Mehr Schatten als Licht

Da das Weihnachtsfest unerbittlich nährer rückt, wird es nun wohl endgültig Zeit für eine kleine Halbserienbilanz. Dass ich mir das lange Warten auch hätte sparen und gleich nach dem Chemnitz-Spiel meine da noch frischen Gedanken aufs virtuelle Papier bringen können, konnte vor drei Wochen ja noch keiner so recht ahnen. Und zugegebenermaßen fällt es schwerer eine Bilanz zu ziehen, die vornehmlich aus Baustellen besteht, als eine sportlich erfolgreiche Hinserie blumig zu beschreiben. Vielleicht sollte ich für einen Tag Chemnitzblogger werden? Ach nein, so dann auch nicht.

Großartig (oder weniger großartig, je nachdem) an so einem Blog ist, dass man jederzeit frühere Prognosen nachvollziehen kann.

Man kann es drehen und wenden, wie man will. Alles andere als der Aufstieg in die dritte Liga (…) wäre für den Verein sicherlich eine Enttäuschung. Das bedeutet aber keineswegs, dass man den ungefährdeten Durchmarsch erwarten muss, denn vor allem mit Chemnitz, aber auch mit Halle, Kiel, Magdeburg, Lübeck und einigen zweiten Mannschaften ist die Konkurrenz eine harte. Dazu kommt, dass es für jeden Verein eine besondere Freude sein dürfte, den RasenBallsportlern ein Bein zu stellen. Von daher hat jedes Spiel Pokalcharakter, eine Situation mit der die Spieler von RB Leipzig auch erst einmal fertig werden müssen. Zwei, drei Niederlagen am Stück und der Druck auf das Team dürfte – zusammen mit der Schadenfreude – riesig sein. (…) RasenBallsport Leipzig hat in der Vorbereitung der Saison Entscheidungen getroffen, die sportlich vernünftig erscheinen, nun muss sich beweisen, wie das ganze auf dem Platz funktioniert. (Leipziger Fußball 2010/2011, 05.08.2010)

Vielleicht wäre die passende Antwort so: Man kann es drehen und wenden, wie man will. Alles andere als ein weiteres Jahr in der Regionalliga wäre nach dieser Hinserie eine Sensation. Was auch heißt, dass die sportlich vernünftig erscheinden Entscheidungen vor der Saison sich nicht als so tragfähig erwiesen haben wie man sich das erhoffen konnte. 12 Punkte Rückstand hat RasenBallsport Leipzig derzeit auf den Tabellenführer Chemnitzer FC bei einem Spiel weniger. Im Optimalfall bleiben 9 Punkte übrig, wenn man spielplantechnisch wieder im Lot ist. Das ist bereits ein ordentlicher Rückstand, bedenkt man die Tatsache, dass die Regionalliga Nord eben keine Liga ist, in der jeder jedem Punkte abnehmen kann. Sowohl der Chemnitzer FC als auch der RB Leipzig haben sich gerade gegen die untere Tabellenhälfte kaum eine Blöße gegeben. Bleiben nicht mehr so viele Spiele, in denen die Chemnitzer noch 9 Punkte mehr abgeben könnten als die RasenBallsportler, zumal letztere auch nicht alle noch offenen 18 Spiele gewinnen werden. Und zumal es mit dem Überraschungsteam der Hinserie, dem VfB Lübeck und der U23 aus Wolfsburg auch noch ernsthafte Konkurrenten gibt, die derzeit auch noch vor RB Leipzig platziert sind.

