Vergleiche

Wir haben im Vergleich zu Chemnitz aber nicht überproportional in die Mannschaft investiert. (Dietmar Beiersdorfer, 01.12.2010 zur Situation vor der Regionalligasaison bei derstandard.at)

Diese Aussage wirkt natürlich etwas schräg, wenn man an die Transfers von Carsten Kammlott und Daniel Frahn denkt, für die insgesamt, nimmt man die kursierenden Summen, bis zu 1.000.000 Euro an Ablöse fällig werden könnten.

Der Head of Global Soccer Red Bull hat aber in der Zuspitzung durchaus auch recht, wenn man zumindest die Erhöhung der Qualität der ersten Elf in Betracht zieht. Fröhlich, Sträßer, Schaschko und Dobry kamen vor der Saison von höherklassigen Teams nach Chemnitz, werden dort nicht für ein Almosen spielen und ergänzten die bereits vorhandene Mischung aus erfahrenen Profis und jungen Wilden hervorragend.

Auf der anderen Seite konnte sich in Leipzig bisher keiner der Neuzugänge bis auf den Rostocker Absteiger Tim Sebastian einen dauerhaften Stammplatz im Team erkämpfen. Verpflichtet wurden aus dem Profibereich zudem Geißler und (der allerdings nur in der U23 von Wolfsburg spielende bzw. nicht spielende) Laas und auch der talentierte Kammlott. Vielleicht bleibt noch Daniel Frahn zu nennen als ehemaliger Regionalliga-Torschützenkönig. Das wars, alles andere sind junge Perspektivspieler gewesen, die in ihrer Karriere bisher in U23- und/ oder Regionalliga-Teams spielten oder auch nicht spielten (verletzungsbedingt oder auch nicht).

Man muss bei aller Kritik an den Leistungen oder am Tabellenstand der RasenBallsportler auch einmal festhalten, dass RasenBallsport Leipzig sich im Sommer nicht den Überkader zusammengekauft hat, der ihnen allgemein zugeschrieben wird. Vor der Saison wurde ein vor allem in der Breite spannender Kader mit (hoffnungsfrohen) Fragezeichen hinter einigen Namen zusammengestellt. Keines der Fragezeichen hat sich bis jetzt in ein uneingeschränktes Ausrufezeichen verwandelt. In Chemnitz funktioniert sportlich derzeit sehr viel in Bezug auf die individuellen Leistungen aber auch und vor allem in Bezug auf das spieltaktische Ganze. Die Basis dafür ist aber eine professionelle (und sicher nicht billige) Kaderplanung, mit der sie zumindest was die erste Elf angeht auf Augenhöhe mit RB Leipzig agieren. In der Breite ist der Leipziger Kader sicherlich von seinem Potenzial her besser besetzt, aber solange der CFC von Verletzungen verschont bleibt, dürfte das wenig auffallen.

In diesem Sinne hat Dietmar Beiersdorfer also durchaus recht. Der Kader von RasenBallsport Leipzig wurde im Sommer in Bezug auf die Stammelf im Vergleich mit dem CFC nicht überdurchschnittlich aufgepeppt, sodass es nicht ausgemacht war, dass man per se vor den Chemnitzern landen müsse, weil hier eben kein Porsche gegen nen Trabi antritt (vielleicht fährt man in Lübeck Trabi oder ein Äquivalent, aber nicht in Chemnitz). Trotzdem ist es nun auch nicht so, dass sich die 11 Punkte Rückstand aus einem Kadervergleich ableiten lassen ließen. Der Kader von RB Leipzig ist in seinem Potenzial definitiv nicht schlechter als der Chemnitzer. Heißt auch, dass die Stellschrauben woanders liegen (nein, das heißt nicht Oral raus). Und wenn man nur ein paar wenige Stellschrauben nicht richtig justiert, sieht es eben auch in der Regionalliga schlecht aus:

