Absolut unkooperativ

Ein paar Worte zur Lok-Mitgliederversammlung seien mir an dieser Stelle sicher gestattet, auch wenn mir meine Position als Außenstehender vermutlich nicht das vollumfängliche Verstehen der Situation erlaubt. Ich hatte bereits in meinen früheren Beiträgen zur Kooperation, meine Sicht geschildert, dass ich die Kooperation rein rational-faktisch für BEIDE Vereine gewinnbringend gefunden hätte, aber durchaus auch verstehe, dass die emotionale Ablehnung der Kooperation identitätsstiftende Momente für Lok  haben kann. Daraus könnte im besten Fall resultieren, dass die Energie nicht in das simple Anti, sondern in das kreative Bauen einer Vereinsalternative fließt.

Die Entscheidung der Mitgliederversammlung von Lok gegen eine Kooperation mit RB Leipzig kam insgesamt nicht unbedingt überraschend. Überrascht hat da schon eher die Deutlichkeit der Ablehnung (Zahlen von der Lok-Homepage [broken Link]). 307 Nein-Stimmen vs. 89 Ja-Stimmen und 26 Enthaltungen sind weit davon entfernt ein enges Wahlergebnis zu sein. Andererseits haben nur 422 der offiziell 546 anwesenden Mitglieder überhaupt an der Abstimmung teilgenommen und mit 307 Personen stimmten immer noch weniger Vereinsmitglieder gegen die Kooperation, als Vereinsmitglieder für die Wahl der engsten und als äußerst unbeliebt geltenden Kubald-Vertrauten und Finanzchefin Katrin Pahlhorn in den Vereinsvorstand stimmten. Wie auch immer man Zahlen interpretieren mag, das Thema ist nun vom Tisch und dementsprechend können Lok und RB Leipzig nach vorn schauen bzw. ihr Agieren darauf einstellen.

Was mich an der Mitgliederversammlung tatsächlich verwunderte, war die Wahl des Vereinsvorstandes bzw. vor allem die Kandidaten. Zuerst einmal sprechen 5 Kandidaten für 5 Posten nun nicht gerade für die Qual der Wahl bzw. für attraktive Posten. Überraschen muss aber, dass alle 5 Personen eher als Pragmatiker gelten dürften, denen die roten Tücher der bisherigen Vereinsopposition (die aufgrund ihrer Größe kaum mehr als Opposition gelten kann) Kubald und Kooperationsvereinbarung beide keine roten Tücher, sondern durchaus akzeptable Punkte sind. Der neue Lok-Chef wird dementsprechend von der LVZ (am 07.02.) auch dahingehend zitiert, dass er die Kooperation ok gefunden hätte, aber natürlich das Mitgliedervotum respektiert.

Wenn man bedenkt, dass man vermutlich auch den anderen Vorstandsmitgliedern eine solche Position (also eine inhaltliche Position gegen die Vereinsmehrheit) zuschreiben und der neue Goldgas-Vereinsvorsitzende Notzon sich sogar einen künftigen Geschäftsführer Steffen Kubald (der seiner Abwahl durch die Mitglieder vermutlich nur durch das Vorziehen der Mitgliederversammlung bei Amtsverzicht entkam) vorstellen kann, dann führt dies zu der Vermutung, dass Lok einen Vorstand hat, der die Mehrheit der mitgliederversammlungswilligen Mitglieder inhaltlich nicht repräsentiert. Was einem Mitgliederverein wie Lok insgesamt nicht gut tun kann. Es ist erstaunlich, dass es die Anti-Kubald-Fraktion in den letzten Wochen nicht geschafft hat, einen oder mehrere eigene Kandidaten für den Vereinsvorstand aufzustellen, sodass genau genommen personell alles so weiter geht wie bisher.

Von daher wird sich erst noch zeigen müssen, inwiefern der Neustart durch die Mitgliederversammlung tatsächlich ein Klima schafft, das Aufbruch bedeutet oder ob der Riss zwischen Vereinsbasis und -führung weiter bestehen bleibt. Die Mitgliederversammlung hat in einer basisdemokratischen Lektion gezeigt, dass ein Verein wie Lok nicht gegen seine Mitglieder zu führen ist. Sie hat aber auch gezeigt, dass die, die die schärfste Kritik an der Vereinsführung übten, nicht die sind, die die Verantwortung im führenden Gremium des Vereins übernehmen wollen.