Rang 4 also nach Ablauf der Hinserie. Eine Enttäuschung, sicherlich. Der Höhenflug der Chemnitzer kam für mich nicht überraschend (höchstens in seiner beeindruckenden Konstanz). Dass die RasenBallsportler da nie Anschluss halten konnten, verdient schon viel eher die Beschreibung ‚überraschend‘. Vor allem, weil es eigentlich immer wieder Momente gab, in denen man dachte, jetzt sei der Knoten geplatzt. Doch immer wenn man dachte, dass es einen Schritt nach vorn gegangen sei, ging es auch wieder einen Schritt zurück. Sicherlich, wenn man die ersten drei Spiele nicht Unentschieden spielt, sondern gewinnt, sieht die Situation ganz anders aus und die Zwischenbilanz fiele ok aus. Sicherlich würde das selbe gelten, hätte man gegen die Spitzenteam aus Chemnitz, Lübeck, Wolfsbug und Halle nicht insgesamt nur 1(!) Tor geschossen und magere 3 Pünktchen geholt (auch wenn man bei der desaströsen Bilanz nicht vergessen darf, dass man in diesen 4 Spielen nur 2 Tore kassierte). Aber hätte, wenn und aber.

Bereits der Saisonauftakt verlief extrem holprig. 3 völlig verdiente bis glückliche (Braunschweig!) Unentschieden (außerdem noch gegen Türkiyemspor und Hannover) ließen sofort ein Loch nach oben entstehen und setzten das Team ordentlich unter Druck. Von diesem befreiten sich die RasenBallsportler durch ein hochemotionales Siegtor kurz vor Schluß bei Holstein Kiel, das ein wenig wie die Geburtsstunde des Regionalligisten RasenBallsport Leipzig wirkte. Wenn ich mich der freudig-befreiten RB-Gesichter nach dem Tor erinnere, kriege ich gleich wieder Lust auf Fußball. Was folgte waren gleich 4 Siege gegen Magedeburg, Hamburg, Wilhelmshaven und Oberneuland und das Gefühl, dass man ins Rollen gekommen sei. Eventuell auch bereits ein wenig Hochmut. Was folgte war ein Schweine-0:0 in Lübeck und ein vor allem in Hälfte 1 katastrophales 0:1 gegen Wolfsburg, ein Spiel, bei dem die Zuschauer zum ersten Mal den Halbzeitpfiff zu einem (berechtigten) Pfeiffkonzert nutzten. Anschließend folgten zwei überzeugende 2:0-Auftritte in Plauen und vor allem gegen Hertha, nach denen man dachte, dass man nun endgültig in der Regionalliga angekommen sei (und ein Timo Rost, der meinte, dass man in der Verfassung unschlagbar wäre). Was folgte war aber ein peinliches 1:3 beim schnellen Cottbuser Nachwuchs, das endgültig das Gefühl vermittelt, dass irgendetwas in der sportlichen Entwicklung nicht stimmt. Das 3:0 gegen Meuselwitz setzte dem zwar Zahlen entgegen, die aber nicht Folge einer überragenden Leistung waren, was sich dann auch gleich beim leblos-mauen 0:0 in Halle bestätigte. Abschluss der mit 16 Spielen unvollständigen Hinserie war das Gipfeltreffen gegen den Chemnitzer FC, bei dem man sich taktisch-kämpferisch überzeugend zu einem 1:1 rettete.