Wir wussten, dass die Regionalliga der Flaschenhals ist, weil nur eine Mannschaft in die dritte Liga aufsteigt. Trotzdem sind wir mit dem Rückstand überhaupt nicht zufrieden. Wenn du Erster werden willst, musst du vieles richtig machen. (Dietmar Beiersdorfer, 01.12.2010 bei derstandard.at)

Apropos Beiersdorfer. Ein Angebot aus Köln [broken Link] wird ebenso kolportiert, wie ein ausbleibendes Dementi desselben und eine gleichzeitige Neuausrichtung des sportlichen Bereichs bei Red Bull durch die ‚Implementierung von Detlev Kornett‘ [broken Link/ 20.04.2011] (als Geschäftsführer, Präsident und CEO der Anschutz Entertainment Group in Deutschland verantwortlich für Bau und Vermarktung der O2 World in Berlin, dazu Geschäftsführer der Eisbären Berlin). Der Name Kornett und die damit verbundene, mögliche Beschneidung des Kompetenzbereiches Beiersdorfers macht aus einem unglaubwürdigem Gerücht über Beiersdorfers Demission zumindest ein nicht völlig unplausibles. Ich glaub trotzdem nicht dran, weil Beiersdorfer in einem Job, der auf langfristige Perspektive angelegt war, in der Kürze der Zeit noch nichts (gar nichts) erreicht hat und das sicher nicht der Punkt ist, an dem er bei Red Bull aufhören möchte. Und überhaupt: Ich würde den Head of Global Soccer Red Bull vermissen. Nicht nur wegen des großartigen Titels.

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18 Gedanken zu „Vergleiche“

  1. mich dünkt als leiden die herren oral und beiersdorfer beide ein wenig unter realitätsverlust.

    oder unterliegen der stets immer zu positivierenden vorgaben des konzerns?

    ich bin mittlerweile ein wenig ratlos…

  2. Interessanter Artikel.

    In Bezug auf diesen Satz: „Der Kader von RasenBallsport Leipzig wurde im Sommer in Bezug auf die Stammelf im Vergleich mit dem CFC nicht überdurchschnittlich aufgepeppt“ fehlt mir der Hinweis, daß der Leipziger Kader bereits im letzten Jahr mindestens auf ordentlichem Regionalliganiveau war – zumindest interpretiere ich die 22 Punkte Vorsprung so. Man begegnet sich auch ohne das große Aufpeppen von vornherein auf Augenhöhe.

    Dein letzter Satz ist hoffentlich Satire.

  3. Stimmt, der letztjährige Kader war bereits auf ordentlichem Regionalliganiveau. Dummerweise blieb von den letztjährigen Stammspielern gerade mal ein Stamm von 5 Spielern, die auch aktuell Stammspieler sind (Neuhaus, Kläsener, Müller, Rost, Frommer) plus 2 Spieler mit partiellen Einsätzen (Hertzsch, Rosin). Es wurden also ca. 5 Positionen aus der letztjährigen ersten Elf vakant und diese Positionen wurden größtenteils durch entwicklungsfähige, aber lange nicht fertige Spieler besetzt bzw. auch durch Spieler, deren Karriere in den letzten Jahren nach unten wies. Ich finde nach wie vor alle Verpflichtungen sinnig und grundsätzlich ist der Kader bei Ausschöpfung des Potenzials absolut aufstiegstauglich, aber dass man mit dem Kader an Chemnitz auch scheitern kann, lag von Anfang an in der Natur der Sache.

    „Dein letzter Satz ist hoffentlich Satire.“
    Och Satire, ist ja kein Satireblog hier. 😉 Aber im Ernst, mich erinnern diese Titel ein wenig an die Sandkastenzeit, wo man sich Cowboy und Indianer, Räuber und Gendarm oder was auch immer spielend wichtige Namen gibt und die damit verbundene Rolle versucht auszufüllen. Titel in Firmenhierarchien erinnern ein wenig an die kindliche Freude des Rollenspiels. Von daher mag ich den monströsen Titel, den sich Herr Beiersdorfer zugelegt hat/ hat zulegen lassen gern. Ein leichtes Lächeln auf den Lippen lässt sich aber schwerlich verneinen.