Die neue (größtenteils alte) Vereinsführung wird mit der kritischen Basis leben und arbeiten müssen. Inwiefern ihr das gelingt und inwiefern der Verein Lok wieder eine produktive Einheit wird und das zweifellos große strukturell-sportliche Potenzial ausschöpft, ist meiner Meinung nach eine offene Frage. Hat der Verein mittelfristig (Notzon hat den Regionalligaaufstieg als Ziel für die nächste Saison ausgegeben) sportlichen Erfolg dürfte das eventuelle Risse innerhalb des Vereins überdecken. Bei Misserfolg könnte der Unmut über die Vereinsführung schneller wieder ausbrechen als gedacht. Ob sich dann noch mal ein Geldgeber wie der Goldgas-Chef zur professionellen Übernahme der Geschäfte bereit erklärt, wage ich zu bezweifeln. Mit dem Derby-Sieg weist die sportliche Entwicklung bei Lok zumindest kurzfristig schon mal in die richtige Richtung. Es war vor der Mitgliederversammlung spannend bei Lok und es bleibt auch danach spannend bei. Ist doch auch schön.

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11 Gedanken zu „Absolut unkooperativ“

  1. „307 Nein-Stimmen vs. 89 Ja-Stimmen und 26 Enthaltungen sind weit davon entfernt ein enges Wahlergebnis zu sein. Andererseits haben nur 422 der offiziell 546 anwesenden Mitglieder überhaupt an der Abstimmung teilgenommen und mit 307 Personen stimmten immer noch weniger Vereinsmitglieder gegen die Kooperation, als Vereinsmitglieder für die Wahl der engsten und als äußerst unbeliebt geltenden Kubald-Vertrauten und Finanzchefin Katrin Pahlhorn in den Vereinsvorstand stimmten. “

    Sorry, aber das ist der Klassiker beim Fehlinterpretieren von Zahlen. Die MV haben aus verschiedenen Gründen Mitglieder vorher verlassen, z.B. die 1. Herrenmannschaft noch vor der Wahl des neuen Vorstandes, die Damenabteilung direkt vor dem RB TOP. Der RB TOP wurde auf Antrag an das Ende der MV gelegt. Man könnte die Ergebnisse auch aus dem Blickwinkel betrachten „72% gegen RB aber nur 62% für die Schatzmeisterin“. Wäre aber genauso falsch, da verzerrt.
    Ansonsten bliebe noch zu erwähnen, das der Aufsichtsrat fast komplett ausgetauscht wurde und m.E. hochkarätig besetzt ist.
    PS: Wie ist eigentlich das Abstimmungsverhalten bei Mitgliederversammlungen von Rasenballsport? 😉
    PPS: Danke für die Previewfunktion.

  2. Man kann genauso sagen, dass ca. 70 % der Mitglieder sich nicht dafür interessieren, ob die Kop zustande kommt, da sie, aus welchen Gründen auch immer nicht an der Abstimmung teilgenommen haben. Reges Vereinsleben, gerade in Anbetracht der wegweisenden Entscheidungen, sieht jedenfalls anders aus als 33% Teilnehmerquote. Da sind bei RB dann wahrscheinlich höhere Prozentzahlen am Werke. 😉

    Warum haben denn die Abteilungen nicht teilgenommen? Usus? Immerhin haben sie m.E. einen besseren Einblick in die Auswirkungen einer solchen Zusammenarbeit als der durchschnittliche stimmberechtigte Fan.

    Letztlich gilt es natürlich die Abstimmung zu respektieren, was sicher so auch praktiziert werden wird. Die Frage für RB ist eher: ändert dies wirklich etwas? Ich glaube nicht. Spieler die vorher nicht zu RB wollten, wären auch vorher nicht gewechselt. Spieler die es wollten, wären mit oder ohne Koop gewechselt. Ggf. wäre im letztgenannten Fall sogar im beiderseitigen Einvernehmen eher ein Riegel vorgeschoben worden (Pluspunkt). Auch die gegenseitige Hospitation fällt nun flach, wobei die Auswirkungen da für Außenstehende eh schwer zu fassen sind. Vom Geld ganz zu schweigen, denn es ist nicht sicher, ob jedes Jahr die 10.000 erbracht werden können.