Jenseits der fehlenden Konstanz in den Spielergebnissen fällt auch die fehlende Konztanz in Bezug auf das sportliche Konzept auf. Während der Chemnitzer FC gleich 9 Spieler in seinen Reihen hat, die jeweils auf über 1.100 Spielminuten kommen, sind dies bei RasenBallsport Leipzig gerade mal 4 (vermutlich würde die Zahl auf 5 steigen, hätte RB nicht ein Spiel weniger bestritten) (Daten von transfermarkt.de). Während die Chemnitzer also über ein funktionierendes Korsett verfügen, hat sich dieses in Leipzig noch nicht gefunden. Ein schlechtes Spiel der Mannschaft war gleichbedeutend mit dem (gefühlten) Neubesetzen gleich mehrerer Positionen. Nach dem unterirdischen Spiel in Braunschweig durften sich mit Lewerenz, Baier und Kläsener gleich 3 Startspieler verabschieden. Baier tauchte 8 Spieltage später, also in Runde 10 wieder einmal auf dem Feld auf, Kläsener brauchte ’nur‘ bis Runde 6, während Lewerenz gleich im nächsten Spiel wieder zu einer Einwechslung kam. Die in Braunschweig eingewechselten Spieler Bick und Watzka standen wiederum an Spieltag 8 und 4 wieder einmal auf dem Feld. Danach war die personelle Zusammensetzung der Mannschaft bis zum Wolfsburg-Spiel relativ stabil. Watzka für Lewerenz oder andersherum. Laas statt Geißler oder Geißler statt Rosin oder Bick statt (rotgesperrtem) Rost, es schien ein wenig auf einen festen Kader hinzulaufen. Das änderte sich nach dem miesen Kick gegen Wolfsburg: Lewerenz, Laas und Ismaili (gelbgesperrt) beim Spiel in Plauen raus; Kammlott, Baier, Kläsener rein. Nachdem man in Plauen gewann und im nächsten Spiel gegen Hertha lediglich Ismaili zurück ins Team kehrte und dort Ingo Hertzsch ersetzte, keimt wieder das Gefühl auf, dass nun ein Korsett gefunden sei. Doch auch hier brach die Niederlage in Cottbus, als zum ersten Mal die selben 11 Spieler zwei Mal hintereinander am Anfang aufliefen, wieder mit der Konstanz. Ismaili, Baier, Geißler und Frahn wurden für das nächste Spiel aus der Startelf verbannt und gegen Meuselwitz durch Hertzsch, Lewerenz, Rosin und Watzka ersetzt. Folge war ein (nicht überzeugender) Sieg gegen Meuselwitz, der zur Folge hatte, dass wiederum alle 11 Starter auch im nächsten Spiel in Halle beginnen durften. Dem Gewürge dort folgten wiederum bis auf die taktisch bedingte Herausnahme von Lewerenz und den verletzungsbedingten Ausfall von Hertzsch keine Veränderungen für das folgende Spiel. Vielleicht ist es etwas übertrieben, aber mir scheint aufzufallen, dass man auf schlechte Ergebnisse (und weniger auf schlechte Spiele) mit relativer Hektik bei der Mannschaftsaufstellung reagiert, was eher zeigt, dass man von einem stringenten Konzept, das auch Konstanz beinhaltet, weit entfernt ist.

Neben den einzelnen Spielern war auch in Bezug auf das Spielsystem keine Konstanz zu verspüren. Man begann mit einem 4-4-2 mit Doppelsechs, das stellenweise als Raute interpretiert wurde (mit Geißler oder Baier als offensiverem Mittelfeldpart). Nach dem Braunschweig-Spiel versuchte man sich in einem eigentlich ganz ansehnlichen 4-3-3 (interpretiert in der defensiveren Variation als 4-2-1-3). Da auch dies nicht zum Sieg führte, stellte man wieder auf ein 4-4-2 zurück, diesmal in der Abräumer-Variante mit Rost (bzw. nach dessen Sperre Bick) und Rosin als Doppel-Sechs, also Spieler, die diese Rolle nicht unbedingt schnell und offensiv interpretieren. Dies hielt immerhin 6 Spiele lang und wurde nach dem Unentschieden in Lübeck für das Wolfsburg Spiel auch nur insofern geändert, als dass nun Geißler die etwas offensiver zu interpretierende Rolle neben Rost spielen durfte. Die Folge der Niederlage gegen Wolfsburg war wiederum eine Systemumstellung zurück zum einmal erprobten 4-3-3, diesmal allerdings, wenn ich mich richtig erinnere, zumindest im Hertha-Heimspiel, das ich live sehen konnte eher als offensives 4-1-2-3 interpretiert. Rost als Abräumer und Geißler und vor allem Baier als Spielmacher, das sah zumindest gegen Hertha von seiner Idee her sehr, sehr gut aus, zumal so auch die Stärken der 3 hochklassigen Stürmer Kammlott, Frahn und Frommer (von denen im 4-4-2 immer einer draußen sitzen muss) am besten zum Tragen kommen. Naja, die Niederlage in Cottbus beendete dieses Experiment und führte wieder zurück zum 4-4-2 mit Doppel-Sechs, gegen Meuselwitz offensiv fast schon als 4-2-4 gespielt, dummerweise fast ausschließlich mit Spielern in der 4-2, die nicht für gezieltes Aufbauspiel stehen und deswegen nicht in der Lage waren, die Bälle zur -4 vorne zu befördern. Da das Ergebnis trotzdem stimmte, durfte sich das (eher destruktiv besetzte) System in Halle und gegen Chemnitz noch mal beweisen. Auch in Bezug auf die Taktik scheint mir wie in Bezug auf die Einzelspieler mit übertriebener Hektik auf schlechte Ergebnisse (nicht auf Resultate) reagiert worden zu sein, was auch hier nahe legt, dass ein stringentes, auf Konstanz ausgerichtetes Konzept nicht vorliegt.