  4. Head of Global Soccer Red Bull – dieser Titel ist für mich ein weiterer Beleg dafür, daß Sport für Red Bull sekundär ist. Sport ist lediglich ein äußerst formidables Vermarktungsvehikel. Die Strukturen sind durchgestylt und interessanterweise durchamerikanisiert. Ob das dieser unterbelichtete Titel ist oder Beiersdorfers Aussage im Standard („on-field product“) – man orientiert sich an den USA, wo Fußball allenfalls Randerscheinung, Kommerz hingegen alles ist. Ich finde die Verwendung solcher Termini in höchstem Maße lächerlich.
    Warum steht eigentlich auf den RBL-Trainingsjacken „RedBulls“ und nicht „RasenBallsport“? – Ich brauch darauf keine Antwort… 🙂

  5. Dann hier mein „Name“ für Dich:

    Head of global write Red Lemonade blogs on the Internet
    😉 😉 😉

  6. @Ritter Runkel: Der deutsche Begriff ‚Geschäftsführer‘ ist nun auch kein Begriff, bei dem man zuerst an Sport denken müsste. Namen sind zuerst einmal auch Schall und Rauch und letztlich kommt es drauf an, wie man seine Arbeit füllt. Head of Global Soccer ist da für mich tatsächlich sehr nah dran an der Beiersdorferschen Tätigkeit und noch dazu in seiner Bedeutung sehr sportbezogen. Aus diesem Titel zu schließen, es ginge bei der Tätigkeit nur um Vermarktung halte ich für ganz schön gewagt, mal ganz davon abgesehen, dass ich es schräg finde so etwas wie den wahren, ehrlichen, richtigen Sport vom bösen vermarkteten Sport abzugrenzen. Das Chemnitzer Vorstandsmitglied, der Fachkaufmann für Marketing Olaf Schoch wird vermutlich seinen Geschäftsbereich ähnlich produktbezogen (Achtung, der CFC als Produkt!) organisieren, wie sein Leipziger RB-Pendant auch.
    Und zur USA: Die Bundeszentrale für politische Bildung weist für die USA fast 18 Millionen Fußballspieler aus. Sportliche Randerscheinung sieht anders aus. Dazu kommt eine Profiliga, die langsam zu den Top4-US-Sportligen aufschließt und beginnt mit dem Eishockey mitzuhalten. Und das gegen Sportligen, die in ihren Sportarten die besten der Welt sind. Auch hier sieht eine sportliche Randerscheinung anders aus. Dazu kommt die Tatsache, dass die US-Klubs dank Gehaltsobergrenzen stark auf lokale Spieler und Strukturen setzen, also die Liga tatsächlich aufgepeppt durch 2,3 von der Gehaltsobergrenze ausgenommene Stars (Henry!) aus sich selbst heraus wächst. Naja, lassen wir das.

    @claudiob: 🙂

  7. Wahrer und ehrlicher Sport gegen bösen, vermarkteten Sport. Wie süß. Es ist ein Unterschied, ob – wie im Fall von Red Bull – ein Produkt den Sport benutzt (und nicht nur den Fußball), um Bekanntheitsgrad, Absatz, Marktanteile zu steigern, oder ob der Sport Produkte benutzt um sich abzusichern oder nach vorn zu entwickeln. Weder Indivualsportler noch Mannschaften oder Vereine können heutzutage ohne Sponsoring überleben. Der Unterschied bei RasenBallsport Leipzig besteht in der Umkehrung von Mittel und Zweck.

