Fußball und Investment

Herr Beiersdorfer, in Hamburg waren Sie eine Integrationsfigur des Vereins, die Fans standen hinter Ihnen. Nun arbeiten Sie bei einem Klub mit Investment-Assoziation. Wie passt das zusammen?
Dietmar Beiersdorfer: Das ist eine spannende Frage, die auch ich mir gestellt habe. Ich als jemand, der von einem Fußballklub mit weit über 100 Jahren Tradition kommt, diese gelebt hat. Aber ich hätte nach der Zeit beim HSV auf absehbare Zeit nicht für einen anderen Bundesliga-Klub arbeiten können. Und die Aufgabe mit einer Verantwortung für ein weltweites Engagement ist eine Konstellation, die es in dieser Branche wohl selten noch einmal gibt. In den Gesprächen mit Dieter Mateschitz haben mich außerdem einfach seine Werte beeindruckt. […] Insgesamt will mir nicht einleuchten, dass sich Fußball und Investment ausschließen sollen. Das ist nicht mehr voneinander zu trennen. Oder glauben Sie, dass es bei Bayern, Wolfsburg, Leverkusen, Barca oder auch in Duisburg und Bielefeld nicht so ist. Es geht allein um eine nachhaltig gelebte Fußball-Kultur. (Dietmar Beiersdorfer am 19.03.2010 gegenüber spox.com)

Recht hat er, der Herr Beiersdorfer.

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8 Gedanken zu „Fußball und Investment“

  1. Wenn Du wirklich die Antwort wissen willst, dann findest Du sie aus Beiersdorfer-Sicht im verlinkten Interview. Wenn Du nur mal sagen wolltest, dass reiche Leute für Dich scheißereich/ geldgeil und mehr nichts sind, dann gut, dass Du dies dieser kleinen Internet-Welt einmal mitgeteilt hast.

  2. Versuch es mal mit Zwischen-den-Zeilen-Lesen. Denn ein Mensch, der angeblich für seine „Ethik, seine Einstellung gegenüber Menschen und der Welt im Allgemeinen, den Respekt, den er anderen, auch im Geschäftsleben, entgegen bringt“ geschätzt wird, hätte sicherlich nicht gegen den Widerstand tausender Fans Austria Salzburg in seine RB-Marketingabteilung einverleibt.

    Sicher kannst du Dieter Mateschitz so mögen, wie er in den Medien beschreiben wird. Ich habe meine Meinung ergänzt, als ich ein Interview mit einem Vertreter der Widerständler gegen den RB-Einstieg in Salzburg geführt habe. Für mich ist Dieter Mateschitz ein Mensch, der die Werte anderer Menschen brutal mit den Füßen tritt.

  3. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie Herr Mateschitz als Mensch sein mag oder wie er wem gegenüber öffentlich oder privat auftritt. Was ich aber (inzwischen) weiß (vergessen woher), ist, dass sich nach dem Einstieg von Red Bull die durchschnittliche Zuschauerzahl in Salzburg um etwa 10000 erhöhte. Marketingabteilung hin oder her, das verweist darauf, dass der Verein wohl nicht nur mit dem ‚Widerstand tausender Fans‘ kämpfen musste, sondern auch mit dem großen Interesse tausender Fans.

  4. Fans sind das nicht – das sind eher tausende Konsumenten.

    Was für Leute das sind, haste ja selbst hier bereits ziemlich gut umschrieben:

    „Wer sich dem RasenBallsport und eben nicht dem Fußballclub verspricht, muss nicht in ewiger Treue, ganz und gar authentisch und ehrlich, in guten wie in schlechten Zeiten zu seinen traditionellen Wurzeln – eben seinem Verein – stehen, sondern geht eine Verbindung ein, in der man sich selbst als oft wankelmütiges Individuum erkennen und jederzeit seine Unterstützung der RasenBallsportler aufkündigen und wieder aufnehmen kann. RasenBallsport-Fan zu sein, bedeutet sich von der heiligen Fan-Scholle, die bei anderen Chemie, Lok, Dynamo und wie auch immer heißt, lösen zu dürfen, ohne dass man sich des Hochverrats schuldig macht. Sich dem RasenBallsport zuzuwenden, bedeutet somit potenziell, sich dem Fußball ausschließlich in seiner taktischen und ästhetischen Schönheit zuzuwenden, ohne dem Druck des permanenten Bekennens oder eigeninitiativem Stadionumbaus ausgesetzt zu sein. RasenBallsport verspricht in diesem Sinne eine wunderbare Erweiterung des Spektrums von konsumptiven Freizeitaktivitäten, die sich nicht nur in Kino- und Konzertbesuchen erschöpfen.“

