob darin System steckte. Gegen einen hochmotivierten und kompakten Gegner, der – so ist zu erwarten – das Spiel gegen RB Leipzig auch ein Stückweit als Mission begreift, es den ‚Geldsäcken‘ (wie projektiv man da auch immer vorgeht) mal so richtig zu zeigen, wo der Hammer hängt, wird es spannend, wie sich die neugefundene Mischung aus Defensive und Offensive schlagen wird. Ich freu mich auf das erste Rückrundenheimspiel und bin entgegen meiner Gewohnheit und ohne das in eine konkrete Vorhersage zu münzen sogar vorsichtig optimistisch.

In einer konkreten Vorhersage wage ich mich hingegen in Bezug auf die Aufstellung. Da Sven Neuhaus sich eine Innenbanddehnung zugeszogen hat (womit RB Leipzig eine der seltenen Gemeinsamkeiten mit dem Chemnitzer FC hat – eine verletzte Nummer 1), schlägt jetzt die Stunde der Nummer 2. Nur, wer ist eigentlich die Nummer 2? Weiß vor dem Spiel wohl nur Tomas Oral. Ich tippe auf Christopher Gäng, aber die Aussage basiert weitestgehend auf dem 50:50-Prinzip und ein wenig Gefühl. Zweite Personalie ist nach abgelaufener Gelbsperre der Kapitän Tim Sebastian bzw. da ich nicht glaube, dass er auf der Bank sitzen muss, geht es entweder um die Frage Hertzsch oder Rosin. Also rutscht Ingo Hertzsch in die Innenverteidigung bei RB Leipzig oder darf weiter Daniel Rosin dort agieren. Auch 50:50. Ich tippe mal auf Ingo Hertzsch und seine Ausstrahlung innerhalb der Mannschaft. Deshalb ergibt sich folgende Aufstellung:

Gäng – Sebastian, Hertzsch, Kläsener, Müller – Rost, Baier – Kammlott, Rockenbach, Schinke – Frahn.

Und auf der Bank sitzen:

Bellot, Rosin, Ismaili, Watzka, Geißler und Kutschke.

Na dann, auf gehts.

Flattr this!

4 Gedanken zu „RB Leipzig vor dem Spiel gegen Holstein Kiel“

  1. Kiel hat im Abstiegskampf (Hinrunde, November 2003, 10 Grad) immerhin 4500 Zuschauer in den AKS gezogen. In der Tristesse des Sicheren Abstiegs, des ZS und der Insolvenz 2009 waren es nur noch 1600 am 33. Spieltag (Mai, 15 Grad). Ich fände es super, wenn wir den Kieler / AKS-Wert schlagen würden, habe aber auch leichte Zweifel, tippe also schelmisch auf 5300.

    Zur Aufstellung: Gäng könnte ob der bisherigen Einsatzzeiten (ca 200 Minuten mehr als Bellot in Testspielen und Spielen der II.) die Nase vorn haben. Hat aber ein gerüttelt Maß an mehr Gegentoren 5 (Gäng) vs 2 (Bellot) bei mehr Spielzeit. Ich lass mich auch mal überraschen…

    Zu TS, in der LVZ wurde ja glaube ich vermutet, dass Oral gänzlich auf die Hannoversieger setzen wird.

  2. Ähm ja, offenbar sind angesichts des heutigen Tages doch die richtigen Leute zur richtigen Zeit am Start 🙂 Mit solchen Ergebnissen ist es natürlich kein Selbstläufer die Leipziger von einem quasi unmöglichem Ausstieg von RB aus dem Projekt zu überzeugen. Könnte wichtig sein in der Investitionsrückerstattungsdebatte. Ich tippe mal das man den obligatorischen 3er gegen Türkiyemspor schon einem neuen Trainer gönnt, zum langsam reinschnuppern….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.