    Ich denke RB wird nun einen anderen Weg beschreiten (den man ggf. auch so gegangen wäre), nämlich unterhalb der Lokjugend anzusetzen. Sprich man tritt an die Vereine heran, die im Kleinfeldbereich früher eher an den FCS und Lok ihre Spieler abgetreten haben. Ob das nun Umlandvereine wie ESV, SSV oder Borna sind oder die großen Leipziger Vereine (Spieleranzahl) wie Lok Engelsdorf, sei dahingestellt. Zudem wird im Großfeldbereich auch überregional der Zulauf zunehmen. Sieht man ja bereits jetzt an den aktuellen Gerüchten um die Dynamospieler bzw. auch schon an den Zugängen des Sommers.

    Lok hätte die Möglichkeit gehabt, durch eine Koop an diesem größeren Pool zu partizipieren. Das wollten sie nicht und nun wird man sehen, ob dies langfristig für die Jugendmannschaften so eine gute Entscheidung war. Bereits jetzt stehen die Großfeldmannschaften ziemlich weit unten in der Tabelle: der B droht der fast sichere Abstieg, die C hat vier Punkte auf den CFC und den Abstieg (dem Vernehmen nach sollen ja die beiden schlechtesten sächs. Mannschaften absteigen) und die A auch nur 1 Punkt vor dem Abstiegsplatz. Selbst wenn der Supergau diese Saison nicht wahrscheinlich ist, so dürfte es beim aktuellen Stand der Dinge immer schwerer werden die Klasse zu halten. Gerade diese Umstände dürften die Befürworter der Koop, die sich ja auch laut Lokforum nicht selten aus dem Umfeld der Jugendtrainer rekrutierten, im Auge gehabt haben.

    1. „Reges Vereinsleben, gerade in Anbetracht der wegweisenden Entscheidungen, sieht jedenfalls anders aus als 33% Teilnehmerquote.“

      Ähm mal zum Vergleich, der HSV hat irgendwas um die 60000 – 70000 Mitglieder, und zu den Mitgliederversammlungen kommen dann 3000.

      „Warum haben denn die Abteilungen nicht teilgenommen? Usus? Immerhin haben sie m.E. einen besseren Einblick in die Auswirkungen einer solchen Zusammenarbeit als der durchschnittliche stimmberechtigte Fan.“

      Die 1. Herren dürfte sich angesichts des wichtigen Spieles einen Tag später nicht unerfreut gezeigt haben den stickigen Raum früher zu verlassen, den Frauen dürfte die Thematik RB ziemlich egal sein. Überdies sind in der Regel die aktiven Mitglieder (= Spieler) nicht so lang im Verein als der gemeine Fan. Insofern find ich das nicht tragisch, warum soll z.B. ein Spieler der in einem halben Jahr wechselt an Grundsatzentscheidungen interessiert sein?

      „Ich denke RB wird nun einen anderen Weg beschreiten (den man ggf. auch so gegangen wäre), nämlich unterhalb der Lokjugend anzusetzen. Sprich man tritt an die Vereine heran, die im Kleinfeldbereich früher eher an den FCS und Lok ihre Spieler abgetreten haben.“

      Dazu müsste RB erstmal eine E Jugend / Bambinimannschaft aufbauen.

  3. Warum soll ein Fan an einer Koop der Jugendabteilung interessiert sein, obwohl er noch nie ein Spiel einer Jugendmannschaft besucht hat (300 dürfte weit über dem Schnitt der Besuchszahlen liegen)?

    Die Angesprochenen Jugendteams werden wohl kommen, muss man nur mal beim RBS vorbeischauen. Zumal bei weitem nicht alle D2 Top-D2 Jugendspieler schon bei Lok oder FCS sind, viele gingen auch erst in dieser Altersklasse zu den ehemaligen Topteams. Sieht mkan ja auch an der aktuellen D2 von RB wo 10 von 16 Spielern nicht von FCS oder FCL kommen. Andere möglichkeit wäre, dass man den Spielern bei ihren Vereinen via Koop aufzeigt, dass sie am besten bis zur D2 dort bleiben. Haben ja auch die angesprochenen Vereien etwas davon.

    Warum sollte ein Verein wie der HSV der Maßstab des FCL sein (allein der Anteil der überregionalen Fans dürfte höher sein, zudem dürfte durchschnittlich nicht so wegweisend wie im aktuellen Fall entschieden werden). Klar ist die Beteiligung nicht so schlecht, aber sie ist geringer als bei einer durchschnittlichen Wahl.