Doch die konkrete taktische Formation mag erst mal gar nicht so wichtig sein bzw. sich auch nach dem Gegner richten, viel zentraler ist dann schon die Frage, wie die Mannschaft die Systeme ausfüllt. Tomas Oral sagte irgendwo (es ist mir grad zu mühsam, das heraus zu recherchieren) mal sinngemäß, dass man nun 2 Systeme gut beherrsche. Aus meiner Sicht könnte man despektierlich auch sagen, dass die RasenBallsportler in der Lage sind, in verschiedenen Systemen nicht gut zu spielen. Ich war sehr lange ein Verfechter dessen, dass es aufwärts geht, dass man Ruhe bewahren muss, dass man Schritte gehen muss. Doch in Bezug auf die spieltaktische Entwicklung des Teams muss man leider zugeben, dass man über die 16 Regionalliga-Spiele hinweg keine besondere Entwicklung sehen konnte. Es mag Ausnahmen gegeben haben mit einem auch spieltaktisch guten Auftritt gegen die Hertha und einem passenden taktischen Konzept gegen Chemnitz, dagegen steht vor allem eine absolut nicht nachvollziehbare Mischung aus Einzelspielern und Taktik bspw. gegen Meuselwitz. Und was viel wichtiger ist: die Mannschaft scheint in keines der Systeme hineinzuwachsen. In keinem der Systeme konnte die Mannschaft Passsicherheit oder schnelles Spiel auf der Basis fester Laufwege entwickeln. Spiele wurden nicht wegen, sondern trotz einem passenden taktischen Korsett gewonnen. Die Punkte der Mannschaft resultierten vor allem aus individueller Klasse plus körperlicher Robustheit. Das reichte vor allem gegen die schwächeren Teams der Liga. Gegen die robusteren oder spielstärkeren Teams war man bei RasenBallsport Leipzig schnell mit dem Latein am Ende, eben weil man nicht auf ein eingespieltes Konzept an Spieltaktik und Einzelspielern zurückgreifen konnte.

Das alles führt natürlich direkt in den Verantwortungsbereich des Trainers. In eben jenen fallen auch die Degradierungen der Herren Bick, Ismaili und Lewerenz, die aus unterschiedlichen Gründen (?) und unterschiedlich lange (Bick für immer) in die 2.Mannschaft strafversetzt wurden. Ergibt zusammen mit einer in harten Zahlen und spieltaktischen Fakten unbefriedigenden sportlichen Situation ein schlechtes Zeugnis für Trainer Tomas Oral. Eine Ablösung des sportlich Verantwortlichen würde in dieser Situation zumindest nicht außergewöhnlich erscheinen. Und doch würde man es sich mit einem solchen Schritt viel zu einfach machen. Zuerst einmal und ganz grundsätzlich: Man entlässt keinen Trainer, für dessen Einstellung man gute und nachvollziehbare Gründe hatte nach einem halben Jahr. Zumindest nicht wegen einer sportlich durchwachsenen Bilanz. Eine Entlassung zum jetzigen Zeitpunkt könnte sich höchstens durch Interna rechtfertigen, also durch Fakten, die jenseits dessen liegen, was man auf dem Spielfeld Woche für Woche sehen kann.