    USA: Was „das Aufschließen“ der MLS angeht, so liegt wohl die Betonung auf „langsam“, oder? Verglichen mit Europa und Asien, wo Fußball sämtliche andere Sportarten zum Teil drastisch dominiert, ist Fußball in den USA absolute Randerscheinung – vor allem medial. Besorg Dir eine beliebige Ausgabe der USA Today und such im Sportteil nach Fußball. Selbst College Basketball ist wichtiger. Aber vielleicht ist Didis toller Titel ja der Start einer wunderbaren Missionierung… 😀

  8. Ein Watzka fehlt in deiner Aufstellung, der ist sicher nicht nur als „junge Perspektivspieler“ zu bezeichnen, der auf dem Niveau von Lewerenz oder Kutschke ist. Der hat in der Regio schon ordentlich was gezeigt.

    Wie aktuell auch an anderer Stelle diskutiert, ist es auffällig, dass TO den jungen Spielern (Ausnahme aktuell Kammlott) kein Vertrauen via dauerhafte Aufstellung ausspricht. Gerade diese müssen jedoch auch ein wenig den Rückhalt spüren, um ihre Leistung abrufen zu können.

    So hat man den Eindruck, dass diese Spieler nach einem schlechten Spiel gleich wieder in der Versenkung verschwinden (Stevo, Kutschke, Baier, Schinke, Ismaili?) oder gar überhaupt nicht den Anschluss an den Kader finden (Franke, Albert, quasi auch Schinke).

    Die U19 Junioren werden nicht in Betracht gezogen (kann aber auch andere Gründe haben).

    Alles schon ein wenig merkwürdig. Die Breite des Kaders wird eben überhaupt nicht genutzt.

  9. @Ritter Runkel:

    Den Soccer (Fußball) in den USA und den American Football in Europa verfolge ich seit Anfang der 90er Jahre. Seitdem hat sich Fussi dort drüben sehr positiv und AF hier in Europa sehr negativ entwickelt.

    Nicht nur dass die MLS immer besser dotierte Fernsehverträge, mehr Sendezeit und auch mehr Aufmerksamkeit in den Print- und Blogmedien bekommt auch in der inzwischen immer ärmer werdenden ehemaligen Mittelschicht nimmt Fussball als Sport für die Kinder rasant an Bedeutung zu. Immerhin ist hier weder maximalst teure Ausrüstung zu beschaffen und das Kind wird auch nicht so häufig mittelschweren oder schweren Verletzungen ausgesetzt.

    Die MLS Clubs werden zudem in einigen Jahren komplett in eigenen Fussistadien spielen.

    Natürlich ist das (noch) kein Vergleich zu den Top 3 der Profisportarten, das Eishockey hat man allerdings schon ganz gut im Blick.

    Zum College Sport:
    Der ist zum Teil ERHEBLICH erfolgreicher und zwar zuschauertechnisch als auch wirtschaftlich als der Profibereich. Das liegt an der anderen Sportstruktur und am anderen begleiten eines Teams. Während man Profiteams zum großen Teil beliebig austauschen kann und man halt dieses Jahr zu den Predators und nächstes Jahr zu den Cardinals geht bleibt der Amerikaner zumeist, egal wo er arbeitet und lebt, seinem Collegeteam verbunden.

    Man mag mit der beliebigen Austauschbarkeit der Profiteams zurecht oder auch nicht zurecht kommen aber es hat den Amerikanern ein abwechslungsreicheres Sportangebot beschert als das stupide Klammern der Europa an „ein Leben eine (zumeist) Fußballmannschaft“.

    Zum Them American Football in Europa:

    Der ist trotz jahrelangem Investment NFL und hoher medialer Aufmerksamkeit zu Beginn der 90er Jahre bis auf eine Showveranstaltung in London pro Jahr mausetot.

