Gesucht: Spielrecht

Langsam scheint das weitere Vorgehen zwischen dem RB Leipzig und dem SSV Markranstädt klar zu sein. Bereits zum Sommer wechseln die RasenBallsport-Mannschaften II, III und IV wahrscheinlich wieder zurück in den Leipziger Vorort. Das heißt für RB, dass man plötzlich, aber nicht unerwartet ohne zweite Mannschaft da steht. Sportlich ist das der Super-GAU, da die zweite Mannschaft das absolut notwendige Bindeglied zwischen A-Junioren und Profimannschaft darstellt. Absolut notwendig vor allem dann, wenn man bei RB Leipzig tatsächlich Spieler aus der eigenen Jugend an die erste Männermannschaft heranführen möchte. Da bedarf es einer U23-Mannschaft, die interessante Talente auffängt und ihnen die Möglichkeit gibt, Spielpraxis zu sammeln.

Genaugenommen müsste RB jetzt mit einer zweiten Mannschaft in der 12.Liga anfangen. Sportlich ist dies aber nicht sehr sinnvoll, denn für Jugendspieler, die den Sprung in den Profifußball suchen, ist Liga 12 ein Desaster. Und für RB ist dies auch ein Desaster, würde sich doch jeder Jugendspieler sehr genau überlegen, ob er zu einem Verein wechselt, der anfangs lediglich die Perspektive Liga 12 bietet. Zudem wird dadurch auch das Ziel des Vereins, für die neue Saison vor allem U23-Spieler zu verpflichten, komplett torpediert.

Da der Neuanfang mit einer U23-Mannschaft in Liga 12 also sportlich inakzeptabel ist, versucht Red Bull es im eigenen Stil mit dem Erwerb des Spielrechts einer anderen Mannschaft. In diesem Zusammenhang gelten die Verhandlungen mit dem FC Sachsen bezüglich dessen 2. Mannschaft als gescheitert, da Red Bull offenbar nicht die Summen zu zahlen bereit war, die die Sachsen aufriefen. Von vier mal 250000 Euro ist die Rede. Das hätte den Saisonetat der Sachsen sicherlich auf absehbare Zeit und das Mitspielen um die Regionalliga für die nächsten Jahre gesichert. Andererseits hätte es das Jugend-forscht-Konzept der Sachsen torpediert, wenn man ausgerechnet den Unterbau der ersten Männermannschaft verscherbelt hätte.

Als weiterer Kandidat für eine Spielrechts-Übernahme gilt Blau-Weiß Leipzig. Sportlich derzeit komplett auf dem Abstellgleis wird die erste Blau-Weiß-Mannschaft wohl aus der Landesliga absteigen. Finanziell kann der Verein, der mit seiner Fußballabteilung auf absehbare Zeit keine wichtige Rolle in Leipzig spielen wird, den Deal mit Red Bull sicherlich gut brauchen. Von daher würde eine Spielrechtsübertragung sicher Sinn machen. Andererseits spielt der Verein im nächsten Jahr Bezirksklasse, also Liga 7. Inwiefern dies für die sportliche Planung der RasenBallsportler Sinn macht, ist schwer zu sagen.

Letzter möglicher Kandidat für das Abkaufen des Spielrechts wäre meiner Meinung nach der FC Eilenburg. Sportlich derzeit auch relativ perspektivlos und bereits früher mit Red Bull in Kontakt gebracht könnten sie mit dem Geld den Verein auf absehbare Zeit konsolidieren und mittelfristig in der Oberliga platzieren. Zudem ist der neue Partner des RB Leipzig, die Firma Ileburger Sachsenquelle, gleichzeitig Hauptsponsor in Eilenburg und könnte sanften Druck auf die dortigen Entscheidungsprozesse ausüben.

Vorteil der Eilenburger: sie werden auch für die nächste Saison das Landesliga-Spielrecht haben, was bedeuten würde, dass die zweite RB-Mannschaft zumindest in Liga 6 starten kann. Das hat aber nicht nur Vorteile. Da der SSV Markranstädt im nächsten Jahr auch in der Landesliga spielt, müsste man sich quasi unter Partnern duellieren. Für die nächsten zwei Jahre schienen zudem die Aufstiegsplätze in die Oberliga an den SSV und an RB Leipzig vergeben. Das dürfte bei den anderen Landesliga-Teams nicht gerade für Jubel sorgen.

Apropos Jubel: imagetechnisch ist das erneute Aufkaufen des Spielrechts eines anderen Teams eine eher unglückliche Geschichte. Die Sachsen–Fans dürften das Ansinnen, nach der Jugendabteilung auch noch die zweite Mannschaft an RasenBallsport abzugeben, als – vorsichtig gesagt – intolerabel empfinden. Blau-Weiß- und Eilenburg-Fans sind zahlenmäßig vielleicht zu vernachlässigen, aber vermutlich auch nicht sonderlich erfreut über derartige Spekulationen. Und überhaupt dürfte der Versuch eines erneuten Spielrechtsaufkaufs den Kritikern Nahrung geben, für die RB Leipzig ein Club ist, der sich seinen Erfolg schlicht und einfach erkauft.

Um es aus meiner Position ganz klar zu sagen: Ich halte ausschließlich die imagetechnische Seite für unglücklich. Der Versuch eine weitere Spielrechtsübertragung durchzuführen, ist natürlich de facto völlig legitim und sportlich gibt es (wie oben dargestellt) keine sinnvolle Alternative dazu. Ob diese Spielrechtsübertragung gelingt, hängt einzig und allein davon ab, ob es einen Verein gibt, für den die Abgabe des Spielrechts eine lohnenswerte Option ist. Und wenn es einen solchen Verein gibt, sollten beide beteiligten Vereine die Chance nutzen und Verein XY Geld (oder was auch immer) verdienen und RasenBallsport Leipzig die eigene sportliche Position verbessern. Über alles andere sollen die Verbände entscheiden, die einem solchen Ansinnen zustimmen müssen.

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.