Womit wir bei einem Punkt angelangt sind, den ich für einen wesentlich relevanteren halte, als sich zu fragen, ob der Trainer noch der Richtige ist. Auch in diesem Jahr zeigt sich, dass die sportliche Führung jenseits des Trainers nicht funktioniert und in der Nach-Sadlo-Ära auch noch nie funktioniert hat. Letztlich steht man bei Rasenballsport Leipzig vor dem selben Problem wie schon im letzten Jahr als man Tino Vogel hat ein Jahr lang (erfolgreich) wurschteln lassen, um ihm am Ende mitzuteilen, dass er mit seinen Qualitäten nicht zukunftsfähig ist. Wenn man davon ausgeht, dass sich Spieler entwickeln sollen, dann muss man auch davon ausgehen, dass sich Trainer entwickeln können. Dafür brauchen sie aber Strukturen, die nicht nur auf Beobachtung und Belohnung/ Bestrafung abzielen, sondern tatsächlich kommunikative Strukturen sind. Auch der Trainer braucht jemanden im Rücken, an der Seite, vor der Brust, mit dem er sich im Alltagsgeschäft entwickeln und aus Fehlern (spieltaktischen, in Bezug auf Führungsqualitäten, trainingstaktischen) lernen kann. Jemand, der nah am Team dran, ohne mit dem Team zu arbeiten, jemand der die Stimmungen im Klub und drumherum wahrnehmen und produktiv wenden kann, jemand der eventuell in taktischen Fragen auch mal dem Trainer beiseite steht, jemand der nicht zuletzt in Kaderfragen Ansprechpartner ist. RasenBallsport Leipzig braucht, egal auf welcher Position (Präsident, sportlicher Leiter, Chef-Scout a la Siegenthaler beim DFB) eine zusätzliche Kraft, die im Tagesgeschäft Fußball neben dem Trainer (eher als Partner, weniger als Chef) eine tragende, sportliche Rolle im Verein spielt. So etwas wie die Herren Gudel oder Felder, nur eben mit sportlicher Kompetenz und Zeit am Team dran zu bleiben. Dass Tomas Oral mit seinem Team nicht erfolgreich arbeitet, lässt sich nicht nur auf mangelnde Strukturen abwälzen, solche Strukturen würden aber einerseits helfen, dass man sich auch als Trainer entwickeln kann und man hätte dank solcher Strukturen auch Einblick in den Zustand der Mannschaft und wüsste so auch um richtige Momente für Veränderungen auf der Trainerposition. Dietmar Beiersdorfer ist als Fußballoberhaupt bei Red Bull zeitlich und organisatorisch überhaupt nicht in der Lage, den sportlichen Alltag bei RB Leipzig mit all seinen Facetten zu analysieren. Durch regelmäßige Telefonate plus gelegentliche Besuche dürfte man jedenfalls keine ausreichende empirische Basis für eine umfassende Bewertung der Situation haben. Genaugenommen bräuchte RasenBallsport Leipzig einen Präsidenten Beiersdorfer, der auch vor Ort agiert. Wenn er das nicht leisten kann, muss er Ersatz schaffen, schnellstens. Oder er wird Trainer und Spieler in sehr schnellen Abständen verschleißen müssen. Das wären wiederum keine guten Voraussetzungen für Wachstum und sportlichen Erfolg.

Fazit: Die Hinrunde war sportlich eher unterdurchschnittlich. Ein Desaster ist sie nur durch den extrem konstanten Chemnitzer Höhenflug geworden. Nun gilt es möglichst schnell die Situation aufzuarbeiten, zu gucken was funktioniert hat und was nicht und dann spätestens ab Mitte Januar nicht mehr zurück, sondern nur noch nach vorn zu gucken. Ich würde mich freuen Tomas Oral wiederzusehen, ich wünsche mir einen ernsten Blick auf die sportlichen Strukturen bei RB Leipzig jenseits des Trainers und ich hätte gern, dass man im Winter ohne umfangreiche Kaderspritzen auskommt. 2, 3 gezielte Verpflichtungen mit Perspektive: ja. Kaderverstärkung um jeden Preis: nein. Insgesamt bleibe ich dabei: Kader und Trainerposition sind nach menschlichem Ermessen sehr gut besetzt und ein halbes Jahr viel zu kurz, um alle Entscheidungen in Frage zu stellen. Ich fände es gut, wenn die Beteiligten (plus x) weiter an den berühmten Schritten nach vorn arbeiten dürfen.