  10. Genau Rumpel!
    Ich glaub auch das der Herr TO das Ding einzigst und allein mit Erfahrung durchschaukeln will. Zumindest zum größten Teil.
    Ich bezweifel das dies gelingt, nur durch Erfahrung hat noch niemand was reißen können…

  11. @Rumpelstilzchen: Ohne Maximilan Watzka zu nahe treten zu wollen. Für mich gehört er in die Kategorie derjenigen, die ich in einem der Kommentare als Spieler auf dem absteigenden Karriere-Ast bezeichnet hatte. Ein Spieler mit Talent, also eines dieser hoffnungsfrohen Fragezeichen, aber vom Leistungsstand von vor der Saison (und auch jetzt noch) nicht unbedingt auf einem Level mit bspw. Sträßer, Schaschko und Dobry. Und um den Vergleich ging es. Dass ein Maximilian Watzka als Ziel haben sollte mindestens auf dem Niveau der genannten Chemnitzer zu spielen, steht auf einem anderen Blatt.

    @Ritter Runkel: die Differenz gut gegen böse kam von Dir, weil Du Sport und seine (im Profibereich) Bedingung, die Vermarktung und den Kommerz voneinander trennst, so als bediente sich der Sport bei der Wirtschaft und bliebe ganz er selbst. Für mich sind im Profisport Sponsoren/ Firmen und Vereine nicht voneinander zu trennen. Beides bildet eine organisatorisch getrennte Gemeinschaft mit gemeinsamem Ziel: Gewinnoptimierung (finanziell und/ oder sportlich). Heißt, Individualsportler, Firmen und Vereine ergänzen einander in Mittel und Zweck, sie bilden ein gemeinsames Ganzes. Und wer, wo der Initiator war (Firma oder Verein), ist mir persönlich egal, auch wenn ich verstehe, dass das andere Fußballanhänger anders sehen. Entscheidend ist auf dem Platz und genau dort und nicht in seiner organisatorischen Struktur muss sich beweisen, ob ein Verein Fußballkultur entwickelt. Das schließt Fanumfeld und Nachwuchsarbeit mit ein, also all die sportlichen und fantechnischen Geschichten, die jeder Proficlub zum Existieren braucht. RB Leipzig wird zukünftig in der sportlichen Alltagsarbeit ein ganz normaler Proficlub sein (und ist es teils jetzt schon), also was um alle Welt sollte die Unterstützung von RB Leipzig schlechter machen als die vom bspw. HSV? Alte Videos von Uwe Seeler bei Youtube?

    Und zur USA: das ‚langsam‘ würde ich auch mit unterschreiben. Aber Du drehst Dich mit Deinen Argumenten selbst im Kreis. Fußball kommt dort Deiner Meinung medial nicht vor und trotzdem ist alles Kommerz. Wie denn das? Investitionen und Kommerz, ohne dass sich jemand dafür interessiert? Ganz so einfach wird es dann doch nicht sein. Mein Argument sprach dafür, dass man in der MLS auf relativ kleinem Niveau anfangend, aus sich selbst heraus Wachstum kreiert, ohne wie zu früheren Zeiten ausschließlich auf Altstars zu setzen, also Sportliches und Wirtschaftliches (zum Wohle beider Teile) miteinander wachsen lässt. Dein Argument war, dass Fußball keinen interessiert und alles nur Kommerz ist. Ich finde, die Entwicklung der MLS spricht gegen Deine Einschätzung.

  12. Drei Dinge:

    1: „gut“ und „böse“ kam nicht von mir. Eine solche Terminologie würde ich in Bezug auf Sport nicht verwenden.

    2: Mißverständnis zum Thema USA: daß Kommerz alles ist, war nicht auf den Fußball bezogen, sondern auf den „way of life“ im Allgemeinen. Ob das die Filmunterbrechungen im Werbefernsehen sind, die penetrante Kommerzialisierung nichtiger Anlässe (z.B. Valentinstag) oder ähnliches. Der Fußball ist (noch) zu unbedeutend, um verwurstet zu werden. Aber wenn der Head of Global Soccer Red Bull schon vom „on-field product“ spricht, wenn er die Vorstellung der dortigen „Werksmannschaft“ meint, ist man auf dem besten Wege zum „schnellen Aufschließen“. Allein die Wahl des Wortes „Soccer“…