    1. „Klar ist die Beteiligung nicht so schlecht, aber sie ist geringer als bei einer durchschnittlichen Wahl.“
      Ketzerisch gefragt: Bei welchen Fussballvereinen ist denn eine MV prozentual besser besucht? Also sagen wir Fussballvereine mit mind. 500 stimmberechtigten Mitgliedern, das Beispiel RB mit 100% Quote bei 7 Mitgliedern lasse ich nicht gelten 😉

  4. @interpreter: Den Aufsichtsrat hatte ich bewusst weggelassen, weil ich nicht wirklich weiß, wofür die Beteiligten stehen. Kann natürlich sein, dass der Aufsichtsrat die neue Vereinsseele wird, aber das klingt dann auch nicht grad nach harmonischem Miteinander mit dem Vorstand. Muss es natürlich auch nicht, denn dazu ist der Aufsichtsrat als Kontrollgremium ja auch nicht unbedingt da. Ansonsten teile ich Deine Meinung, dass man Zahlen in ihrer Interpretation je nach Sicht auch ganz schön ziehen und zerren kann. Ich bin trotzdem auch ein bissel beim Rumpelstilzchen und dessen Anmerkung, dass die Abwesenheit von mehr als 100 Vereinsmitglieder bei der Kooperationsabstimmung (gegenüber der Vorstandswahl) dafür spricht, dass die Gegnerschaft zur Koop nicht allenthalben im Lok-Verein eine überragend-emotionale Herzensangelegenheit ist.

    Und zur Previewfunktion: Bitte.

    1. Den AR hatte ich in’s Spiel gebracht, da dieser bisher eklatant versagt hatte. Er kann zwar nicht in das operative Geschäft eingreifen, aber die bisherigen Jahresberichte liessen bis jetzt kaum kritische Töne vermelden, inbesondere wurde kein Tacheles geredet. Ich denke mal das dies jetzt nicht mehr möglich ist.
      Zu den 100 fehlenden Stimmen: die MV zog sich immerhin bis 17:00 Uhr, ausserdem vergleichen wir hier wieder unvollständige Daten: Vorstandswahl wird nur mit Ja Stimmen angegeben, RB TOP detailliert. Laut Interpretation der Satzung durch den Versammlungsleiter werden Enthaltungen nicht mitgezählt, gehen natürlich trotzdem in die Gesamtstimmenanzahl ein.
      Es könnte ja durchaus sein das die Schatzmeisterwahl überproportional mehr Enthaltungen hatte als der RB TOP. In dem Falle könnte man argumentieren das die Leute welche sich bei der Vorstandswahl enthalten haben beim RB TOP abstimmen wollten, die unentschiedene RB TOP Fraktion konnte (da letzter TOP) die MV schon eher verlassen und sich einen schönen Nachmittag machen. Dazu wie gesagt Spieler(innen) und der ein oder andere wird seiner Familie versprochen haben, sie spätestens um 4 aus der Therme bzw. PC abzuholen.

  5. Nette Analyse. Ich bin auch sehr gespannt, wie es mit der Loksche weitergeht.

    Auf sportlicher Ebene könnte der Derbysieg psychologisch recht wertvoll sein. Nun darf es im Heimspiel gegen Auerbach nur nicht so ausgehen wie in der letzten Saison (0:3, „Auerbach entführte heute verdient drei Punkte aus Probstheida. Die Lok-Elf konnte den positiven Trend aus dem Pokalspiel gegen Drittligist Aue und die überzeugende erste Halbzeit am Mittwoch bei Dynamo Dresden II nicht fortsetzen.“). So wie ich das mitbekommen habe, wurde Lok in der Vorrunde häufig unter Wert geschlagen und dürfte eigentlich nicht so tief unten drin stecken. Wenn einige der Neuverpflichtungen einschlagen und Lok etwas weniger Verletzungspech hat, dann sollte da in Sachen Abstiegskampf nichts schiefgehen.

    Was die wirtschaftliche Seite angeht, so könnte man als Fünftligist auf der Präsidenten-Positionen mit dem Chef eines umsatzstarken Unternehmens wohl kaum besser besetzt sein. Ich hoffe nur, der „5 Aufstiege in 7 Jahren“-Fauxpas von Notzon war kein Wink, wie es um seine Kenntnisse um Lok bestellt ist. 🙂
    Aber auch ohne Notzon scheint Lok ja schon sehr solide gewirtschaftet zu haben.