Meine Tops und Flops der Hinserie (eine unsystematische Auswahl):

Top:

  • Die Zuschauerentwicklung. Selbst unter Abrechnung von Freikarten (die man ja auch erstmal benutzen muss) und Gästefans komme ich auf einen festen RB-Zuschauer-Fan-Schnitt von ca. 3500 Zuschauern. Was deutlich über dem erwarteten Schnitt liegt und für Leipziger Regionalliga-Verhältnisse ordentlich ist. Hier wird vor allem die Rückrunde spannend. Wenn der Weg nicht noch mal in die Reichweite der Tabellenspitze führt, dann könnte es recht trostlos werden in der Red Bull Arena.
  • Schön auch, wie das Publikum gegen Wilhelmshaven zum mitentscheidenden Faktor wurde. Auch das eine Situation, in der man das Gefühl hatte, dass da was hübsches entsteht. Überhaupt war das Publikum immer wohlwollend und begeisterungsfähig. Pfiffe während des Spiels waren weitestgehend Tabu. Das größte und in meiner Erinnerung einzige Pfeiffkonzert gab es in der Halbzeitpause des Wolfsburg-Spiels.
  • Daniel Frahn im Spiel gegen Wilhelmshaven: großartig und großartig. Der einzige Spieler von dem ich das in irgendeinem der gesehenen Spiele behaupten würde.
  • Die Mannschaftsleistung gegen Hertha: das sah phasenweise richtig nach Fußball aus und hat Lust gemacht auf viel mehr davon. Vielleicht ja in der Rückrunde.
  • Auf der offiziellen RB-Seite wird der Fußball der Hinrunde gesucht. Das fällt richtig schwer. Ich hab mich für Shaban Ismaili entschieden, der bis zu seiner Versetzung in die 2.Mannschaft der einzige Spieler war, der mich positiv überrascht hat und bei Licht und Schatten immer Vollgas gegeben hat. Lars Müller hätte es als Vorbild in Sachen Konstanz wahrscheinlich auch werden können.
  • „Flieschenfängor“: die Chemnitzer Fans in breitestem Sächsisch (also der Chemnitzer Version davon) zur Begrüßung von Sven Neuhaus auf ihrer Seite.

Flop:

  • Das spieltaktische Wirrwarr und Hin und Her zusammen mit den teilweise nicht dazu passenenden Personalentscheidungen (siehe Text)
  • Die Tatsache, dass kein (!) Spieler bis auf Ismaili positiv überrascht hat. Viele Spieler verstecken sich, trauen sich nichts zu und wenn sie sich trauen geht es daneben. Also das Gegenteil vom Klinsmannschen Motto des jeden Tag jeden Spieler ein Stückchen besser zu machen. Prototypisch für mich in dieser Beziehung Tom Geißler, der ohne Vertrauen in seine Fähigkeiten scheint und weiterhin die Hoffnung auf kreatives Potenzial im Spiel der RasenBallsportler ist.
  • Das Meuselwitz-Spiel: Ich begann mit dem Kopfschütteln als die Aufstellung vorgelesen wurde und hörte erst wieder auf als ich in sicherer Entfernung der Red Bull Arena schon wieder auf dem Heimweg war (nach dem Spiel selbstverständlich). Warum ich so auf diesem Spiel rumreite? Keine Ahnung, vielleicht hatte ich einen schlechten Tag, aber bei diesem Spiel habe ich die Hoffnung verloren, dass es in naher Zukunft mit den RasenBallsportlern bergauf gehen könnte, eine Hoffnung, die ich auch bis jetzt nur partiell wiedererlangt habe.

Flattr this!