    3: Es ist offensichtlich müßig darüber zu diskutieren, wer bei RBS Leipzig wen oder was beherrscht – es ist Dir egal. Legitimerweise. Mir isses eigentlich – mehr oder weniger 😉 – auch schnuppe. Dieses Jahr asterixen wir ein bißchen rum, aber auf lange Sicht wird RasenBallsport vor uns stehen. Da sind sie nicht die einzigen. Was mich ärgert, sind Leute, die meinen, Leipzig hätte einen „Anspruch“ auf Erstligafußball. Und Leute, die meinen, RBS Leipzig sei eine Chance für den Ostfußball. Das ist Blödsinn in Potenz – zumal ich RBS nicht als ostdeutschen und auch nicht als Verein verstehe.

  13. zu 1: ok, dann habe ich da wohl überinterpretiert.

    zu 2: auch wenn wir da wohl nicht zusammen finden, habe ich zumindest das Missverständnis nun verstanden.

    zu 3: Das mit dem Anspruch auf Erstligafußball finde ich auch lustig. Vielleicht bietet sich da ja eine Fanfreundschaft mit Essen an, die sich eventuell auch nach einem Anspruch auf höherklassigen Fußball sehnen. Erinnert mich – Stichwort schräge Ansprüche – auch an die lustige Story von Peter Peters von der DFL, der im Fernsehen im Zusammenhang mit der Regionalliga-Reform sinngemäß davon sprach, dass die Profivereine mit dem Verzicht auf das „natürliche“(!) Recht der Zweitvertretungen am DFB-Pokal teilzunehmen, genug für die unterklassigen Vereine getan hätten.

  14. Die Freie Presse hat kurz zum Start der Regionalligasaison 2010/11 die Haushalte der verschiedenen Mannschaften verglichen. Dabei war RB Leipzig mit 6 Millionen unangefochten auf Platz 1. Chemnitz hatte ursprünglich ein Budget von 2,8 Millionen konnte aber durch die Mehreinnahmen im DFB-Pokal noch 200.000 nachlegen. dafür wurde unter anderem Pavel Dobry in die Mannschaft geholt. Das meint in diesem Fall nicht Ablöse, sondern Gehalt. Insofern ist der Satz von Beiersdorfer nicht sonderlich überzeugend.

    Zum Anspruch auf Erstligafußball noch ein Nachsatz. Der in Chemnitz immer noch sehr populäre Trainer Hans Meyer (hat den FCK/CFC über die Wende in die 2. Bundesliga geführt) wurde gefeuert, weil er (Chemnitzer) Erstligafußball als Phantastereien bezeichnete. Er bezog sich dabei auf das (damals) in jeder Beziehung fehlende Umfeld. Ich hoffe die neue Chemnitzer Führungsriege ist etwas schlauer. Mir würde ein langsames Aufsteigen in den 2.-Ligafußball reichen, wenn es finanzierbar ist.

    In Leipzig wird ja von vorhandenem Potential und Umfeld ausgegangen. Die momentan solide Finanzierung von RB Leipzig durch Red Bull wird sich aber schnell wieder in Luft auflösen, wenn Herr Mateschitz einmal seinen Hut nimmt (Ruhestand oder Tod). Ganz so jung ist er ja nicht mehr. Insofern finde ich alle Verweise auf solide Finanzierung und langfristige Planungen bei Rasenball Leipzig wenig überzeugend.

  15. Mich würde echt mal interessieren wo die ganzen Insider die Tatsachen hernehmen mit denen man nach dem Ausscheiden/Sterben von Herrn Matteschitz konfrontiert wird.

    Wer mal etwas genauer hinschaut dürfte doch eigentlich schon sehen dass da etwas mehr als Mäzenatentum ala Abramowitsch oder eines vergleichbaren arabischen oder amerikanischen Sponsors steht. Oder gibt es da lesedefizite wenn von Trainingsleistungszentren, Nachwuchszentren(Schulen) in Ghana und Brasilien, einem Club ala RB New York mit den perspektivischen Aussichten geschrieben wird?