    „RasenBallSport-Fan“ ist ein Paradoxon in sich. Oder es handelt sich eben einfach um völlig grenzdebile Figuren – und ja, davon gibt es reichlich (auch in der Gesellschaft allgemein)…

    Naja, macht ja nix, wenn die Leute total bescheuert sind – ist’s einfacher, ihnen auch noch den letzten Dreck anzudrehen…

  5. @ Waldschrat. Zum letzten Mal: Wenn Du meinst, die Definitionsmacht zu haben, wie ein Fan auszusehen hat, dann ist das Deine Sache und meinetwegen darfst Du diese sogar öffentlich darlegen. Wenn Deine fandefinitorischen Allmachtsphantasien allerdings in Beschimpfungen abdriften, dann bitte nicht hier.

    Und ja, es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, sein Faszination einem kulturellen Angebot gegenüber auszuleben. Dabei hat die emotional aufgeladene Kurve genauso ihre Berechtigung, wie der Hauptgeraden-Gelegenheits-Besucher, der 10 Minuten des Spiels am Bratwurststand verbringt oder der Gegengeraden-Dauerkartenbesitzer, dem niemals einfallen würde, den Schiedsrichter mit Beleidigungen zu belegen. Und ja, es gibt Menschen für die ist Fußballgucken eine Beschäftigung unter vielen und jeden Sonntag steht eine neue Entscheidung an, ob Fußball, Freunde, Familie oder was auch immer am wichtigsten ist.

  6. Die Zuschauerzahlen in Österreich sind traditionell eher volatil. Austria Wien spiele 2002/2003 durchschnittlich vor 5.297 und die nächste Saison vor 12.324 Zuschauern. Sturm Graz hatte 1991/1992 noch 1.892, 1997/1998 dann schon 12.709 Zuschauer. Ähnlich verhält es sich bei Austria Salzburg, wobei sich die Zuschauerzahlen auf generell hohem Niveau gehalten haben. Trotzdem spannend, dass seit der RB-Übernahme der Zuschauerschnitt – trotz prominentem Trainer, trotz zahlreicher Meistertitel und trotz Stadionausbau – von 16.000 auf 14.000 gesunken ist.

    Zahlen, von denen RB Markranstädt nur träumen kann. Derzeit bewegen sich die Zuschauerzahlen ja stark auf das alte SSV Markranstädt-Niveau zurück. Aber spätestens bei Pflichtspielen gegen Real Madrid ist das Zentralstadion dann auch mal bei einem RB-Spiel ausverkauft.

  7. Ohne allzuweit in die Statistikinterpretation einzutauchen, könnte man auch sagen, dass die Zuschauerzahl bei RBS letzte Saison im Vergleich zum Vorjahr im Durschnitt um 1500 auf fast 15000 angestiegen ist, also Konsolidierung auf hohem Niveau. 😉 Austria Salzburg hatte zwischen 1994/1995 und 2004/2005 vll. durschnittlich 7000 Zuschauer pro Spiel mit dem absoluten Highlight von fast 11000 Zuschauern pro Spiel in der Glanzzeit 1994/95 (UEFA-Cup-Finale 1994; Champions League 94/95). Da wird es zumindest schwierig zu sagen, Austria Salzburg hätte Zuschauerzahlen auf hohem Niveau gehabt (zumindest im Vergleich zum Nachfolger Red Bull).
    Wie es zuschauertechnisch bei RasenBallsport Leipzig weitergeht, halte ich für eine offene Frage. Ich denke, da wird die nächste Saison in der Schüssel ein erster Fingerzeig sein. Dass bei entschiedener Meisterschaft nicht mehr 1000 oder 2000 Leute voller Neugier nach Markranstädt zuckeln, finde ich nicht sehr erstaunlich, wenn auch leicht enttäuschend.

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