6 Gedanken zu „Mehr Schatten als Licht“

  1. Stimme dir in deiner Analyse in nahezu allen Punkten zu. Nur eine Kleinigkeit habe ich anzumerken: Der Schritt, Thomas Oral eine Art sportlichen Leiter an die Seite zu stellen, würde in meinen Augen zu einem extrem ungünstigen Zeitpunkt erfolgen. Statt Aufbruchstimmung zu erzeugen, würde die allgemeine Interpretation im Moment wohl eher in Richtung „Jetzt wird der Oral vollends entmachtet!“ gehen. Besonders innerhalb des Teams würde sicher der ein oder andere Spieler einen „zweiten starken Mann“ nur allzu gern als Alibi nutzen, um eventuelle weitere Punktverluste zu erklären. Von der teilweise hypernervösen Öffentlichkeit ganz zu schweigen.
    Von daher macht es in meinen Augen im Moment wenig Sinn, tatsächlich einen neuen Kopf an der Seite von Thomas Oral zu installieren. Stattdessen würde ich im Moment eher auf das Prinzip Hoffnung setzen und darauf vertrauen, dass Oral mit einer kompletten Vorbereitung und dem kompletten Kader das Kind schon schaukeln wird. Falls das nämlich nicht der Fall sein sollte und sich RB zeitnah von Thomas Oral trennen sollte, wäre auch der zweite starke Mann schon früh beschädigt.

  2. Sehr schönes Fazit, welches ich mit Freuden gelesen habe, auch wenn ich nicht in allen Punkten zustimmen kann. Denn klar, besser Strukturen hier in Leipzig sind ein Desiderat, im Falle der Oralschen Entscheidungen jedoch m.E. nur ein kleiner Baustein.

    Denn aktuell kann ich mich mit Oral als Trainer nur wenig anfreunden. Dazu hat mir einfach die Spielweise der Mannschaft zu wenig gefallen. Trotzdem wird wohl dein Wunsch in Erfüllung gehen und Oral in der RR Trainer bleiben.

    Ganz abgesehen von PLatz 1 sollte er da nun mehr denn je an der spielerischen Entwicklung der Mannschaft gemessen werden und an der Integration der jüngeren Spieler.

    Wobei wir bei den Anmerkungen wären:

    Ismaili war nicht gelbgesperrt, warum er in Plauen nicht gespielt hat ist nicht ganz sicher. Offiziell Magen-Darm, inoffiziell wohl eher eine der gefürchteten Oralschen Disziplinarmaßnahmen.

    Die Sytsemumstellungen erfolgten und das sollte herausgestellt werden (gerade im Zusammenhang mit der Einkaufspolitik des Sommers) meist zu Lasten der jüngeren Spieler. Ein Eindruck, der am Ende des Tages (der Hinrunde) dazu führte, dass quasi keiner der U26 jährigen mehr auf dem Feld stand (Ausnahme Kammlott, wobei mich da immer noch das Gefühl beschleicht, dass er als Publikumsliebling da einen Bonus hat).

    Womit wir bei den anderen – unerwähnten „Opfern“ – sind. Kutschke z.B., der Notenbeste (Fanbewertet) der Hinrunde. M.E. durch die Aufstellungspolitik total verunsichert und nach dem HSV Spiel mit nicht nur gefühlten 80 Einsatzminuten insgesamt.

    Andere kommen überhaupt nicht aus der II. heraus und sind quasi seit dem Ende der Vorbereitung „aussortiert“: Franke, Schinke, Albert.

    Führt mich irgendwie dazu, dass unter Oral das Jugendkonzept total gescheitert ist, weil eben kein einziger wirklich das Vertrauen des Trainers hatte und diese Spieler damit eben auch weniger gut zurecht kommen, als die Stiefelspielenden älteren Herren.