    Naja, und nachdem Kubald nun weg ist von der Spitze und die Kooperation mit RB kein Thema mehr ist, sollte es auch etwas ruhiger werden im Verein und man kann sich dann vielleicht auch mal wieder verstärkt auf sich selbst konzentrieren.

    Mittelfristig dürfte es aus Sicht von Lok nur problematisch werden, wenn irgendwann der notwendige qualitativ hochwertige Nachwuchs wegbricht.

  6. @René: Das mit dem Nachwuchs halte ich für ein wenig überbewertet. Die Nachwuchsarbeit bei Lok hat den Verein in den letzten Jahren nicht wirklich essenziell weiter gebracht. Und ich würde behaupten, dass man bis Liga 3 (also definitiv für ziemlich viele der nächsten Jahre) ohne größere Nachwuchsarbeit gut hinkommt. Irgendwo geisterte ja mal die Idee rum, dass sich Lok die intensive Nachwuchsarbeit einfach sparen (keine Ahnung, ob das finanziell was bringen würde, Jugendmannschaften muss man ja trotzdem in den Spielbetrieb schicken) und das Geld stattdessen in die 1.Männermannschaft stecken sollte. Ich würde vermuten, dass der Verein damit auch ok laufen/ Erfolg haben könnte. Zumindest nicht weniger als mit aufwändiger Nachwuchsabteilung. Was das für die Vereinsidentität bedeuten würde, steht wiederum auf einem anderen Blatt.

    1. Ein kurzer Rückblick: 2003/2004 konnte LOK nur unter grössten Anstrengungen die Jugendabteilung retten. Die (VfB) MV hatte für den Fall der VfB Insolvenz den Übertritt zum neugründeteten 1. FC Lokomotive e.V. beschlossen. Daraufhin wechselten Schlieder und Zempel zum FCS mit Tschense wurde das Millionengrab „Leistungszentrum FCS“ beschlossen. Lok sollte nur noch Breitensportverein sein, in Elternabenden wurde Druck auf Spieler und Eltern ausgeübt doch bitte zu wechseln. Der DFB wurde angestachelt das Spielrecht der VfB A-Jugend zum Leistungszentrum zu übertragen und zeigte vorsichtig positive Signale, jedenfalls wäre die Bundesliga Lizenz nicht zu Lok übertragen worden. Unter anderem durch diesen Trubel stieg die A Jugend ab (der NOFV stimmte der Spielrechtsübertragung zu, FCS und Lok waren eh in der gleichen Klasse (Regionalliga). Unzählige Spieler aller Altersklassen wechselten gegenseitig, von der Qualität her blutete Lok freilich aus. Trotzdem brachte man z.B. einen Kevin Scheidhauer hervor.
      Nebenbei: Zur Finanzierung des Etats des neugegründeten FC Lok im ersten Spieljahr war eine Jugendkooperation mit Aue angedacht, diese hätte 100000 EUR jährlich gebracht, Tenor: Kooperation auf Augenhöhe und vor allen nicht mit jedem (in dem Fall Stadt und FCS). Ich denke die Zahl ist interessant.
      2006/2007 wollte der FCS seine Frauenabteilung loswerden. Man hatte zwar eine gute Jugend, die Frauenmannschaft aber in der letzten Liga, Lok dagegen 2. Bundesliga. Also wieder ein Fussballbeschluss „Leistungszentrum“, diesmal per SFV, diesmal sollte Lok gleich die komplette Abteilung abgeben. Als dies die Lok MV verhinderte gründete man halt den LFC, um das Ziel 1. Frauenbundesliga innerhalb weniger Jahre zu stemmen. Der nächste Traum vom DFB Stützpunkt. Wieder eine grosse Fluktuation unter den Spielern.
      Gerüchte das Berufungen in die jeweiligen Landesauswahlen, selbst bei besserer Eignung von Lok-Spielern (m/w), zugunsten der jeweiligen Leistungszentren erfolg(t)en entbehren natürlich jeglicher Grundlage.

      Das FCS Leistungszentrum geriet mangels Liquidität in die Krise. Irgendwie war es nicht gelungen den Stadtrat zur weiteren Finanzierung zu bewegen. Die FCS Bosse hatten auch ganz viel vergessen schriftlich zu fixieren.

      Der LFC hatte wohl auch Probleme mit dem Betriebswirtschaftlichen Denken. Trotz möglichem Aufstieg in die 2. Frauenbundesliga konnte man keine Lizenz beantragen, das Leistungszentrum wechselt zu Lok.

