Zweckpessimismus

In meiner Jugend (um mal wieder über früher zu reden) nutzte ich Spieltage immer, um meinen überbordenden Pessimismus zur Schau zu stellen. Klar träumte ich insgeheim von einem dramatischen Spielverlauf, vom erlösenden Torjubel oder vom Fallrückzieher zum Siegtreffer in der Nachspielzeit, aber öffentlich gab ich mich mehr als vorsichtig. Sehr selten kam es vor, dass ich meinem Team, das in jenen Jugendtagen Energie Cottbus hieß, einen Sieg zutraute. Keine Ahnung, woher dieser Spleen kam, aber aus irgendeinem Grund bildete ich mir ein, dass mein grenzenloser Pessimismus das Fußballschicksal milde stimmen und meine Mannschaft dadurch gewinnen würde.

Heutzutage, mit RB Leipzig ist das ganze nicht mehr ganz so extrem, aber in der Tendenz immer noch das selbe Muster. Während die Träumereien sich um große Spiele und Siege drehen, ist mein rationaler Blick auf RB Leipzig und die anstehenden Spiele eher pessimistisch.

Insbesondere die heutige Auswärtshürde bei der U23 von Hannover 96 erscheint mir eine schwierige Aufgabe. Vor allem wohl, weil RB Leipzig bisher vor allem gegen die zweiten Mannschaften und  gegen die Mannschaften der oberen Tabellenhälfte (Hannover liegt lediglich zwei Zähler hinter RB) und in Spielen mit wenig Zuschauern (Hannover hat einen Heimschnitt von 205 Besuchern – in der AWD Arena mit fast 50.000 Plätzen!) schlecht aussah und viele Punkte liegen gelassen hat. Hannovers U23 ist quasi der Idealtypus des Angstgegners von RB Leipzig.

Schwierig ist die Aufgabe auch, weil Hannovers U23 sicherlich zu den (spiel)stärksten Teams der Regionalliga Nord gehört. Und vielleicht auch ein wenig, weil der Portugiese Carlitos gegen RB Leipzig nach langer Verletzungspause sein erstes Pflichtspiel absolviert. Carlitos galt im Sommer und gilt es immer noch als Hoffnungsträger bei der 1.Männermannschaft von Hannover 96, also beim – vor diesem Spieltag – 4. (!) der Fußballbundesliga.

Und noch ein bisschen vielleichter, weil die Aufforderung hart zu spielen, dagegen zu halten, den jungen Gegner zu beeindrucken, die in den letzten Tagen durch die RB-Reihen waberte, außer Acht lässt, dass Kompakt- und Robustheit schon in der Hinrunde die Kernkompetenzen von RB Leipzig waren, denen die wohldosiert beigemengten Kreativitätselemente fehlten. Von daher wünschte ich mir robusten Regionalligafußball, der durch Winterpausentraining mit ein, zwei großartigen Momenten aufgepeppt wird.

Stand jetzt sind es für RB Leipzig 15 Punkte und 25 Tore Rückstand auf Platz 1. Mal gucken, wie das heute nachmittag aussieht.

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3 Gedanken zu „Zweckpessimismus“

  1. Zitat: „…. Hannover liegt lediglich zwei Zähler hinter RB …“
    und
    „… Stand jetzt sind es für RB Leipzig 15 Punkte und 25 Tore Rückstand auf Platz 1. Mal … “

    Diese beiden Manschaften haben ja auch schon zwei Spiele mehr als der RB Leipzig 😉
    Genau wie die Lübecker und die Hamburger. Bei den Wolfsburgern sind es
    sogar 3 Spiele mehr. (laut Tabelle auf mdr.de)

    Dein Wunsch nach „zwei großartigen Momenten“ könnte ja mit 2 Siegen, bei den zwei fehlenden Spielen, in Erfüllung gehen. Außerdem klingen dann 9 Pkt. Rückstand auf Platz 1 nicht mehr ganz so schlimm.

  2. Na, da hat sich mein öffentlicher Zweckpessimismus ja ausgezahlt. 😉

    @R.: Ja 9 Punkte klingen vergleichsweise fast schon wenig. Nu sind wir erstmal bei 12. Ein Schritt nach dem anderen. 😉

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