  3. @Hoffi: mit Deinen Argumenten hast Du sicherlich nicht unrecht. Ein Sportdirektor wäre vermutlich das öffentliche Misstrauensvotum gegen den Trainer. Andererseits ist der Trainer erstens sowieso nicht unumstritten, zweitens die sportliche Lage für die aktuelle Saison nahezu aussichtslos und drittens sollte man den Verein – wenn einen die Analyse der Situation dazu bringt – verbessernd verändern. Und ein Gesicht, das für den Verein steht, das sich im sportlichen Bereich auskennt und von Zeit zu Zeit den öffentlichen Blitzableiter für Mannschaft und Trainer fungiert, zwischen einzelnen Personen des sportlichen Bereichs vermitteln, aber auch mal intern dazwischen hauen kann, jemand der (fast) alle Spiele und sich im Verein auskennt, den braucht es aus meiner Sicht schleunigst, egal, was dies im ersten Moment für die öffentliche Wahrnehmung des Trainers bedeutet. Die Person wäre so etwas wie das Vereins-Über-Ich, also strenggenommen kein SPortdirektor, sondern eher ein permanent greifbarer Präsident. D.Beiersdorfer ist für den Posten bei allen Qualitäten aufgrund seiner Abwesenheit der falsche Mann. Vielleicht wartet man ja aber auch nur auf Frank Rost und dessen Karriereende..

    @Rumpelstilzchen: Vielleicht übertreibe ich mit dem Strukturding, aber ich glaube wirklich, dass eine fehlende, kompetente Person neben und über Oral auch dazu führt, dass Oral erst in die Situation kommt, permanent auf ungelenk autoritär machen zu müssen. Er muss den sportlichen Laden in Leipzig alleine zusammen halten. Regelmäßiges Telefonieren mit Beiersdorfer ersetzt leider nicht den Austausch mit jemandem, der sich mit dem Verein auskennen würde und mit dem man sich entwickeln könnte, bei dem man sich auch mal das Vertrauen oder die Anregung holt, ein System durchzuhalten, auch wenn ein Spiel Mist war oder was auch immer. Vielleicht ist es Quatsch, vielleicht würde das Prinzip Oral trotzdem die Folgen haben, die man in der ersten Halbserie gesehen hat, vielleicht ja aber auch nicht. Ich finde jedenfalls, dass man kein Team und keinen Trainer in eine Situation schicken sollte, wo sie trotz Vereinsstruktur gewinnen und nicht auch ein bisschen wegen.
    Ansonsten finde ich Deine Anmerkungen und Deine Sicht auf den Trainer nachvollziehbar und streue wegen Shaban Ismailis Asche auf mein Haupt. So ist das, wenn man meint, vermeintliche Fakten aus dem Kopf und ohne Nachrecherche herunterschreiben zu können..

  4. Besser wäre ein SD oder Präsident auf jeden Fall. Wenn Oral jetzt die RR bestreiten darf, dann sollte man sich auch darum kümmern, schon allein um für die nächste Saison zu planen. Gespannt auf die restlichen Ligaspiele ist man ja irgendwie schon. Hoffentlich unter den beschriebenen Vorzeichen.

    Zu Ismaili: Ist ja nicht wild, war ja sowieso ein Steitthema, warum er damas passen musste. Die erste Gelbsperre hat ja immer noch der Kapitän abzusitzen.

    Na dann sollten sich alle RBL Anhänger zum neuen Jahr professionellere Strukturen wünschen, wie man es eigentlich sowieso von Red Bull gewöhnt wäre.

  5. eine erfreulich stimmige Zusammenfassung, wenngleich mein Resümee sich mit Rumpelstilzchens #2 deckt. Bleibt also zu hoffen, daß für den Fall, Trainer Oral bleibt uns noch ein Weilchen erhalten, die winterliche Vorbereitung zu einem stimmigeren Spielsystem führt und der jugendliche RB-Kader des öfteren spielen darf.

    Und ob der Aufstieg 2011 nun gelingt oder nicht, wichtiger ist m.E. ein erfrischend offensives System. Dann klappts nicht nur mit (noch) mehr Zuschauern, sondern auch mit einer Begeisterung a la „Heimspiel gegen Wilhelmshafen“ und .. mittelfristig mit dem Aufstieg.

    Frohes Fest miteinander !

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.