      Hätte alles so schön für Lok sein können, dummerweise kommt RB in die Quere und verspricht das Fussballwunder. Wieder wird ein mächtig gewaltiger Plan präsentiert. Eigentlich heisst der nur noch mehr Kohle, Know How, Connections. Schnell noch eine Fläche am Cottaweg auf dem Stadtplan ausschraffiert. Ein paar Bäume fällen (nebenbei: warum hat es ausgerechnet der FCS nie geschafft mal einen angedachten Parkplatz im Auwald zu bauen, warum schafft es RB nicht die 3 Ausbaustufen mit einer Super 3D Animation zu präsentieren) und der Rückbau des kürzlich sanierten Kleinmessegeländes zu Lasten der Stadt werden als Selbstverständnis des Leipziger Fussballs hingenommen. Gerüchtehalber müssen auch bei einem Scheitern von RB die in das Gelände investierten Millionen prozentual zurückgezahlt werden. Das alles nur um ein Leistungszentrum zu etablieren – die nötigen Spieler werden vo(r)m FCS „gerettet“. Natürlich ohne Hilfe von Stadt und Verbänden.

      Jetzt ist es doch etwas länger geworden, aber beim Punkt Vereinsidentiät machte es einfach klack. Ich bin übrigens einer von den paar Enthaltern die geblieben sind und das auch angekreuzt haben. Die Ablehner haben aber mein vollstes Verständnis, die 2 Reden gegen die Koop waren sehr gut, leider sieht man das in den veröffentlichten Videos nicht.
      Kurzum: Macht mal euer Ding, mal sehen ob sich Geschichte wiederholt 🙂

  7. Das mit dem Nachwuchs war vielleicht unglücklich formuliert. Ich meinte damit vor allem, dass Lok in Zukunft auf guten Nachwuchs angewiesen sein dürfte.
    Für die erste Hälfte der jüngeren Lok-Vereinsgeschichte hat ja fast das ausgereicht, was man zu Beginn zusammengecastet hatte. Spieler wie Kunert, Knoof, Evers und – selbstverständlich – Heusel nehmen noch heute einen wichtigen Platz in der Mannschaft ein und sind nun auch schon teilweise seit dem Aufstieg in die Landesliga dabei, Heusel von Beginn an. Dazu kamen Rückkehrer wie Jülich, die eigentlich noch höher als Oberliga spielen könnten, hier aber ihre Karriere ausklingen lassen wollten. Heißt also, dass Lok die ersten vier, fünf Jahre vor allem von seinem Namen, einer gewissen Euphorie gelebt hat und dem großen Pool an Spielern, die schon in den untersten Klassen einige Ligen höher spielen konnten (Heusel ist ja sowieso ein Phänomen; in der Landesliga schien das Maximum für ihn erreicht, in der Oberliga setzt er sich dann plötzlich wieder durch).

    Das alles reicht nun aber nicht mehr, um voranzukommen. Die Euphorie war mit dem Ende der Ära Lisiewicz verflogen, die Spieler aus Anfangszeiten haben ihr Limit erreicht und allein wegen des Namens Lok Leipzig wechselt auch kaum mehr jemand hierher (wobei Görke, Backhaus schon Namen sind, die sicher nicht zu jedem Fünftligisten gewechselt wären).

    Aber als sich vor der Saison Starke, Köllner, Jülich, Kind, Engler, Schreiber verabschiedet haben und der größte hoffnungsvolle Neuzugang schon fast ein Spieler aus der Landesliga war (Kieback), hat man denke ich gesehen, dass Lok nicht die Finanzen hat, sich „in die Regionalliga zu kaufen“. Von daher wäre jetzt eigentlich der Zeitpunkt gekommen, wo es der eigene Nachwuchs richten muss, in den man ja verdammt viel investiert hat (siehe dann auch das „Grüne Band“ für die Talentförderung). Wenn der dann aber lieber zu RB wechselt oder gleich gar nicht mehr zu Lok kommt… dann frage ich mich schon, wo dann die Spieler herkommen sollen, die Lok voranbringen.

    Zusammengefasst: Der Nachwuchs war für die erste Mannschaft bislang sicher nicht von überragender Bedeutung, müsste es aber eigentlich in Zukunft sein, weil auf anderen Feldern das Maximum erreicht wurde.

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