Preiswert

„Endlich sind die Zeiten vorbei, in denen den Spielern das Geld mit Schubkarren vors Haus gebracht wurde“, sagt Mario Düker. Der eingefleischte BVB-Fan ist Stammgast auf der Südtribüne, hat seit zwölf Jahren eine Dauerkarte und spricht aus, was alle denken. Personalkosten für das Team damals [Meisterteam 2002, Anm. rotebrauseblogger]: 55 Millionen. Etat für den Kader heute: 35 Millionen. (Sport BILD vom 17.11.2010)

Nichts verdeutlich den momentanen, irrationalen Hype um die wirtschaftliche Vernunft Borussia Dortmunds besser als diese Wahrnehmung eines Südtribünen-Besuchers. Ein Bundesliga-Team, das auf Platz 1 steht, wird dafür vergöttert, dass die Gehaltskosten niedrig sind, also der Schatzmeister nur noch eine statt zweier Schubkarren mit Geld zum Haus der Spieler fahren muss.

Ich will nicht falsch verstanden werden, ich spreche keinem Profi die Berechtigung auch nur eines Cents seines Gehalts ab. Fußball-Profis sind Arbeitnehmer, die ihre Verträge frei aushandeln. Markt, Angebot, Nachfrage. So einfach und so oft auch so unbefriedigend, wenn man an die eigene Arbeitswelt denkt. Aber so zu tun als wäre Borussia Dortmunds Mannschaft ein antikapitalistisches Team armer Schlucker, die den reichen Profis nun mal richtig zeigen, wie man vom Geld befreit aufspielen kann, ist geradezu absurd.

Der BVB hat in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit einige wirtschaftlich und sportlich gute Entscheidungen getroffen und damit momentan viel Erfolg. Hätte der BVB bereits vor 10 Jahren angefangen gute sportliche Entscheidungen zu treffen, dann wäre man die ganzen Jahre Stammgast in der Champions League gewesen, gehörte immer noch zu Europas Topclubs und würde auf das Projekt Jugend forscht sch…

Anmerkung 1 zu den damaligen Personalkosten: Nimmt man die Gutverdiener Lehmann, Reuter, Kohler, Bobic, Koller und vor allem Amoroso mal beiseite dürfte der Rest des Kaders nicht mehr verdient haben als die heutige Borussen-Generation.

Anmerkung 2 zum Borussen-Retter Hans-Joachim Watzke: Es wird ja immer so getan als wäre Herr Watzke aus dem Nichts gekommen und hätte die Borussia mit neuem, preisgünstigen Konzept quasi im Alleingang konsolidiert. Man sollte in diesem Zusammenhang aber auch erwähnen, dass er bereits zuvor, seit 2001 den Posten des Schatzmeisters inne hatte, also direkt in die finanziellen Entscheidungen involviert war als der Club überhaupt erst in Schieflage geriet.

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5 Gedanken zu „Preiswert“

  1. sehr guter Artikel zum Themenbereich BVB, eigentlich wie immer 🙂

    Herr Watzke ist in dieser Hinsicht einfach nur noch lachhaft … aber gut, auch deren Höhenflug geht irgendwann vorbei …

    Auf gehts, Schalke!

  2. Ich würde jetzt den BVB nicht an der Personalie Watzke festmachen. Der Mann nur eine eingeschränkte Realitätswahrnehmung und sollte nicht der Massstab für den Verein sein.

    Durch Klopp und seine Art Fußball spielen zu lassen ist mir der BVB momentan sehr symphatisch trotz Watzke!

  3. @dröhn: Watzke gehört jedoch zum Verein und ist an entscheidender Stelle positioniert. Seiner Argumentationskette im Bezug auf Traditionsvereine, Fernsehgelder, Verteilungsschlüssel etc., kann ein normaler intelligenter Mensch ohne schwarz-gelb gefärbte Vereinsbrille, einfach nicht folgen.

    Die Spielweise ist momentan nicht zu kritisieren, jedoch gab es in den letzten zwei Herbstzeiten mit den Himmelsstürmern aus Leverkusen (2009) und dem Aufsteiger Hoffenheim ebenfalls Tabellenführer mit zeitweise hohem Tempofußball. Beide sind dann böse in der jeweiligen 2. Halbserie heruntergepurzelt vom Thron. Kann unter Klopp sich ganz anders darstellen, muss es jedoch nicht.

    In der Euroleague hat mich Dortmund nicht überzeugt. Im Heimspiel gegen Hoffenheim schrammte man an einer Niederlage haarscharf vorbei. In Freiburg gab es das berühmte Glück des Spitzenreiters gratis dazu. In der Rückrunde darf Dortmund in München antreten. Lattek betont immer den Neidfaktor in einer Mannschaft, der hatte damals ja auch den Hoffenheimern gut zugesetzt.

  4. Interessanterweise ist Wolfsburg in seiner Meisterschaftssaison (2008/09) auch relativ sang- und klanglos im DFB-Pokal (2:5 gegen Bremen im Viertelfinale) und im UEFA-Cup (insgesamt 1:5 nach Hin- und Rückspiel gegen Paris St. Germain, nachdem sie immerhin die Gruppenphase überstanden hatten) ausgeschieden. Von daher wäre die Analogie eventuell eher Wolfsburg und nicht Leverkusen und Hoffenheim (mal sehen wie der Ausflug nach Europa nächste Woche klappt). Andererseits will man ja in Dortmund weder wie Wolfsburg noch wie Leverkusen und Hoffenheim sein. Ein echtes Dilemma. 😉
    Und kurz und knapp noch: Ich habe allerhöchsten Respekt vor Dortmunds aktueller, sportlicher Leistung.

  5. snip
    Und kurz und knapp noch: Ich habe allerhöchsten Respekt vor Dortmunds aktueller, sportlicher Leistung.
    snap

    Genau das wollte ich eigentlich mit meinem obigen Beitrag aussagen. Und bei dieser Leistung stört mich halt auch ein Herr Watzke nicht, man mus ja nicht jeden beim BVB mögen 😉

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