Top 11

Und weiter geht es mit gut gemeinten Winterpausenstatistiken. Heute ist der Ausgangspunkt eine Analyse Dietmar Beiersdorfers:

Wir haben 10 Spieler behalten und 14 Spieler dazu bekommen. Das ist natürlich schwer, da eine Mannschaft zu finden. Im Gegensatz zu unserem größten Konkurrenten Chemnitz. Die haben eine eingespielte Mannschaft seit ein, zwei Jahren und relativ wenige Veränderungen. (Dietmar Beiersdorfer, Head of Global Soccer Red Bull bei MDR Info am 07.01.2011)

Ok, dann bauen wir also mal eine besondere Tabelle. Man nehme die Einsatzzeiten der 11 meisteingesetzten Spieler jedes Regionalliga-Vereins und addiere diese. Danach setze man die erhaltene Zahl ins Verhältnis zur maximal möglichen Einsatzzeit für 11 Spieler in allen Vorrundenpartien. Beispiel: Chemnitz hat bis zur Winterpause 17 Spiele absolviert. In diesen 17 Spielen liefen die Top 11 insgesamt 14371 Minuten auf. Im Optimalfall (11 Spieler in 17 Spielen je 90 Minuten) hätten sie 16830 Minuten auflaufen können. Heißt: Die Top 11 hat 85% der potenziell möglichen Einsatzzeiten absolviert. Hier dann die entsprechende Tabelle (in Klammern jeweils die Anzahl der Spiele, die die Vereine bestritten haben und die Anzahl der Minuten die die Top 11 auf dem Platz standen):

  • Chemnitzer FC: 85,4% (17 Spiele, 14371 Minuten)
  • VfB Lübeck: 84,1% (16 Spiele, 13322 Minuten)
  • VFC Plauen: 83,9% (15 Spiele, 12457 Minuten)
  • Hallescher FC: 82,4% (16 Spiele, 13059 Minuten)
  • VfL Wolfsburg II: 76,9% (17 Spiele, 12938 Minuten)
  • RB Leipzig: 76,9% (16 Spiele, 12174 Minuten)
  • 1.FC Magdeburg: 76,9% (16 Spiele, 12178 Minuten)
  • Holstein Kiel: 76,6% (16 Spiele, 12130 Minuten)
  • ZFC Meuselwitz: 76,3% (15 Spiele, 11327 Minuten)
  • FC Oberneuland: 76,3% (17 Spiele, 12840 Minuten)
  • TSV Havelse: 75,3% (16 Spiele, 11923 Minuten)
  • SV Wilhelmshaven: 75,2% (17 Spiele, 12654 Minuten)
  • Hamburger SV II: 75,0% (16 Spiele, 11887 Minuten)
  • Energie Cottbus II: 73,5% (15 Spiele, 10919 Minuten)
  • Türkiyemspor Berlin: 72,9% (16 Spiele, 11542 Minuten)
  • Hannover96 II: 72,6% (16 Spiele, 11497 Minuten)
  • Eintracht Braunschweig II: 71,1% (16 Spiele, 11268 Minuten)
  • Hertha BSC II: 69,2% (15 Spiele, 10280 Minuten)

Mal von unten gelesen. Dass die zweiten Mannschaften, die ja als Ausbildungsclubs fungieren, eine recht hohe Fluktuation haben, überrascht nicht. Krisenclub Türkiyemspor überrascht auch nicht. Wilhemlshaven, Havelse, Oberneuland und Meuselwitz bilden als (imagetechnisch) Vorzeigeregionalligaclubs das Mittelfeld. Direkt darüber wird es schon interessant, denn dort sammeln sich mit den RasenBallsportlern, Magdeburg und Kiel die negativen Überraschungen, wobei die Zahlen bei RB Leipzig noch dadurch geschönt werden, dass sie neben der Hertha das einzige Team sind, das auf 3 Spieler verweisen kann, die in der Hinrunde keine Minute verpasst haben. Wolfsburgs U23 weist gerade im Vergleich zu den anderen zweiten Mannschaften ein recht hohes Maß an eingespielter Stammelf auf. Halle hat eine recht feste erste Mannschaft, die sogar noch eingespielter wäre, hätte sich Steve Finke nicht nach Spieltag 10 verletzt.

Das Podium: auf Platz 3 der VFC Plauen, der auch im dritten Regionalligajahr nicht zu den Absteigern gehören wird. Auf Platz 2 der VfB Lübeck, der mit einer sehr jungen, sehr eingespielten Mannschaft eine sehr überraschende Platzierung einfahren konnte und derzeit erster Verfolger des Chemnitzer FC ist. Was sowohl für die reguläre Tabelle, als auch für die Tabelle der Top 11 hier gilt. Womit wir beim 1.Platz und beim Chemnitzer FC sind, dessen ganz großes Plus eine eingespielte, feste Stammelf ist. Kaum Experimente, klare Spielstrukturen und Spielabsprachen, ausgeführt von individueller Klasse, das führt zu einem klaren Spitzenplatz und ist Folge der von Beiersdorfer angesprochenen zwei, drei Jahre Aufbauarbeit.

Das bisher irrelevante, potenzielle Problem der Chemnitzer ist, dass der Kader hinter der eingespielten Stammelf kaum hochwertige Alternativen bietet. Sollten also der Mannschaft durch Verletzungen oder Sperren mal längerfristig zwei, drei Leute wegbrechen, dann könnte das bei den Himmelblauen zum Problem werden. Könnte der Moment sein, in dem sich der breite Kader bei RB Leipzig doch noch auszahlt. Bisher führt der breite Kader dazu, dass der Trainer permanent am Experimentieren und Rotieren ist, was u.a. eher zu instabilen Leistungen beiträgt.

Fazit: Beim Chemnitzer FC steht die Top 11 im Schnitt 77 Minuten pro Spiel auf dem Platz, bei RasenBallsport Leipzig sind es 69 Minuten. Die immer noch nicht gefundene Stammformation ist mithin und hier sind die Zahlen ganz bei Dietmar Beiersdorfer ein wichtiger Baustein bei der Erklärung der enttäuschenden Hinserie bei den RasenBallsportlern.

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Ein Gedanke zu „Top 11“

  1. Mensch, Du scheinst Dich mit Statistik ja echt gut auszukennen. Kann ich Dich mal bei ner Hausarbeit anfragen? 😉 Wenn ich in der Statistik-Vorlesung Wilcoxon oder Kolmogorow höre, fang ich immer erstmal zu überlegen an, ob die mal in der Bundesliga gespielt haben…

    Spannende Zahlen, die bestätigen, was man eigentlich schon vor der Saison gemutmaßt hat. Irgendwie stört mich die Beiersdorf-Aussage aber. Das wirkt wie eine Entschuldigung, nach dem Motto: „Wir können ja nicht besser dastehen, weil wir keine eingespielte Mannschaft haben.“

    Ach? Echt? Dann hättet Ihr doch an der Aufstiegself festgehalten und Euch nur punktuell verstärkt. Wer hat RBL den gezwungen, so viele neue Leute zu kaufen? Die Strategie war doch ganz klar, frisches Blut und Spieler mit (vermeintlicher) Drittliga-Klasse zu kaufen, den Wirbel im Team in Kauf zu nehmen und darauf zu setzen, dass das investierte Geld sich schon in Toren zeigen wird. Das lief bisher nicht so wie geplant. Da hätte ich mir zumindest von Beiersdorfer einen differenzierteren, vielleicht auch selbstkritischeren, Blick gewünscht.

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