Die Deutsche Amateurmeisterschaft

Streit, Escudero, Pliatsikas, Papadopoulos, Baumjohann, Pander, Gavranović. Gesamtmarktwert: 13.250.000 Euro (zum Vergleich: RB Leipzig hat einen Gesamtmarktwert von 5.500.000 Euro). Nein, das ist nicht meine Wintertransferwunschliste, das alles sind Spieler, die in dieser Saison (zugegeben bis auf Streit nicht sehr oft) bereits für die U23 von Schalke 04 in der Regionalliga West aufliefen. Durchaus beachtlich und einmal mehr ein Indiz dafür, dass der Kader der zweiten Mannschaften vor allem von den Erfordernissen der Profis abhängt. Da können junge Spieler ohne Spielpraxis, aber auch Spieler aus disziplinarischen Gründen schnell mal in der 4.Liga auflaufen. (Gibt es eigentlich neben dem Argument, dass die zweiten Mannschaften Zuschauer kosten, auch das Argument, dass Zuschauer extra wegen solcher, oben genannter Spieler kommen?)

Nun ja, aber das soll hier eigentlich gar nicht Thema, sondern eher Aufhänger sein für ein neues Kapitel in Sachen Regionalliga-Reform. Zur Erinnerung: die Regionalligisten wünschten sich eine 2+1 Lösung (zwei Staffeln plus 1 Staffel für die zweiten Mannschaften), also eine Lösung, die eine attraktivere Liga und ergo bessere Möglichkeiten für Wachstum und den Anschluss an den Profifußball bedeuten sollte. Gekriegt haben sie dank DFB-Bundestag eine Kompromisslösung mit 5 Staffeln, in denen jeweils maximal 7 U23-Teams von Profimannschaften spielen dürfen, also eine Lösung, mit der aus den Regionalligen ganz offiziell die höchste Amateurliga wird und die Regionalliga ihre angedachte Rolle als Scharnier zwischen Profi- und Amateurfußball komplett verliert.

Aktueller Streitpunkt dieser Lösung ist die Aufstiegsregelung, wie man der Sport Bild vom 08.12.2010 entnehmen konnte. Die Idee des Kompromisses, wenn ich die DFB-Bundestags-Debatte richtig im Kopf habe, bestand darin, dass die 5 Staffelersten plus der Zweite aus dem Südwesten in einer Relegationsrunde einen deutschen Amateurmeister und nebenbei die 2 oder 3 Aufsteiger ausspielen. Durchaus folgerichtig wurde deshalb vorgeschlagen, dass die Zweiten Mannschaften eine eigene Aufstiegsrunde und so ihren Aufsteiger  ausspielen. Doch das passt der DFL als Vertretung der Profiklubs, die mit ihrem Fünf-Staffeln-‚Kompromiss‘ das Gefühl hatten, genug Opfer gebracht zu haben (welches eigentlich genau?) nicht. Sie fordern, dass die U23-Teams auch mit in der regulären Amateurmeisterschafts-Aufstiegsrunde teilnehmen dürfen (und so bspw. die Möglichkeit bestünde, dass 2 U23-Teams gleichzeitig aufsteigen).

Man mag die Idee der Amateurmeisterschaft (überflüssig) finden wie man will, wenn Schalkes, Wolfsburgs und meinetwegen Hoffenheims U23 dann miteinander den Amateurtitel ausspielen, dann wird das ganze komplett ad absurdum geführt. Die Idee der Regionalliga-Reform-Forderer bestand darin, eine Liga zu schaffen, in der man professionelle Vereinsstrukturen in Ansätzen erschaffen kann und nicht nach einem durchschnittlichen Jahr vor der Pleite steht, also die Attraktivität und gleichzeitig die Durchlässigkeit nach oben (z.B. durch einen zusätzlichen Aufstiegsplatz) erhöht. Der ‚Kompromiss‘ war mit seiner ‚Ihr seid und bleibt Amateure‘-Logik schon völlig sachfremd und eine Aufstieges-Amateurmeisterschafts-Endrunde mit 6 Teams am Ende der Saison schwer vorstellbar. Die neueste DFL-Verweigerung nimmt dem ausgeklüngelten Kompromiss nun auch noch den letzten Anstrich von Plausibilität.

Wir wären bei unverhältnismäßigen Nachforderungen gezwungen, unsere Sperrminorität geltend zu machen.

drohte in diesem Zusammenhang DFL-Boss Reinhard Rauball via Sport Bild vom 08.12.2010 und meint damit, dass die DFL die Regionalliga-Reform platzen lassen könnte, wenn es bei den Vorschlägen bleibt, eine Extra-Aufstiegsrunde für die U23-Teams einzuführen. Klingt nach einer hübschen Steilvorlage, dank der eine völlig misslungene Reform wieder gekippt werden könnte und man zumindest zu einer Situation (zurück) käme, wo der Regionalligameister aufsteigt und nicht noch in die Relegations-Lotterie muss.

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