FC Sachsen Leipzig vs. RasenBallsport Leipzig 2:1

Um es vorneweg in aller Kürze zu sagen und auch auf die Gefahr hin sarkastisch zu klingen, was gar nicht so gemeint ist: schön war es das letzte Spiel und Derby der Saison. Wetter prima, Spiel zwar nicht hochklassig aber unterhaltsam und selbst die Stimmung im Stadion war zu weiten Teilen angenehm.

In meiner Jugend und (sehr) späten Jugend, also zu jenen Zeiten, in der ich meinen Fußball-Spleen noch etwas fan-aktiver ausgeübt habe, waren es genau solche Szenarien, die ich mir die ganze Woche vor einem Heimspiel ausmalte. Ein wesentlich besserer Gegner kommt (BFC, Jena, gern auch Lok), es steht kurz vor Schluss unentschieden und Olaf Besser, Petrick Sander, Detlef Irrgang oder wer auch immer gerade die Heldenrolle spielen musste, schießt möglichst in der Nachspielzeit das entscheidende Tor. Der Rest geht unter in einer Staubwolke, die aus dem aufgewirbelten Sand der Tribünen resultiert.

So ähnlich war es im Spiel zwischen FC Sachsen und RB Leipzig (mal abgesehen von der Staubwolke), nur dass in diesem Fall die ‚Falschen‘ gewannen. Nach früher Sachsen-Führung durch einen wunderschönen Freistoßtreffer und völlig verdientem und ebenso schönem RBL-Ausgleich, konnten die Sachsen froh sein, dass sie nicht mit einem Rückstand in die Kabine gingen und vermutlich hatten wohl alle, die in welcher Form auch immer mit RasenBallsport sympathisierten, das Gefühl, das Spiel würde man nun schon irgendwie schaukeln. Doch denkste, in der zweiten Halbzeit waren die sowieso schon wenig gelungenen Offensivaktionen der RasenBallsportler noch weniger gelungen und von einem Tor war man 45 Minuten lang extrem weit entfernt (auch wenn man bei RB immer das Gefühl hat, eine geniale Einzelleistung könnte das Spiel entscheiden). Im Gegensatz dazu wurden die Sachsen mit zunehmender Zeit immer mutiger, spielten auch mit Unterstützung der nicht sattelfesten RB-Defensive geradlinige und gefährliche Angriffe bis der eingewechselte Neigenfink kam und Team, Betreuer und Fans ins Glück schoss. Und dies zumindest wenn man die 2.Halbzeit nimmt völlig verdient tat.

Der Rest war Jubel auf der einen und leicht bedröppeltes Zuschauen auf der anderen Seite. Als Fußball-Fan war es – ehrlich gesagt – schlicht und einfach großartig die ausgelassene Freude aller Spieler und Verantwortlicher auf dem Rasen zu sehen (vermutlich sind einige Beteiligte in ihrem Leben noch nie höher gesprungen). Und da mein Puls angesichts der sportlichen Bedeutungslosigkeit des Spiels sowieso nicht sehr hoch war und mein Herz (mindestens solange Dirk Heyne dort Trainer ist) zu einem geschätzten Fünftel immer noch grün-weiß tickt, konnte ich mich heimlich, still und leise mit den jungen Fußballern des FC Sachsen und einem großartigen Trainer (den ich schon großartig fand als er von den Sachsen-Fans in der Regionalligasaison noch dafür beschimpft wurde, dass er zu defensiv spielen würde) darüber freuen, dass sie aus einer sehr guten eine überragende Saison gemacht hatten. Glückwunsch dazu von dieser Stelle und möge dieser Sieg die Arbeit an Kader und Etat für die kommende Saison erleichtern.

Wohltuend am Spiel war auch die weitestgehend entspannte Atmosphäre. Wollten die grün-weißen Anhänger am Anfang des Spiels noch mal kund tun, dass für sie Red Bull eine grunzende Tierart ist (vermutlich ist das einfach das grün-weiße Guten Tag), konzentrierte sich Block B für den Rest des Spiels tatsächlich auf das Anfeuern der eigene Mannschaft (wenn man mal vom fast schon obligatorischen Beschimpfen des Ex-Sachsen Reimann absieht), was im Gegensatz zum Hinspiel durchgängig sehr gut gelang. Punktsieg also auch hier, wobei die RBL-Gemeinde trotzdem tapfer versuchte dagegen zu halten.

Was bleibt vom Spiel? Es gewann die Mannschaft, die geiler war auf den Sieg. Ein Fingerzeig auch darauf, was sich in der neuen Saison ändern muss. RasenBallsport Leipzig braucht neben der professionellen Kühle definitiv einen Schuss Leidenschaft. Mal sehen, was die neuen Spieler da mitbringen. Und: Ich weiß jetzt wie sich eine Niederlage anfühlt. Aufgrund der sportlichen Irrelevanz des Ergebnisses ist das aber auch unnützes Halbwissen. Und: Hurra Sommerpause. Wann geht denn endlich die neue Saison los?

Lichtblicke:

  • Keine.
  • Ach doch: Neuhaus fiel zumindest nicht negativ auf, was wiederum jetzt im Nachhinein positiv auffällt.

Schattenblicke:

  • Es gab keinen Spieler, der abgefallen wäre, alle Spieler brachten vielleicht 80% ihres Leistungsvermögens.
  • Dazu durfte jeder im Team mal ’nen Schnitzer machen, wobei nur das Missverständnis zwischen Albert und Juraschek kurz vor Schluss die fatalen Gegentor-Folgen hatte.
  • Die Raute mit Mittenzwei als offensivem Mittelfeldpart war wahrscheinlich dazu gedacht, den Gegner unter Druck zu setzen, führte aber aus meiner bescheidenen Taktik-Sicht dazu, dass die Innenverteidigung gelegentlich etwas allein mit ihren Gegenspielern stand und in diesen Situationen nicht sehr sattelfest aussah.
  • Nicht zu vergessen Christian Streit: der hatte auf der linken Außenbahn einen eher unglücklichen aber auch nicht schwächeren Tag als der Rest der Mannschaft erwischt, wurde aber trotzdem in der 37.Minute für eine offensivere Formation geopfert als Sebastian Hauck in den Sturm rückte und Jochen Höfler fortan über links kam. Nicht nur, dass Streit von Trainer Tino Vogel bei der Auswechslung keines Blickes gewürdigt wurde, eine Minute später musste er – wie ein Häufchen Elend auf der Bank hockend –  mit ansehen wie ausgerechnet Höfler über links den 1:1-Ausgleich vorbereitete. Also mir tat er leid, der Christian Streit, wirklich.

Links: RBL-Bericht [broken Link], RBL-Liveticker [broken Link], FC Sachsen-Bericht [broken Link], MDR-Bericht [broken Link]

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Ein Gedanke zu „FC Sachsen Leipzig vs. RasenBallsport Leipzig 2:1“

  1. Gönnen wir es den Chemikern die sich nicht Chemiker nennen wollen oder doch oder wie auch immer….. Wer weiß ob es den Club in ein paar Jahren (oder nächstes) überhaupt noch gibt. Man muß auch gönnen können 😉

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