    Man muss ja nicht alles rosarot sehen und gleich von blühenden Landschaften krakelen aber vom Worst Case, wie auch immer der bei der strategischen Ausrichtung im Bereich Fußball aussehen sollte, muss man ja nun auch nicht schwafeln.

    Ansonsten kann ich hier mit ebensolcher Standfestigkeit verlautbaren

    „Nach dem Ende von Matteschitz wird das Engagement im Bereich Weltsport Fußball noch erheblich ausgedehnt!“

    Ist genauso wahr und stichhaltig wie der gegenteilige Blödsinn 😉

  16. @ dröhn
    Natürlich sind das Mutmaßungen. Die teile ich aber mit vielen größeren Zeitungen die zum Beispiel auf Differenzen zwischen Dietrich Mateschitz und seinen thailändischen Geschäftspartnern hinweisen. Wie gesagt, es sind Mutmaßungen sowie Teilinformationen und subjektive Betrachtungen. Da schafft auch eine große Zahl an gleichklingenden Medien keine neue Realität. Das die Bedenken nicht abklingen, liegt meiner Meinung nach an der Unternehmensstruktur. Wenn eine einzelne Person eine Firma so stark prägt, wie Mateschitz das Unternehmen Red Bull, ist es eher die Ausnahme als die Regel, dass es nach dem Ausscheiden des alten Gottes weiter geht wie bisher. Nach heutiger Verwertungslogik sind die bisherigen Planungen im Fußball und in der Formel 1 viel zu langfristig. Das investierte Geld könnte anderswo deutlich mehr und schneller Rendite bringen. Gewünschte Werbeeffekte könnte man ebenfalls kostensparender organisieren.

    Ich will hier auch keine Endlosdiskussion vom Zaun brechen (ich hab mal angefangen den entsprechenden Thread im Forum von RB-Fans.de durchzulesen – das reicht). Die Zeit wird zeigen, ob das Dosen-Imperium auch in schwierigen Zeiten bei der Stange bleibt oder eine (nicht unübliche) Reduzierung auf das Kerngeschäft erfolgt.

  17. @Karl-Marx-Kopf-Städter
    Eine Spekulation ewig und drei Tage auch aus verschiedenen Quellen wieder und wieder und immer wieder wiederholt vorgetragen zu bekommen macht die Spekulation aber nunmal nicht richtiger. Es ist und bleibt eine Spekulation.

    Wenn du die Artikel um Red Bull gelesen hast wird ja auch deutlich dass sich das Unternehmen bereits stark gewandelt hat und D.M. zwar immer noch die letztendlichen Entscheidungen trifft aber bereits am Ende einer Entscheidungskette platziert ist die dort entstanden ist.

    Es geht RB um Aufmerksamkeit für ihr Produkt, wenn du nun behauptest „gewünschte Werbeeffekte könnten auch kostengünstiger organisiert werden“ möchte ich dafür gerne Alternativen. Welche Maßnahme bietet denn weltweit mehr Aufmerksamkeit als Fußball? Welche Maßnahme bietet denn weltweit mehr Aufmerksamkeit als die F1? Sicher gibt es regionale Highlights, Football und Nascar in den Staaten, Rugby punktuell in verschiedenen Nationen wobei da keiner glauben darf dass Engagements in solchen Bereichen Peanuts wären. Welche Rendite wäre denn wie und wo „deutlich“ schneller zu erreichen? Für mich sind das eher eingeflochtene Floskeln ohne Wert und echte Alternative.

    Was ist denn das Kerngeschäft von Red Bull? Dosen verkaufen, klar, aber Dosen und auch andere Produkte, sorry, wurden noch nie ohne Werbemaßnahme verkauft. Zumindest dann nicht wenn man einen Zuwachs verzeichnen will.

    Also ich halte die meisten Artikel und Beiträge zu dem Thema für pure Spekulation, wie bereits eingangs erwähnt. Wer das mag, schön, ich warte dann doch lieber auf die reale Entwicklung und bin gespannt……

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